Projektstudie


"Klimaökologie und Klimawandel am Rhone- und Aletsch-Gletscher im Wallis/Südschweiz"
Geländetage: 30.08. - 08.09.2006

 

Link zur weiterführenden Projektstudie 2008 (mit dem Windfang-Experiment und Gletscher-Lehrpfad)


Thematik der Projektstudie
:

Viele Alpengletscher sind derzeit von einem dramatischen Abschmelzen betroffen. Geht die Klimaerwärmung unvermindert weiter, wird es in 100 Jahren keine Alpengletscher mehr geben, so die Prognosen. Dies hätte nicht nur enorme ökologische, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen für die unmittelbare Umgebung, sondern auch für ganz Europa (u.a. Energieerzeugung, Schiffbarkeit der großen Flüsse Rhein und Rhone, Vegetation, Fauna).

Das Oberwallis (Goms) ist eine ganz besondere Region und kann als eine wichtige europäische Wasserscheide angesehen werden. Die Rhone entspringt direkt aus dem gleichnamigen Gletscher und entwässert bekannterweise ins Mittelmeer. Hinter dem unmittelbar westlich/nordwestlich angrenzenden Aargrat befindet sich der Oberaar- und Unteraargletscher. Hier entsprint der längste Fluß der Schweiz, die Aare und mündet bei Waldhut in den Rhein; entwässert also in die Nordsee. Hinter der südlich/südöstlichen Begrenzung des Oberwallis (Goms) speisen die Flüsse u.a. den Ticino (nach ihm erhielt das Tessin seinen Namen) und letztendlich den Po in der oberitalienischen Ebene, der in das Adriatische Meer mündet.

Im Rahmen der spannenden und arbeitsreichen Geländetage im Oberwallis wurden folgende Gletscher begangen und untersucht: Rhonegletscher, Oberaargletscher, Griesgletscher und natürlich auch der längste Gletscher der Alpen, der sehr imposante, 23 km lange Aletschgletscher.

Der Schwerpunkt der Untersuchungen lag am Rhonegletscher. Hier wurden zeitlich hochaufgelöste Profil-Klimamessungen mit 12 automatischen Stationen (Eisoberfläche Nährgebiet-Zehrgebiet-Eisrand-Karhang-Rhonetal-Gletsch-Oberwald) durchgeführt sowie temporäre Windmessungen unmittelbar am Eisrand. Weiterhin wurden mehrere Thermographen im Bereich der Gletscherzunge installiert, die den Temperaturtagesgang in verschiedenen Eistiefen gemessen haben. Ein Sonnenscheinschreiber ermittelte parallel dazu die Einstrahlungsintensität.

In einem weiteren Projektstudienteil wurden markante geoökologische Landschaftsveränderungen durch die Gletscherrückgänge am Rhone-, Oberaar-, Gries- und Aletsch-Gletscher kartiert und analysiert. Es handelt sich dabei um eine geoökologische "Spurensuche" mit ausführlicher Dokumentation.

Im dritten Themenbereich der Projektstudie wurde eine Befragungskampagne bei Einheimischen und bei Touristen bezüglich der klimaökologischen Perzeption und Kognition durchgeführt. Es wurde auch analysiert, welche ökologischen Einflüsse die Gletscherrückgänge in lokaler, regionaler und auch globaler Hinsicht bereits haben und möglicherweise noch haben werden. Hierzu wurden verschiedene Experteninterviews geführt.

Somit haben sich insgesamt 3 Arbeitsgruppen mit den gestellten Fragen beschäftigt und dabei im Rotationsprinzip alle Arbeitsgebiete kennen gelernt.

Gewohnt hat die Gruppe, bestehend aus 25 Studierenden und dem Leiter, Prof. Dr. Hans-Joachim Fuchs, in einem einmalig schönen Quartier in Oberwald, dem Holiday Camp Sand. Hier konnten wir einen großen Gruppenraum für unsere Auswertungen nutzen sowie die toll ausgestattete Großküche. Hier gilt ein großer Dank an Familie Burch, die Eigentümer, die uns alle Einrichtungen des Feriencamps sehr großzügig zur Verfügung stellten. Jeden Tag war eine andere studentische Kochgruppe eingeteilt, die für den Abend ein ausgiebiges Menü zaubern mußte sowie ein reichhaltgies und kräftiges Frühstück ab 7 Uhr morgens.

Weiterhin ganz herzlich möchten wir Herrn Dr. Philipp Carlen (Besitzer Hotel Restaurant Belvédère, Eisgrotte und Bazar Rhonegletscher) danken. Er hat unsere Projektstudie in einer sehr großzügigen Art und Weise unterstützt und uns den Zugang zu allen Geländepunkten am Rhonegletscher gewährt. Auch die sehr netten Angestellten im Bazar und Eisgrotte Rhonegletscher -Frau Sophia Harnisch, Frau Therese Erpen und Herr Pani- haben uns vorort immer sehr freundlich geholfen. 2007 sollen unsere Ergebnnisse im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums zum Anlass des 125-jährigen Jubliäums des Hotel Bélvèdere vorgestellt werden und auch in eine Dauerausstellung integriert werden.

Der sehr aufwändige Aufbau der Klimastationen auf dem Rhone-Gletscher wäre nie möglich gewesen, ohne einen sehr erfahrenen Bergführer, der die Guppe viele Male sicher über das sehr klüftige Gletschereis geführt hat. Hier gilt ein besonderer Dank an den renommierten schweizer Bergführer Charly Imoberdorf. Auch seine menschlich sehr nette Art hat ihn uns zu einem Freund werden lassen.

Weiterhin bedanken wir uns bei den Behörden im Kanton Wallis vor allem der Gemeinde- und Forstverwaltung in Oberwald für die freundliche Unterstützung unseres Vorhabens und die Genehmigung zum Befahren der Wirtschaftswege.

Ein großes Lob geht auch an die beteiligten Studierenden und an die beiden assistierenden, freiwilligen Helfern -Frau Diplom-Geographin Maria Semeniuk und Herrn Diplom-Geograph Björn Kaffenberger. Alle haben einen großen Einsatz gebracht und nahezu rund um die Uhr gearbeitet. Es wuchs ein toller Teamgeist heran. Auch die geselligen Momente kamen bei der Projektstudie nicht zu kurz.

Die Gletscherwelt im Oberwallis hat die ganze Gruppe sehr in den Bann gezogen: Faszination und Sorge zugleich bewegte uns vorort und bewegt immer noch. Neben den umfangreichen rein wissenschaftlichen Ausführungen auf dieser homepage sollen die vielen Fotos jedem Betrachter auch die Faszination der Gletscherwelt ein wenig näher bringen und sensibilisieren. Denn in ca. 100 Jahren ist dieses Eis möglicherweise geschmolzen und die Landschaft wird völlig verändert sein, wenn sich unser Klima weiterhin so dramatisch verändert. Wir alle sind gefordert, denn den zusätzlichen Treibhaus-Effekt verursachen WIR.

Link zur weiterführenden Projektstudie 2008 (mit dem Windfang-Experiment und Gletscher-Lehrpfad)

© Geographisches Institut Universität Mainz 2006
impressum - home - contact