Mainzer Hebraistisches Kolloquium (MHK)

Ab der 7. Konfernez trägt das MHK den Namen

Mainz International Colloquium on Ancient Hebrew (MICAH)

The 7. International Colloquium on Ancient Hebrew will be held at 12th / 13th November 2004.

 


Bericht über das erste Kolloquium am 30. Januar 1998, erschienen in JoGu 160, der Zeitschrift der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Mainzer Hebraistisches Kolloquium. Netzwerk gegründet.
Am 30. Januar fanden sich ca. vierzig in der Althebraistik forschende und lehrende Wissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz an der Johannes Gutenberg-Universität zusammen. Die Anregung zu diesem Treffen gab der Mainzer Lektor für Hebräisch am Fachbereich Evangelische Theologie, Dr. Reinhard G.Lehmann. Er sprach die Einladung im Namen des 'Arbeitskreis Althebräische Sprachforschung' und der Forschungsstelle für Hebräische Syntax aus und sorgte gemeinsam mit Johannes F. Diehl, Doktorand an der Forschungsstelle, für die inhaltliche und organisatorische Durchführung.
Althebraistik ist die wissenschaftliche Erforschung des sogenannten klassischen Hebräisch als Sprache Alt-Israels und des Alten Testaments von den Anfängen am Ende des 2. Jahrtausends v.Chr. bis etwa um 200 n.Chr. Sie ist seit der Berufung des Prof. für Altes Testament Diethelm Michel 1981 ein Forschungsschwerpunkt in Mainz. Sowohl in Hinblick auf die alttestamentliche Wissenschaft als auch auf die Judaistik (vertreten durch Prof. Günter Mayer) kann hier anwendungsbezogen gearbeitet werden. Der Schwerpunkt wird seit 1989 didaktisch flankiert durch einen Lektor für Hebräisch, der ein breites Grundangebot in Hebräisch, Aramäisch und gegebenenfalls, in Absprache mit dem Seminar für Orientkunde, auch weiteren Nachbarsprachen sicherstellt. In den letzten 10 Jahren konnten so eine Reihe von jungen Wissenschaftlern für die Hebraistik begeistert und in die Arbeit der Forschungsstelle für Hebräische Syntax integriert werden. Daraus erwuchs ein 'Arbeitskreis Althebräische Sprachforschung' im Sinne eines 'hauseigenen Netzwerks' ständiger Kontakte und kontinuierlicher Zusammenarbeit. Die Einladung zum Mainzer Hebraistischen Kolloquium konnte hier auf schon seit der Internationalen ökumenischen Konferenz der Hebräischlehrenden 1995 in Mainz (IÖKH) bestehende Kontakte und Zusammenarbeit zurückgreifen.
Besonders in Deutschland, wie überhaupt in Europa, ist die Kontaktpflege oder Zusammenarbeit in der Hebraistik, gar über 'Schulgrenzen' hinaus, eher selten. Bevor entsprechende Publikationen vorliegen, haben daher in diesem Bereich arbeitende Wissenschaftler oft nur sehr begrenzte Kenntnis davon, was ihre Kollegen an anderen Universitäten gerade beschäftigt. Auch international ist das Fach auf Kongressen selten explizit vertreten. Kontakte bilden sich daher überwiegend im englischen Sprachbereich über von den USA aus geführten 'mailinglists' im Internet, an denen europäische Althebraisten bisher kaum beteiligt sind.
Grundgedanke des Mainzer Hebraistischen Kolloquiums war daher, ein 'Netzwerk', wie es intern schon in Mainz bestand, schließlich überregional für Deutschland und, soweit es die Möglichkeiten zulassen, für Europa zu initiieren, um den Austausch auch besonders unter dem wissenschaftlichen Nachwuchs in einem Fach zu fördern, das sonst, neben seiner personell und finanziell meist eher bedrängten Lage, der Gefahr lähmender Isolation ausgesetzt wäre.
Nachdem Dr. Lehmann den Grundgedanken des Kollquiums kurz vorstellte, war der Vormittag geprägt von der gedanklichen Dichte und Materialfülle, mit der Prof. Dr. Ernst Jenni aus Basel über "Die Präposition Lamed mit dem Infinitiv" sprach. Jenni ist als Verfasser des prominentesten deutschsprachigen Lehrbuchs für das alttestamentliche Hebräisch den Studierenden ein Begriff und genießt als Autor wegweisender hebraistischer Publikationen und Mitherausgeber der 'Zeitschrift für Althebraistik' internationale Autorität. Seit 1990 arbeitet Jenni an einem Projekt zu den hebräischen Präpositionen, worüber er in rascher Folge zwei umfangreiche Untersuchungen zu den Präpositionen BET und KAPH vorlegte, die zusammen allein im Alten Testament mehr als 20000 mal belegt sind. Im Blick auf den projektierten dritten Band präsentierte Jenni in Mainz, ausgehend von einem aktuellen Übersetzungsproblem, die sprachwissenschaftlichen und methodischen Grundlagen, mit der die Grundfunktion der Präposition LAMED als 'nichtgleichstellender Relationalis' in den wiederum über 20000 Belegen unter neun Rubriken verifiziert werden kann.
Am Nachmittag trug Andreas Schüle aus Heidelberg, der an einer Grammatik der althebräischen Inschriften arbeitet, 'sprachliche Beobachtungen zu den beiden neuedierten Moussaieff-Ostraka' vor. Die beiden vor einem Jahr publizierten beschrifteten Tonscherben, die allein auf Grund der Schriftgestalt ins 7. Jh. v.Chr. datiert werden und wegen ihres Inhalts internationale Beachtung fanden, hatten vielfach auch aus den gleichen inhaltlichen Gründen den Verdacht der Fälschung geweckt. Materialanalysen konnten hier nicht zu allgemein überzeugenden Ergebnissen führen. Ausgehend von der Feststellung, daß im Antikenhandel aufgetauchte Sammlerstücke keinen Echtheitsbonus haben, war daher für Schüle die leitende methodische Frage, wie diese als Fälschungen philologisch verifiziert bzw. falsifiziert werden können.
Im Anschluß berichtete Prof. Dr. Michel, Leiter der Mainzer Forschungsstelle für Hebräische Syntax, über den Stand des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts zur Hebräischen Syntax.
Der Fortgang des Kolloquiums stand unter der Thematik des Informationsaustausches und des 'Netzwerks'. Johannes F.Diehl, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle, führte Möglichkeiten einer europaweiten Kommunikationsstruktur für in der Althebraistik forschende und lehrende Wissenschaftler vor. Kommunikatives Zentrum und Anlaufstelle wäre dabei die Mainzer Forschungsstelle für Hebräische Syntax und der Arbeitskreis Althebräische Sprachforschung. Jährliche Kolloquien in Mainz sollten die regelmäßige Gelegenheit sein, sowohl spezielle hebraistische Fragen im kollegialen Kreise zu erörtern als auch insbesondere den Austausch über einschlägige Arbeitsvorhaben (Promotionen, Habilitationen, spezielle Projekte) in einer Disziplin zu fördern, die in so unterschiedlichen Fachrichtungen wie Theologie, Judaistik, Semitistik, Orientalistik und Allgemeiner Sprachwissenschaft zu Hause ist. Diesem Anliegen soll als ständiger Möglichkeit eine mailinglist im Internet dienen, die von Mainz aus betrieben wird. Hier kann teilweise an das Vorbild bereits bestehender Listen anderer Fachrichtungen angeknüpft werden. Eine Testversion für einen eingeschränkten Kreis ist vom Zentrum für Datenverarbeitung der Universität schon im Sommer 1997 installiert worden und soll im Laufe des Jahres 1998 weiteren Kreisen im Internet zugänglich gemacht werden.
Prof. Takamitsu Muraoka, Leiden, stellte in diesem Zusammenhang sein Newsletter for Pre-Modern Hebrew Studies vor, das seit 1996 in jährlicher Erscheinungsweise ein ähnliches Anliegen vertritt, allerdings nicht in elektronischer Form zugänglich ist. Auch bei anderen Teilnehmern stellte sich heraus, daß von den Kommunikationsmöglichkeiten des Internet vor allem wegen unzureichender Ausstattung immer noch wenig Gebrauch gemacht wird.
Alle Beteiligten befürworteten die Mainzer Initiative als einen notwendigen Schritt hin zu besserem gegenseitigen Austausch.
Das nächste Mainzer Hebraistische Kolloquium soll im November 1998 stattfinden.

 

Bericht über das 2. Mainzer Hebraistisches Kolloquium am 30. Januar 1998

Nach dem Erfolg des spontan zustandegekommenen ersten Mainzer Hebraistischen Kolloqiums im Januar 1998 konnte mit finanzieller Unterstützung der Universität und der Vereinigung der Freunde der Universität wie geplant gegen Ende des Jahres ein zweites Kolloquium stattfinden. Wiederum hatte der Arbeitskreis für Althebräische Sprache am Fachbereich Evangelische Theologie unter Federführung von Dr. Reinhard G.Lehmann und Johannes F.Diehl dazu eingeladen, und wie Dr. Lehmann, der Sprecher des Arbeitskreises, hervorhob, hätte das Kolloquium zur gro§en Freude der Mainzer Hebraisten nun auch im europäischen Ausland soviel Beachtung gefunden, da§ man sogar längere Anreisen selbst für diese eintägige Veranstaltung nicht mehr scheute. So fanden sich am 21. November mehr als fünfzig am Klassischen Althebräischen lehrende und forschende Theologen, Semitisten und Orientalisten aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich und Schweden zusammen, um das Gespräch miteinander und über die Vorträge der geladenen Referenten zu suchen. Sicherlich dazu beigetragen hatte der Erfolg der mailingliste *hebraisticum*, die als Initiative des Arbeitskreises am 1. Oktober 1998 im Internet starten konnte. *hebraisticum*, betreut von Johannes F.Diehl, bietet eine internationale Kommunikationsplatform für aktuelle Fragen der Althebraistik, auf der unter sprachlichem Gesichtspunkt hebrSische Texte des Alten Testaments und der alten Inschriften ebenso behandelt werden ksnnen wie speziellere grammatische oder epigraphische und prinzipielle auf das Hebräische bezogene sprachwissenschaftlichen Themen. Insbesondere hat sich *hebraisticum*, hervorgegangen aus den seit Jahren stattfindenden Arbeitssitzungen der Forschungsstelle für Hebräische Syntax (Prof. Diethelm Michel, Fachbereich 02), in den letzten Monaten bereits als Instrument der schnellen Kontaktaufnahme und Informationsvermittlung bewährt, was in dem kleinen Spezialfach der Althebraistik mit seiner institutionellen Anbindung an so verschiedene Fächer wie Semitistik, Orientalistik und Alttestamentliche Theologie rasch zu einer spürbaren Belebung der wissenschaftlichen Diskussion unter Einschluß von Fragen der didaktischen Anwendung und Vermittlung führte. Mit grö§ter Spannung wurde auf dem Kolloquium der Vortrag von Prof. Dr. Takamitsu Muraoka erwartet, der als prominentester Redner des Tages mit "Some remarks on the Hebrew nominal clause" zugleich das Thema vorgab. Muraoka lehrte seit 1970 semitische Sprachen in Manchester und Melbourne, seit 1991 ist er Professor für Hebräisch an der Universität Leiden. Als Verfasser mehrerer hebraistischer und aramaistischer Standardwerke und Hilfsmittel und als engagierter und anregender Gesprächspartner genießt Muraoka weltweit hohes Ansehen in seinem Fach. Ein besonderes Interesse gilt bei ihm dem Nominalsatz, der im Hebräischen wie in anderen semitischen Sprachen als Satztyp ohne finites Verb eine vieldiskutierte Sonderrolle spielt und über dessen formalen Aufbau und sein syntaktisches Leistungsspektrum bis heute keine Einigkeit in der Forschung besteht. Eine Grundentscheidung, so hob Muraoka hervor, falle schon in der Terminologie, sofern einerseits die verbreitete Bezeichnung "verbless clause" die Beteiligung eines Partizips ausschlösse, andrerseits "nominal sentence" die Möglichkeit eigebetteter Sätze a priori zuließe - beiden Begriffen gegenüber sei es klarer, zunächst nur von "nominal clause" zu sprechen. Besondere Probleme ergeben sich dabei immer noch in der Bestimmung von Subjekt und Prädikat, in der mehrheitlich vertretenen Funktionsanalyse als Identifikation und Klassifikation sowie in der Frage nach der Existenz von sogenannten Zusammengesetzten Nominalsätzen, die unter bestimmten Bedingungen auch ein finites Verb im Nominalsatz zulassen würden. Muraokas Hauptaugenmerk galt jedoch den sogenannten "tripartite nominal clauses", die zusStzlich zu den beiden obligatorischen nominalen Gliedern als ein drittes Konstituens ein unabhängiges Personalpronomen enthalten. Auffällig ist hier das Vorkommen von zwei nahezu gleich häufig auftretenden 'patterns', die das Pronomen entweder in Zweitstellung oder aber in Endstellung enthalten. Ihre funktionale Abgrenzung voneinander ist nicht immer deutlich und dadurch erschwert, daß für die althebräische Sprache solche Faktoren wie Betonung und Akzent im Sprachvollzug nicht mehr bekannt sind, doch scheint das Pronomen in solchen Sätzen meist als Urform der Emphase aufzutreten und seine Stellung daher letztlich entscheidend für die Leistung und Analyse dieser Sätze zu sein. Den einen speziellen Nominalsatz 'ani YHWH ("Ich bin Jahwe") stellt dann Anja A. Diesel, langjährige Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Mainzer Forschungsstelle für Hebräische Syntax, in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen. Die vielverhandelte Frage dieser im Alten Testament häufig auftretenden sogenannten "Selbstvorstellungsformel" ist die nach Subjekt und Prädikat bzw., Diethelm Michel folgend mit Begriffen in Anlehnung an die arabischen Nationalgrammatiker, nach 'mubtada' und 'chabar'. Angesichts der offenkundigen formalen Unumkehrbarkeit der Satzteilfolge in dieser Formel mu§ hier als der "exegetische Ertrag einer grammatischen Theorie" festgehalten werden, da§ es sich nicht um eine Selbstvorstellung im engeren Sinne handelt und sich die Funktion des Satzes im Laufe der Religionsgeschichte von der Präsentation in polytheistischem Kontext zur Rekognition und zur Verdeutlichung des Alleinanspruchs Jahwe's gewandelt hat. Den offiziellen Teil des Kolloquiums beschlo§ Privatdozent Dr. Josef Tropper aus Berlin, der aus dem Blickwinkel des speziell mit dem Nordwestsemitischen befaßten Semitisten die "Funktionen der Präformativkonjugation Kurzform" darstellte. Diese besondere, im Hebräischen nicht mehr überall formal erkennbare Verbalkonjugation habe trotz ihrer weiten Funktionspalette stets perfektive Funktion, womit sich das Hebräische als typologisch eher alte nordwestsemitische Sprache zeige.
Seit 1999 werden die Beiträge des Mainzer Hebraistischen Kolloquiums in KUSATU (Kleine Untersuchungen zur Sprache des Alten Testaments und seiner Umwelt) publiziert:
 
 

3. Mainzer Hebraistisches Kolloquium an der Johannes Gutenberg - Universität Mainz am 6. November 1999

Zum dritten Mal fand am 6. November diesen Jahres das Mainzer Hebraistische Kolloquium statt. Im Andenken an den vor kurzem verstorbenen Mainzer Hebraisten und Alttestamentler Prof. Dr. D. Michel, der die hebraistische Arbeit in Mainz während seines aktiven Mainzer Wirkens (1981-1999) stets befördert hat, lud der Mainzer Arbeitskreis fßr Althebräische Sprache unter Federführung von Dr. Reinhard G.Lehmann und Johannes F. Diehl in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Wolfgang Zwickel zu einer Gedenkvorlesung im Rahmen des Kolloquiums ein. Diese akademische Gedenkvorlesung, zu der über 100 Gäste gekommen waren, hielt Michels früherer Studienfreund Prof. em. Dr. Rudolf Smend (Göttingen), der ihn als Wissenschaftler und Kollegen eingehend würdigte. Den Hauptvortrag des diesjährigen Hebraistischen Kolloquiums sollte ursprünglich Prof. Dr. D. Michel über das Funktionsspektrum des hebräischen Verbs halten. An seiner Stelle sprach nun Dr. Ingo Kottsieper (Münster) über "yaqattal - Phantom oder Problem? Erwägungen zu einem hebraistischen Problem und zur Einteilung der semitischen Sprachen." Der Marburger Semitist Otto Rössler, Lehrer von Kottsieper, hatte ab 1961 in einer Serie von Aufsätzen "eine bisher unerkannte Tempusform im Althebräischen" zur Diskussion gestellt. Er hatte beobachtet, da§ in dreizehn Fällen einer bestimmten Klasse von schwachen Verben scheinbar ungrammatische Formen vorliegen und zog daraus den Schlu§, da§ neben den bekannten Tempusformen des Hebräischen noch eine weitere existiert haben müsse. An diesen Vorstoß Rösslers schloß sich eine langdauernde Kontroverse Pro und Contra an. Unter dem Dictum "Syntax kann man erst machen, wenn man weiß, wieviel Formen man überhaupt hat", griff Kottsieper die Rösslersche These erneut auf und setzte, um sich nicht in Nachfolgekämpfen zu verlieren, erneut direkt bei den Beobachtungen Roauml;sslers an. Er arbeitete heraus, da§ die hier und in weiteren Texten belegte, aus einigen anderen semitischen Sprachen bekannte, aber im späteren Hebräischen aufgegebene Tempusform zum Ausdruck des Durativs in der gehobenen literarischen Sprache gehörte. Daran schlossen sich Überlegungen zu einer neuen Einordnung des Althebräischen in das Ensemble der semitischen Sprachen an, die in die Beobachtung mündeten, daß es unter den nordsemitischen Sprachen als erst relativ spät bezeugte dennoch zu den typologisch älteren gehört. Die Verwendung von Imperativen als Interjektionen im klassischen Hebräisch stellte Johannes F. Diehl (Mainz), Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt ISATEX, in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Unter dem Titel des wortwörtlich aus Gen 27,19 übersetzten und zunächst widersprächlich klingenden Satzes "Steh auf, setzt dich und iß" befaßte sich Diehl mit der Frage: "Unter welchen UmstSnden wird ein Imperativ als Interjektion und wann als 'echter' Imperativ gebraucht?" Vergleichbare Phänomene sind in vielen Sprachen bekannt, etwa auch im Deutschen, wenn man "Komm, geh!" sagt. Für die literarisch überlieferten Texte des klassischen Hebräisch gilt, da§ die Entscheidung über imperativische oder interjektionale Funktion von Imperativen von semantischen und kotextuellen syntaktischen Parametern abhängig ist.

Den Vortragsteil des Kolloquiums beschloss Michael Malessa (Leiden), der die "Differentielle Objektmarkierung im klassischen Hebräisch" in den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellte. Anhand statistischer Ermittlungen stellte er fest, da§ die Verwendung der sog. Nota Accusativi im Althebräischen auch bei determinierten Objekten in der Prosasprache nie obligatorisch, sondern immer fakultativ ist.

Bei der anschlie§enden Gelegenheit, Arbeitsvorhaben und Projekte vorzustellen und Termine bekanntzugeben, wies Dr. Reinhard G.Lehmann auf die neu gegründete Reihe KUSATU (Kleine Untersuchungen zur Sprache des Alten Testaments und seiner Umwelt)) hin, die Lehmann im Auftrag der Forschungsstelle für Althebräische Sprache (früher: für Hebräische Syntax) am Fachbereich 02 Evangelische Theologie herausgibt. KUSATU ist ein wissenschaftliches Publikationsorgan für die Althebraistik und ihrer Nachbargebiete. Es sollen hier sowohl Aufsätze verschiedenen Umfangs, als auch Einzeluntersuchungen erscheinen. Ein erster Band wird im ersten Halbjahr 2000 die Vorträge dieses 3. Mainzer Hebraistischen Kolloquiums enthalten.

Das 3. Mainzer Hebraistische Kolloquium wurde finanziell unterstützt durch die Johannes Gutenberg-Universität und die Freunde der UniversitSt Mainz.

Die Beiträge des 3. Mainzer Hebraistischen Kolloquiums sind erschienen in KUSATU (Kleine Untersuchungen zur Sprache des Alten Testaments und seiner Umwelt) Band 1, Waltrop 2000.
 
 

4. Mainzer Hebraistische Kolloquium am 4. November 2000:

Prof. Dr. Jacob Hoftijzer (Leiden)
"Zukunftsaussagen und ModalitSt"

Dr. Wido van Peursen (Leiden)
"The alleged retroversions in the Hebrew text of Ben Sira revisited: linguistic perspectives"

Dr. Andreas Schüle (Heidelberg)
"kamoka - der Nächste, der ist wie Du.
Zur Philologie des Liebesgebots von Lev. 19,18.34"

Die Beiträge sind erschienen in KUSATU (Kleine Untersuchungen zur Sprache des Alten Testaments und seiner Umwelt) Band 2, Waltrop 2001.
 
 

5. Mainzer Hebraistische Kolloquium am 10. November 2001:

Prof. Dr. Ida Zatelli (Florenz)
The Study of the Hebrew Language.
Traditional Approaches and New Methods

Dr. Stefan Schorch (Bielefeld-Bethel)
Die hebräische Sprachgeschichte und die Vokalisierung(en) der hebräischen Bibel

Jens Kotjatko (Halle)
Verbalnomina und Infinitive bei den hebr<äischen Grammatikern des Mittelalters
und das Problem der Terminologie

Die Beiträge werden erscheinen in KUSATU (Kleine Untersuchungen zur Sprache des Alten Testaments und seiner Umwelt) Band 3, Waltrop 2002 (in print).