Leitung: Dr. Ludolf Pelizaeus
Im Rahmen dieser Übung wurden
behandelt. Für jeden Film wurde eine Einführung gehalten, die im untenstehenden Bereich vorgestellt werden. Darüberhinaus sei hier noch auf weitere verwandte Filme, bzw. Seiten verwiesen:
| Anne Boleyn (sw. Ernst Lubitsch 1920) | Roman von Alexandre Dumas | Private Life of Henry VIII 1933. | Private Life of Henry VIII |
Inhaltsverzeichnis
Das Drama „Maria
Stuart“ von Friedrich Schiller....................................................................... 3
Annette Simons................................................................................................................................................................. 3
Literaturliste...................................................................................................................... 8
Historische Hintergründe: Das Leben
von Maria Stuart............................................................ 10
Pia Bockius....................................................................................................................................................................... 10
Literaturliste.................................................................................................................... 15
Historie im Spielfilm................................................................................................................ 17
Boris Klemkow................................................................................................................................................................. 17
Literaturliste.................................................................................................................... 23
Elisabeth I. und der Earl of Essex............................................................................................ 25
Silke Lanzen..................................................................................................................................................................... 25
Literaturliste.................................................................................................................... 30
Der Film „Günstling einer Königin“,
die politische Lage in den USA 1939 und die Theatervorlage von Maxwell Anderson.............................................................................................................................................. 31
Charlotte Backerra........................................................................................................................................................... 31
Zusammenfassung........................................................................................................... 31
Der Kampf der Warner Bros. gegen den
Nationalsozialismus und.................................... 31
der Interventionismus in diesem Film................................................................................ 31
Der Film als Teil der moralischen
Unterstützungskampagne.............................................. 33
für Großbritannien........................................................................................................... 33
Die Bearbeitung des Stückes von
Maxwell Anderson...................................................... 34
als Vorlage für das Drehbuch.......................................................................................... 34
Literaturliste.................................................................................................................... 37
Entstehung
des Film: “Günstling einer Königin”......................................................................... 38
Dirk
Fey............................................................................................................................................................................ 38
Literaturliste.................................................................................................................... 43
Juana
la loca: Biographie......................................................................................................... 45
Gabriele
Scriba................................................................................................................................................................. 45
Einleitung:....................................................................................................................... 45
Literaturliste.................................................................................................................... 45
Juana
la loca: Die Entstehung des Films................................................................................... 46
Rebecca Wessinghage................................................................................................................................................... 46
Einleitung:....................................................................................................................... 46
La Locura de Amor........................................................................................................ 47
Juana
la Loca................................................................................................................. 48
Allgemeine Daten............................................................................................................ 50
Vicente Aranda.............................................................................................................. 50
Enrique Cerezo............................................................................................................... 51
Literaturliste.................................................................................................................... 51
Die
Biographie von Königin Margarethe von Valois................................................................. 53
Regina
Schleuning.......................................................................................................................................................... 53
Literaturliste.................................................................................................................... 58
Die Entstehung
des Films “Die Bartholomäusnacht”................................................................. 59
Lukas
Krauss................................................................................................................................................................... 59
Literaturliste.................................................................................................................... 59
Das Drama „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller
Obwohl
Schiller von den Jahren 1786-1792 als Geschichtsdozent an der Universität in
Jena lehrte (Muhlack: Konzept, S. 7), entspricht „Maria Stuart“ in einigen
Fällen nicht den historischen Tatsachen.
Über
Schillers Tätigkeit als Historiker sind die Meinungen heutzutage sehr geteilt.
Während die einen denken, daß er in diesem Beruf selten ernst genommen werde (Otto:
Schiller, S. 293), glauben die anderen, dass die Literaturwissenschaft ihren Schiller den Historikern nicht gönnen wolle (Mann: Schiller, S. 109). Wir können
jedoch davon ausgehen, daß Schiller, der Geschichte
und Kunst verbinden wollte, einige Dinge für die Kunst ‚umarangierte‘
und sich an dramatische Gesetze hielt (Scholz: Stuart, S. 44). Dies geschah
unter anderem aufgrund Schillers Ziel Geschichte als didaktisches Mittel zu
gebrauchen, das die Natur des Menschen veranschaulichen sollte (Muhlack:
Konzept, S. 7).
Die
Vorlage des von Heinz Schirk inszenierten
Theaterstücks „Maria Stuart“ verfasste Friedrich Schiller in den Jahren 1799–1800
(Oellers: Funktion, 212). Es ist als ein Musterbeispiel für ein klassisches
historisches Drama anzusehen (Wagner: Stuart, S. 20).
Schon
im Jahr 1783 hatte sich Schiller mit der Geschichte der schottischen Königin
befasst, sie jedoch zugunsten des „Don Carlos“ zurückgestellt (Zymner: Schiller, S. 98). Im Jahr 1799 schrieb er dann an
Goethe, dass ihn Neigung und Bedürfnis eher zu
einem frei phantasierten, nicht historischen[...]Stoff zögen (Petersen:
Nationalausgabe 30, S. 39). Wenig später widmete er sich trotzdem der Arbeit an
dem Drama, da ihm die Hauptmotive sehr zusagten und die Charaktere schon von
der Geschichte her hervorragenden Grundlagen und Aufbaumöglichkeiten boten (Sharpe: Schiller, S. 110f). Desweiteren
eignete sich für diesen historischen Stoff gut die Euripidische
Methode des klassischen Dramas (Petersen: Nationalausgabe 30, S. 45). Bei
diesem Verfahren steht besonders der symmetrische Aufbau und die Parallelität
der Akte- in diesem Falle die Aufteilung der Akte, daß
der erste Akt Maria, der zweite Elisabeth, der dritte beiden Königinnen
gemeinsam, der vierte wiederum Elisabeth und der abschließende hauptsächlich
Maria gewidmet ist- im Vordergrund (Guthke: Dramen,
S. 212). Doch nicht nur aus rein klassisch ambitionierter Sicht wollte Schiller
sich diesem historischen Stoff zuwenden. Durch den Erfolg seines Werkes
„Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande von der spanischen
Regierung“ war Schiller als Geschichtsschreiber bekannt geworden (Dann:
Schiller, S.110) und hielt an der Universität von Jena Vorlesungen als
Professor der Philosophie, da er nicht im formellen Sinne Professor der
Geschichte war (Muhlack: Konzept, S. 9). Er befasste sich mit diesem Thema zu
einer bewegten Zeit, da sich die Geschichtswissenschaft am Wendepunkt von
Aufklärung zum Historismus befand (Muhlack: Konzept, S. 5). Für die
pragmatische Schule der Aufklärung musste Geschichte zugleich empirisch wahr und systematisch zusammenhängend sein
(Gottlob: Schiller, S. 311) und war als Kausalzusammenhang erfassbar. Somit
sollte die Wissenschaft zu einem Aufklärungsprozess für die Bevölkerung gemacht
werden (Gottlob: Schiller, S. 313). Durch die Revolution wurde dann aber die
Kluft zwischen Erfahrung und Erwartung offensichtlich: Man realisierte, dass
Geschichte nicht durch Analogieschließung
zu erfassen ist (Otto: Schiller, S. 306), sondern immer eine Eigendynamik
entwickelt (Gottlob: Schiller, S. 314). Schiller konnte es sich durchaus
vorstellen der erste Geschichtsschreiber
in Deutschland zu werden (Petersen: Nationalausgabe 26, S. 58) und sah sich
schon in deutlicher Distanz zu den Aufklärungshistorikern (Muhlack: Konzept, S.
8). Er wollte historisch-kritische Quellenforschung mit literarischer
Gestaltung verbinden, da er auch die enge Verwandtschaft dieser beiden Gebiete
erkannte (Muhlack: Konzept, S. 8). Ursprünglich war für Schiller Geschichte die
Entwicklungsgeschichte auf eine als ideal
verstandene Gegenwart hin (Koopmann: Schiller, S.
61). Durch die Revolution veränderten sich dann auch seine Ansichten, da fast
nichts mehr von dem, auf dem er einst sein Bild gründete, bestand (Koopmann: Schiller, S. 67). Er fing an zwischen der
poetischen und der historischen Wahrheit zu unterscheiden und sah seinen
Standpunkt näher bei der Poetischen (Koopmann:
Schiller, S. 71), denn so musste er sich nicht unmittelbar daran halten, wie
die Geschichte verläuft, sondern konnte an einem veränderten Ablauf zeigen,
dass sie so verlaufen müßte, wenn sie weiterhin einen Sinn erkennen lassen soll (Koopmann: Schiller, S. 72). Darum wand er sich etwas von
der Quellenforschung ab und kam zu dem Schluß, daß geschichtliche Wahrheiten besser durch künstlerische
Aussagen darzustellen seien (Dann: Schiller, S. 125). Vor allem in seinen
späteren Dramen, zu denen auch „Maria Stuart“ zählt, fand dies seinen
Niederschlag (Dann: Schiller, S. 125). Schiller wollte Geschichte dadurch
verdeutlichen, indem er ein System erschuf und fehlende Verbindungsglieder
erfand um das Aggregat von Bruchstücken
zu einer Einheit zu formen (Oellers: Funktion, S.
206).
Im Drama selbst sind Differenzen
zu den historischen Begebenheiten zu finden. So nahm Schiller einige
anachronistische Umstellungen vor. Zum ersten ist das Alter der beiden Frauen
falsch. Maria starb mit 44 Jahren, nachdem sie von ihrer neun Jahre älteren Cousine Elisabeth 19 Jahre gefangen gehalten wurde.
In der Tragödie hingegen sind beide Frauen jünger: Maria ist etwa 25 und
Elisabeth erst 30 Jahre alt (Scholz: Schiller, S. 44). Außerdem verlegte der
Dichter, der gesteigerten Dramatik wegen, die Hinrichtung Marias auf ein
späteres Datum. Die schottische Königin wurde nämlich am 8.2.1587 enthauptet;
im Stück wird es jedoch so geschildert, dass sie am „Jahrestag“ der Ermordung Darnleys, die in der Nacht vom 9. auf den 10.2. stattfand,
hingerichtet wurde (Neis: Stuart, S. 25).
Wichtig
ist, daß Mortimer die einzige frei erfundene Person
im Stück ist. Er sollte im Sinne Schillers verschiedene Aufgaben erfüllen. So
wird durch ihn gezeigt, wie gefährlich religiös motiviertes politisches Handeln
sein kann (Oellers: Funktion, S. 213). Desweiteren kann durch Mortimer eine Hoffnung auf Rettung
aufkeimen, die für die Zuschauer die Spannung weiter erhält. Mit seinem
Scheitern wird dann schließlich die ausweglose Situation Marias unterstrichen (Oellers: Funktion, S. 212). Oellers
geht sogar soweit, dass er Mortimer als den
Teil Marias, den der Dichter ihr nicht zumuten wollte sieht (Oellers: Funktion, S. 214). Dies ist insofern zu erklären,
als dass Mortimer das wichtige Thema der Religion ins Spiel bringt. Dies soll
nicht durch Maria geschehen, da sie letztendlich nicht aufgrund ihres Glaubens
zum Tod verurteilt wurde. Auch das Aufeinandertreffen der beiden Königinnen,
das sowohl den Wende- als auch den Höhepunkt des Stückes bildet, entspricht
nicht den historischen Tatsachen. Schiller selbst sprach davon, dass die
Situation an sich moralisch unmöglich sei, es ihm aber gelungen sei, sie
möglich zu machen (Paulson: Queen´s
encounter, S. 173). Zum einen ist diese Begegnung
allein aufgrund des antiken Aufbaus vonnöten, da sich sonst die beiden
voneinander getrennten Handlungsstränge der Maria und der Elisabeth nicht
berühren würden und das Stück in zwei Hälften zerfiele (Neis: Stuart, S. 71).
Zugleich konnte Schiller sehr anschaulich zwei verschiedene Weltsichten aufeinandertreffen lassen: Politisch vertritt Maria die
klassenkämpferischen Ansichten des autonomen Bürgertums –da sie in ihrer
Gefangenschaft von rechtswegen kein gekrönte Adelige
mehr ist- gegenüber dem herrschenden Absolutismus (Schlaffer: Widerstände, S.
145). Privat stehen sich zwei vollkommen verschiedene Frauen gegenüber, wovon
jede in einem anderen System gefangen ist (Guthke:
Dramen, S. 214). Außerdem beginnt in dieser Szene das vollkommen selbständigen
Handeln Marias, da sie – allen machtpolitischen oder auch persönlichen
Interessen zum Trotz – durch ihr herablassendes Handeln gegenüber ihrer Cousine
sich selbst für den Tod entscheidet (Paulson: Queen´s encounter, S. 179). Durch
ihr Auftreten wird die Kluft zwischen den beiden Frauen so groß, dass Maria
nicht mehr zu retten ist.
Auch
die Liebe Leicesters zu Maria kann historisch nicht nachgewiesen werden.
Vielmehr schlug Elisabeth selbst nach dem Tode von Francois II. ihren Günstling
als Ehemann für ihre Cousine vor, um zu verhindern, dass Maria einen einflussreicheren
Mann heiratete, der ihre Macht vergrößerte (Henderson: Stuart, S. 1263). Nirgendwo erfahren wir von einem
Befreiungsplan, geschweige denn von unloyalen Verhalten gegenüber seiner
Herrscherin (Guthke: Dramen, S. 223).
Schließlich ist auch die Beichte und Absolution von Maria
nicht historisch (Neis: Stuart, S. 71). Man verweigerte ihr einen katholischen
Geistlichen als letzten Wunsch. Für Schiller war in seinem Drama, das mit einer
allen menschlichen Bedürfnissen und Streben entrückten Maria enden sollte,
dieses Ereignis vonnöten, um die Entwicklung der Hauptfigur deutlich zu machen
(Neis: Stuart, S. 71). Gerade in dieser veränderten Einstellung Marias werden
von Schiller wichtige Weltanschauungen übermittelt: Der Tod ist das
unmittelbare Schicksal eines jeden Menschen, doch dadurch, dass man ihn frei
und ohne Widerstand annimmt, beweist man eine höhere Freiheit (Neis: Stuart, S.
72). In seiner Anschauung ist der Mensch sein eigener Gesetzgeber, er bestimmt
sich selbst, und genau das tut Maria am Ende in einer sehr drastischen Weise.
Wobei man nicht außer acht lassen darf, dass sie nicht für die Tat sterben
will, für die sie verurteilt wird, sondern sich selbst für ihre früheren Taten
verurteilt und durch ihren Tod die Schuld sühnen will (Scholz: Stuart, S. 31).
Auch diese Trennung der Schuldfragen lässt sich in den Quellen keineswegs
nachweisen (Scholz: Stuart, S. 31).
Abschließend
ging es Schiller in der Darstellungsweise der Figuren nicht darum, den einen zu
erheben und den anderen zu vernichten, wie es in den Stücken der
Sturm-und-Drang-Zeit zu sehen ist. Denn es gibt keinen ganz „reinen“ Charakter,
niemand im Stück ist ausnahmslos gut oder böse (Scholz: Schiller, S. 41)-
sondern die Ausweglosigkeit einer historischen Situation wurde dargestellt (Oellers: Funktion, S. 215), die notwendigerweise mit dem
Tod einer der beiden Protagonistinnen enden muss.
·
Schiller, Friedrich: Maria Stuart, in: Dramen. Hg. v.
Paul Stapf. Berlin, Darmstadt 1956, S. 801-922.
·
Dann, Otto: Schiller, der Historiker und die Quellen. In:
Schiller als Historiker. Hrsg.: Otto Dann, Norbert Oellers,
Ernst Osterkamp. Stuttgart 1995, S. 109-126.
·
Gottlob, Michael: Friedrich Schiller und Johannes Müller.
In: Schiller als Historiker. Hrsg.: Otto Dann, Norbert Oellers,
Ernst Osterkamp. Stuttgart 1995, S. 309-333.
·
Guthke, Karl:
Schillers Dramen. Idealismus und Skepsis. Tübingen 1994 (Edition Orpheus.
Beiträge zur deutschen und vergleichenden Literaturwissenschaft 11).
·
Henderson,
Thomas: Mary Stuart. In: Dictionary of national biography 12,
·
Koopmann, Helmut: Das
Rad der Geschichte. Schiller und die Überwindung der aufgeklärten
Geschichtsphilosophie. In: Schiller als Historiker. Hrsg.: Otto Dann, Norbert Oellers, Ernst Osterkamp. Stuttgart 1995, S. 59-76.
·
Neis, Edgar: Erläuterungen zu Friedrich Schillers Maria
Stuart. Hollfeld 1981 (Königs Erläuterungen und Materialien 5).
·
Muhlack, Ulrich: Schillers Konzept der
Universalgeschichte zwischen Aufklärung und Historismus. In: Schiller als
Historiker. Hrsg.: Otto Dann, Norbert Oellers, Ernst
Osterkamp. Stuttgart 1995, S. 5-28.
·
Oellers, Norbert:
Poetische Fiktion als Geschichte. Die Funktion erfundener Figuren in
Geschichtsdramen Schillers. In: Schiller als Historiker. Hrsg.: Otto Dann,
Norbert Oellers, Ernst Osterkamp. Stuttgart 1995, S.
205-218.
·
Otto, Regine: Schiller und Herder als
Geschichtsschreiber. Annäherungen und Differenzen. Hrsg.: Otto Dann, Norbert Oellers, Ernst Osterkamp. Stuttgart 1995, S. 293-308.
·
Paulson,
Michael: The Queen´s encounter. The Mary Stuart
anachronism in dramas by Diamante, Boursault,
Schiller and Donizetti.
·
Petersen, Julius u.a. (Hrsg.):
Schillers Werke. Nationalausgabe. Weimar 1943-2000.
·
Schlaffer, Hannelore: Widerstände gegen Klassikerlektüre.
Ein Unterrichtsmodell zu Schillers „Mary Stuart“. Stuttgart 1977 (Projekt
Deutschunterricht 7).
·
Scholz, Ingeborg: Friedrich Schiller. Maria Stuart. Die
Schaubühne als moralische Anstalt betrachtet. Interpretationen und Anregungen
zur Unterrichtsgestaltung. Hollfeld 1981 (Analysen und Reflexionen 43).
·
Sharpe, Lesley:
Schiller and the historical character. Presentation and interpretation in the historiographical works and in the historical dramas. Oxford 1982
(Oxford modern languages and literature
monographs).
·
Wagner, Jörg: Die besondere Persönlichkeit der Maria
Stuart. Ein Essay zu Schillers Geschichtsdrama Maria Stuart. Preetz 2000
(Akademische Abhandlungen 7).
·
Zymner, Rüdiger:
Friedrich Schiller. Berlin 2002 (Klassiker – Lektüren 8).
Historische Hintergründe: Das Leben von Maria Stuart
Pia Bockius
Die Meinungen
über Maria Stuarts Leben teilten die Zeitgenossen in Lager, wie sie
gegensätzlicher kaum sein konnten: Für die einen war sie ein Intrigen
spinnender „Drachen“ (Williams S. 160), für die anderen eine Märtyrerin, die
für den katholischen Glauben gestorben war (Fraser S.
433). Bis heute streiten Historiker über ihre Mitschuld an den zahlreichen
Konspirationen, die Zeit ihres Lebens um sie gesponnen wurden.
Maria Stuart
wurde als Tochter von Jakob V. von Schottland und Maria von Guise
am 7. oder 8. Dez. 1542 (Datum strittig) geboren. Schon am 14. Dez. starb ihr
Vater und sie wurde Königin von Schottland, während Lord Hamilton, der Adlige
mit dem nächsten Anspruch auf den Thron zum Regenten wurde.
Trotz vorheriger
Verhandlungen mit Heinrich VIII. von England, Maria mit Prinz Eduard zu
vermählen, zog Marias Mutter eine Heirat mit Frankreich vor. Im Juli 1548 wurde
eine Konvention über eine Heirat mit dem Dauphin
Franz II von den schottischen Adligen ratifiziert und Maria aufgrund von
ständigen Unruhen und Machtkämpfen in Schottland zwischen Protestanten und
Katholiken schon einen Monat später nach Frankreich geschickt. (Stephen, Sidney S. 1277, 1278, 1258, 1259.)
Die Kindheit am
französischen Hof hat sie stark geprägt, sowohl im Hinblick auf ihren
katholischen Glauben als auch in ihrer Vorliebe für Tanz, Musik und Spiel. (Fraser S. 58, 153.)
Am 24. Apr. 1558
heiratete Maria Franz II., den Sohn
Heinrichs II. und Katharina de Medicis, wobei sie zuvor einen geheimen Vertrag
unterzeichnet hatte, nach dem Schottland im Falle ihres Todes ohne einen Sohn
an Frankreich fallen würde (Mitkönigskrone).
Heinrich II.
starb am 10. Juni 1558 und Franz II. () folgte ihm auf den Thron. Maria war
somit Königin von Frankreich und Schottland, nannte sich zu dieser Zeit
allerdings Königin von Schottland, England
und Irland und trug das Wappen des englischen Königshauses, worin z. T. der Konflikt zwischen ihr und Elisabeth
begründet liegt. Als Maria I. von England (Maria Tudor/die Katholische) im
November 1558 starb, war Elisabeth als Nachfolgerin nicht unumstritten; die
Katholiken betrachteten sie als „Bastard“, da die Ehe ihrer Mutter Anna Boleyn
mit Heinrich VIII. annulliert worden war. Maria begründete ihren Anspruch auf
den englischen Thron mit der nahen Verwandtschaft zu den Tudors. Ihre
Großmutter väterlicherseits, Margarete Tudor, war eine Schwester Heinrichs
VIII., also Elisabeths Tante (Sokop S. 29, 30).
Aufgrund dieses
Konflikts schloss England am 6. Juli 1560 mit den Schotten den Vertrag von
Edinburgh, nach dem Maria Elisabeths Recht auf den Thron anerkennen sollte und
das englische Wappen nicht mehr führen durfte. Er wurde jedoch nie von Maria
unterzeichnet.
Kurz zuvor, am
11. 6. 1560, war Maria von Guise gestorben, was zu
unsicheren Zuständen in Schottland führte, und schon am 5.12 1560 starb Franz
II. Katharina von Medici wurde Königin Frankreichs, woraufhin Maria, die als
Königinwitwe eine schwere Stellung hatte, bald nach Schottland ging, um dort
ihre Herrschaft auszuüben.
Während der
Regentschaft ihrer Mutter war es immer wieder zu Intrigen und Machtkämpfen
zwischen den Adeligen gekommen. Als Maria am 19.08.1561 landete, war die von den
Schotten selbst geformte Regierung eine protestantische. Ihr Halbbruder Lord
James (später Earl of Moray), unehelicher Sohn von
Jakob V. und Margarete Erskine (Sokop
S.30) und Marias späterer Staatssekretär William Maitland
gehörten ihr an. Beide wurden ihre engen, wenn auch nicht loyalen, Ratgeber.
Lord James hatte sie überredet, den status quo in
Schottland, d.h. das bestehende protestantische Parlament und die sich
etablierende „New Kirk“, zu akzeptieren (Dawson S. 112-114). Trotzdem kam sie
mit John Knox, dem führenden Kopf der Protestanten in Konflikt, u. a. da sie
selbst es sich vorbehielt privat die Messe lesen zu lassen. (http://www.marie-stuart.co.uk/knox.htm
)
Im Nov. 1562
erkrankte Elisabeth I. schwer an Pocken, was wieder die Frage nach Thronfolgern
und somit Marias Ansprüchen aufwarf. Zuvor hatte trotz Elisabeths ablehnender
Haltung ein persönliches Treffen der Königinnen zu diesem Thema stattfinden
sollen. Aufgrund des Massakers von Vassy an den
Hugenotten (01.05.1562) war dies aber verschoben worden und fand niemals statt
(Nette S. 44, 49).
Die Frage nach
einem Ehemann für Maria gestaltete sich schwierig; Religion, Herkunft und die
Beziehungen zum Ausland (v. a. zu England) waren zu berücksichtigen. Elisabeth
I. schlug ihren Höfling Robert Dudley vor und machte ihm zum Earl of Leicester.
Dieser Vorschlag schien recht absurd, u. a. da Leicester als Geliebter
Elisabeths galt und er selbst eher danach strebte, Elisabeth zu heiraten
(Williams S. 110-115).
Maria heiratete
am 29.06.1565 den Engländer Lord Darnley, ihren
Vetter, Sohn von Margarete Douglas und Matthew Stuart, Graf von Lennox (Lorenz,
Tafel 27). Wie sie stand er dem englischen Thron sehr nahe. Elisabeth war wider
Marias Erwarten nicht mit der Heirat einverstanden. Trotzdem erhielten der Earl
of Moray und seine Aufständischen in Schottland, die
ebenfalls gegen die Hochzeit waren, nicht die erhoffte Unterstützung
Elisabeths. Es kam zu dem so genannten „Chaseabout Raid“ (August 1565) und zur Ächtung der Aufständischen, die
jedoch später von Maria wieder rückgängig gemacht wurde (Fraser
S.193-196).
Der katholische Darnley, der in England als Protestant gelebt hatte,
versprach sich von dieser Ehe die Mitkönigskrone, die ihm allerdings von Maria
verweigert wurde. Er ließ sich zu einem Komplott hinreißen und schloss mit den
schottischen Adeligen einen „Bond“ zur Erlangung der Mitkönigskrone und der
Aufrechterhaltung der protestantischen
Religion. Moray und einige weitere an dem Aufstand
gegen Darnley beteiligte wandten sich jetzt gegen die
Königin. Das Komplott gipfelte in der Ermordung von Marias italienischem
Sekretär Riccio, durch das die im sechsten Monat
schwangere Maria unter Druck gesetzt werden oder gar eine Fehlgeburt erleiden
sollte. Maria gelang es, Darnley wieder auf ihre
Seite zu ziehen und die Adeligen somit zu verraten, doch sie wusste auch von
seiner Beteiligung am Komplott. (Fraser S. 199-213).
Intrigen und
Verrat, zusätzlich zu seinen schlechten Eigenschaften wie seine ständige
Trunkenheit und seine Unzuverlässigkeit als König in Staatsangelegenheiten (http://www.marie-stuart.co.uk/husbands.htm
) ließen ihn zu einer Gefahr für Schottland werden. James Hepburn, Earl of Bothwell, James Douglas, Earl of Morton, Maitland u. A. unterzeichneten einen Bond zur Ermordung Darnleys, die am 10. Feb. 1567 vollzogen wurde. Es ist
umstritten, ob Maria von der Ermordung gewusst oder sie gar befürwortet hatte.
Eine Scheidung hätte aber die „Illegalität“ ihres Sohnes Jakob (geb. am 19.
Juni 1566) bedeuten können. (Fraser S.227-229;
231-245; Williams S.132, 133).
Zeitgenossen sahen es als empörend an, dass
Maria schon am 15. Mai 1567 Bothwell, den am
stärksten verdächtigten, heiratete. Katholiken entsetzten sich über den
protestantischen Ritus der Trauung. (Williams 133, 134; http://www.marie-stuart.co.uk/story.htm
). Doch Maria benötigte einen Ehemann, der die Adeligen kontrollieren konnte.
Für Bothwell schien ein Bond zu sprechen, in dem sich
viele hohe Adelige für eine Hochzeit zwischen ihm und Maria ausgesprochen
hatten, u. a. Morton und Maitland (Fraser S. 252, 253). Doch noch vor der Hochzeit
unterschrieben z. T. dieselben Adeligen geheim einen neuen Bond zum Schutz der
Königin vor Bothwell.
Die Truppen Bothwells und der Königin konfrontierten
die der Adeligen bei Carberry Hill, wo Maria sich
bereit erklärte, mit den Adeligen zu verhandeln. Doch statt in Schutz wurde sie
in Gefangenschaft gebracht.
Aufgrund
gewandelter Machtverhältnisse wurde sie zur Abdankung gezwungen und als
Begründung mitschuldig an Darnleys Tod angeklagt. Ihr
Sohn Jakob wurde am 29. Juli 1567 zum König gekrönt und Moray
zum Regenten erklärt. (Fraser S. 258, 264-68, 278,
283).
Maria konnte
aber fliehen und widerrief die Abdankung. Sie sammelte einige Truppen und es
kam zur Schlacht bei Langside. Als ihre Truppen
unterlagen, floh sie nach England, wo sie in Gewahrsam genommen wurde. (Dawson
S. 154-155; Fraser S. 366).
Daraufhin gab es
Briefwechsel bezüglich eines Treffens der beiden Königinnen, bei dem Maria vor
Elisabeth persönlich die Anschuldigungen widerlegen und um Hilfe zu ihrer
Wiedereinsetzung bitten wollte. Doch Elisabeth verweigerte ein Treffen bevor nicht
die Unschuld Marias bewiesen war. (Williams S. 136-138).
Es kam zur
Konferenz von York (1568/69) über die Schuldfrage bei Darnleys
Tod. Hierbei wurden von Seiten Schottlands (Moray und
Morton) die berüchtigten Kassettenbriefe als
Beweismaterial gegen Maria vorgelegt. Ihre Echtheit und Glaubwürdigkeit blieb
allerdings lange umstritten (Fraser 311-346; Lewis
32; http://www.marie-stuart.co.uk/husbands.htm
).
Elisabeths
Urteil war zweideutig; auf keiner Seite sei genügend Beweismaterial vorgelegt
worden. Allerdings blieb Maria in Gefangenschaft während Moray
als Regent nach Schottland zurückkehrte. (Stephen, Sidney
S. 1271).
Während der
folgenden Jahre gab es verstärkt Verschwörungen zugunsten Marias, in die sie z.
T. selbst verwickelt war. Die drei nennenswertesten, die „Northern Rebellion“
(1569), das „Ridolfi-Komplott“ (1572) und das „Throgmorton-Komplott“ (1583) beinhalteten z.B. die Hochzeit
Marias mit dem höchsten englischen Adeligen Norfolk und eine katholische
Revolution in England mit Unterstützung des katholischen Auslands. (Williams S.
144-152, 156-160, 231-233). Zusätzlich zu den Komplotten verschärfte sich die
Situation im Ausland: Papst Pius’ V. Bulle „Regnans
in excelsis“ (1570) zwang die englischen Katholiken unter
Androhung der kirchlichen Verbannung zur Entsagung von ihrer hiermit
exkommunizierten Königin; die Tötung Elisabeths wurde als legale Handlung im
Sinne des Katholizismus propagiert (Williams S. 155, 230). In Schottland, in dem
seit Marias Flucht Bürgerkrieg herrschte, wurde der Regent Moray
1570 ermordet und nach Unruhen Lennox, Darnleys
Vater, zum Nachfolger ernannt (Dawson S. 179, 180). In Frankreich kam es zur
Bartholomäusnacht (24.8.1572), 1584 wurde König Wilhelm von Oranien ermordet.
Diese Entwicklungen veranlassten den englischen Staatsrat 1584, einen Eidbund auf Elisabeth zu gründen, nach dem jene, die einen
Anschlag auf Elisabeth geplant hatten, bis zum Tode zu verfolgen seien. Dies
galt ebenso für Personen, zugunsten derer
ein solches Komplott geplant war (Williams S. 230, 234, 235). 1584 schlossen
England und Schottland ein Bündnis, das Maria außen vor ließ, wodurch sie sah,
dass sie nicht auf ihren Sohn hoffen konnte. Vielleicht versuchte sie deswegen,
mit mehreren Parteien gleichzeitig zu ihrer Befreiung zu verhandeln; da dies
aber nicht verborgen blieb führte diese „Mehrgleisigkeit“
nur in noch tiefere Aussichtslosigkeit. (Stephen, Sidney
S. 1272)
Die „Babington-Verschwörung“ (1586) wurde Maria nach fast 18
Jahren Gefangenschaft zum Verhängnis. Babington,
junger überzeugter Katholik, der oft im Ausland gewesen war, plante eine
Aktion, bei der gleichzeitig Maria befreit, Elisabeth getötet und die
katholischen Aufständischen von einer ausländischen Invasion gestützt werden
sollten. Maria stimmte zu; über die Echtheit ihres Briefes gab es kaum
Diskussionen (Fraser S. 387, 388).
Elisabeth ließ
nach bekannt werden der Verschwörung eine Verhandlung in Fotheringhay,
Marias jetzigem Gefängnis, mit englischen Peers als Richtern stattfinden, wo
Maria nur alleine zur Verteidigung erscheinen durfte. Sie wurde von den
Parlamentsmitgliedern für schuldig befunden, doch es war an Elisabeth, das
Todesurteil zu unterzeichnen. Sie schob es lange vor sich her, da Maria mit ihr
verwandt und außerdem eine gesalbte Königin wie sie selbst war, nicht zuletzt
aber aus Furcht vor den Reaktionen des Auslands. Aufgrund des Gesetzes, das aus
dem Eidbund hervorgegangen war wurde am 08. Feb. 1587
das Todesurteil vollzogen. (Fraser S. 421, 424).
·
Dawson, Jane E.
A.: The politics of religion in the age of Mary, Queen of Scots. The Earl of
Argyll and the struggle for
·
[Zitiert als: “Dawson”.]
·
Fraser, Antonia:
Maria, Königin der Schotten. Hamburg, Düsseldorf 31977.
·
[Zitiert als: “Fraser”.]
·
Lewis, Jane
Elizabeth: Mary, Queen of Scots. Romance and Nation.
·
[Zitiert als: “Lewis”.]
·
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[Zitiert als: „Lorenz“.]
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[Zitiert als: „Stephen, Sidney“.]
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[Zitiert als: „Williams“.]
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Elektronische Publikationen:
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The World of
Mary, Queen of Scots, The Official Site of the Mary Stuart Society (August
1998), online unter URL: <http://www.marie-stuart.co.uk/>
(27.01.03).
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[Zitiert als: „<www.marie-stuart.co.uk/>“.]
Boris Klemkow
Im Mittelpunkt
des historischen Films steht meist kein dokumentarisches Interesse, d.h. die
Authentizität muss sich der Dramaturgie, bzw. der Aussageabsicht des
Filmemachers beugen.
Im Spielfilm
erstreckt sich der Umgang mit historischen Stoffen über viele Genres und
verfolgt die unterschiedlichsten Ziele. Es gibt Genres die Historie als
Fundament benötigen, wie z.B. der Kostüm- und Ausstattungsfilm, der
Historienfilm oder der Monumentalfilm. Ferner wären Filmbiografien, die so
genannten Biopics, zu erwähnen, die das Leben oder
einen Lebensabschnitt einer oder mehrerer nicht fiktiver Personen filmisch
aufarbeiten. Der Protagonist ist oftmals nicht repräsentativ für die
zeitgenössische Gesellschaft, was aber das Interesse an seiner Person ausmacht.
Es sind v.a. Künstler, Wissenschaftler, Könige,
Politiker oder ihre weiblichen Pendants, die im Mittelpunkt stehen, und deren
Lebensumstände näher beleuchtet werden, wobei eine Untersuchung der
Nebenfiguren oft vom historischen Standpunkt aus gesehen ergiebiger ist, da
deren Charakterisierung und Hintergründe weniger verklärt oder vereinfacht
sind. Der Protagonist in diesen meist mehr auf Unterhaltung als auf
Erkenntnisgewinn abzielenden Filmen ist fast immer auf bestimmte Aspekte seiner
Persönlichkeit reduziert: Frauen lieben, hassen und verzweifeln; Männer
forschen, kämpfen und komponieren.
Beispiele für
diese Tatbestände sind sowohl „Günstling einer Königin“ ( USA
/ 1939 von Michael Curtiz ( alle Angaben zu den Filmen entnommen aus „Chronik
des Films 1996 mit Ausnahme von nachstehendem )), wie auch „Johanna la Loca“
( Es / 2001 von
Vincente Aranda ). Bei Curtiz Film, der auf einem Theaterstück basierend seine
„Theaterhaftigkeit“ nie bestreiten kann, steht die
Liebe ( ? ) zwischen Elisabeth und ihrem Earl of Essex im Mittelpunkt. Politische Fakten sind wie die
symbolschwangere Kulisse nur bloßes Beiwerk, ähnlich wie in Arandas
Epos über Liebe, Eifersucht und Wahnsinn. Während der erste Film von seinen
Stars und ihren heute unfreiwillig komischen Dialogen lebt, setzt der zweite
auf große Gefühle und noch größere Bauten um einem spanischen Nationalmythos
neues Leben einzuhauchen. Von existentialistischem Drama kann allerdings keine
Rede sein, dazu ist alles zu plakativ, die Figuren zu scherenschnittartig und
der historische Hintergrund nicht genau genug recherchiert.
Hier lässt sich aber
ein Trend zum historischen Realismus hin beobachten, denn waren diese Filme
früher zur Unterhaltung gedacht und schwelgten in Bildern und Emotionen, so
arbeiten in letzter Zeit viele Filmemacher direkt mit Historikern zusammen, um ein stimmiges und möglichst
dreidimensionales Bild von Person, Gesellschaft und Zeit zu entwerfen.
Zwischen den
Weltkriegen zählten fast alle nationalen Filmografien eine Unmenge von
Agitationsfilmen. Die abstoßendsten sind wohl die im
NS-Deutschland produzierten Propagandafilme, von denen die meisten heute
verschollen oder nicht frei zugänglich sind. Amos Vogel beschreibt Propaganda
wie folgt: Sie soll volkstümlich, leicht verständlich stets mehr auf das
Gefühl als auf den Verstand gerichtet und ihr Niveau „der beschränkten
Intelligenz angepasst“ sein ( Vogel, 1997, S.174 ).
Als Musterbeispiele wären hier „Triumph des Willens“ (
Deutsches Reich / 1935) von Leni Riefenstahl und „Jud
Sueß“ ( Deutsches Reich / 1940) von Veit Harlan zu nennen. Ersterer ist darauf bedacht dem Nürnberger
Parteitag der NSDAP in seinen monumentalen Ausmaßen gerecht zu werden und die
Person Adolf Hitlers bis ins Übermenschliche zu erhöhen ( Der Film zählt zwar
nicht direkt zum Spielfilm, man möge mir diese Inkonsequenz aber verzeihen. ).
„Jud Sueß“ dagegen basiert
auf einen Roman von Lion Feuchtwanger, verkehrt
dessen Aussage aber ins Gegenteil und wird somit zum Aushängeschild des
antisemitischen NS-Propagandaspielfilms: Im 18. Jahrhundert angesiedelt wird
die Geschichte des Juden Isaac Sueß-Oppenheimer
erzählt, der vom Herzog von Württemberg zum Finanzminister ernannt wird und
sich fortan am Volk bereichert und Intrigen spinnt, bis ihm am Schluss das
Handwerk gelegt wird. Harlan und Riefenstahl mussten
sich für ihre Machwerke nach dem Krieg verantworten. Sie wurde mit einem
Berufsverbot belegt, über seinen Prozess entstand vor kurzem auch ein Film.
Außerdem wären noch die sogenannten Durchhaltefilme
wie z.B. „Kolberg“ (Deutsches Reich / 1945 ), ebenfalls von Harlan, der
vom Kampf gegen die französischen Besatzer 1806/07 erzählt, zu erwähnen. Die
zeitgeschichtlichen Bezüge liegen auf der Hand. Dieser Film zählt zu den vielen
im Dritten Reich entstandenen, die sich der persönlichen Aufsicht und
Unterstützung von Filmminister ( vgl. Moeller 1998 ) Goebbels
gewiss sein konnten.
In Frankreich
und Großbritannien entstanden zur gleichen Zeit Widerstandsfilme, aber auch
hier hatten die USA wieder das Monopol inne: Allen voran erklärt das namhafte
Warner-Studio den Widerstand gegen Nazideutschland zur Priorität, andere zogen
gleich. Es entstanden Filme wie: „Auch Henker sterben“ ( USA
/ 1943 ) von Fritz Lang, „Saboteure“ ( USA / 1942 ) von Alfred Hitchcock, „Das
siebte Kreuz“ ( USA / 1944 ) von Fred Zinnemann oder „Ich war Spion der Nazis“
( USA / 1939 ) von Anatole Litvak. Die Liste ließe
sich endlos fortsetzen.
Auffällig ist v.a., dass die meisten dieser Filme von Emigranten aus
Europa inszeniert wurden, die alle vor den Nazis bzw. dem Krieg und dem sich
ausbreitenden Faschismus geflohen und ins Exil gegangen waren um weiter
arbeiten und leben zu können.
Die Verfilmung
von Hemmingways „Wem die Stunde schlägt“ ( USA / 1943
von Sam Wood inszeniert), in der sich eine Gruppe von Widerständlern in Spanien
gegen Franco stellt, sowie Chaplins Hitler-Parodie „Der Große Diktator“ (
USA/1940 ) und Michael Curtiz’ „Casablanca“ ( USA / 1942 ), der als
Widerstandsfilm konzipiert später zum Kultfilm avancierte und als eine
Anthologie deutscher Filmemigranten gelten kann ( Monaco, 1995, S.302 ),
zählen des weiteren zum „Antifaschistischen Schutzwall des Kino“.
Eine anderer Alliierter , die Sowjetunion, hatte schon nach der
Oktoberrevolution ein neues Genre geschaffen, den sogenannten
Revolutionsfilm. Von Lenin selbst stammt der Ausspruch: Die Filmkunst ist
für uns die wichtigste aller Künste ( Chronik des
Films,1996, S. 44). Zu nennen wären hier v.a.
„Panzerkreuzer Potemkin“ ( UdSSR / 1925 )und „Oktober“
( UdSSR / 1928 ) beide von Sergej M. Eisenstein, sowie „Das Ende von St.
Petersburg“ ( UdSSR / 1927 ) von Wsewolod I. Pudowkin. Das Revolutionskino wurde im Ausland auch oft als
sowjetische bzw. russische Avantgarde bezeichnet, was auf die technische
Virtuosität der Filmemacher v.a. in der Montage
zurückzuführen ist. Wie in Deutschland nach 1933 diente das sowjetische Kino
dem etablierten Regime als Propagandamaschinerie. Dennoch bildet die jeweilige
Ideologie den Kern des Films, nicht die historische Genauigkeit. Man strebte
eine gelungene Verbindung von Rationalität der Idee und Pathos der
Darstellung ( Rother, 1997, S.251 ) an. Während
des Zweiten Weltkriegs wurden hier auch Propaganda und Durchhaltefilme
produziert wie etwa „Stalingrad“ ( UdSSR / 1943 ) oder
„ Sie verteidigt die Heimat“ ( UdSSR / 1943 ) von Friedrich Ermler.
Als 1946 der zweite Teil seiner als Trilogie konzipierten Saga „Iwan der
Schreckliche“ Parallelen zu Stalins Biografie aufwies, fiel Eisenstein, einer
der Protagonisten des Sowjetkinos, in Ungnade. Anderen Filmemachern erging es
ähnlich, als ihre Filme zu „individuell“ oder zu „intellektuell“ wurden.
In China gingen
und gehen die Regisseure der sogenannten „5.
Generation“, deren Filme Ausdruck einer persönliche(n) Sichtweise auf die
chinesische Gesellschaft ( Rauscher, Andreas:
Fünfte Generation; in: Koebner, 2002, S.232 ) sind,
scheinbar subtiler vor. Nach der Kulturrevolution waren in China hauptsächlich
Opernverfilmungen gedreht worden und scheinbar in dieser Tradition entstanden
ab Ende der Achtziger Jahre Werke wie z.B. „Leb wohl, meine Konkubine“ ( VR
China / 1993 ) von Chen Kaige.
Der Film erzählt von zwei Opernsänger, einer davon homosexuell und in den
anderen verliebt, und der Frau des anderen. Alle drei leiden unter der
repressiven chinesischen Politik. In „Rote Laterne“ ( VR China / 1991 ) und „Rotes Kornfeld“ ( VR China / 1988 ) wirft der
Regisseur Zhang Yimou einen kritischen Blick auf das
moderne China. In „Rote Laterne“ wird eine junge Studentin von ihren Eltern als
vierte Frau mit einem reichen Mann verheiratet
( dessen Gesicht
dem Zuschauer nie gezeigt wird ), damit sie überleben können. Meist stehen
Individuen, oft Frauen, Kinder, alte Menschen oder „Freidenker“ wie Künstler
oder Homosexuelle und ihr Zerbrechen im Mittelpunkt dieser Filme.
Man könnte also
sagen, dass hier der historische Film so etwas wie eine Nische für Systemkritik
bietet, die Subversion zulässt und der Blick in die Geschichte [...] zur
allegorischen Bestandsaufnahme der Gegenwart ( Rauscher,
ebd. ) wird.
Die Verarbeitung
des Vergangenen, vielleicht auch des Verdrängten scheint ein wichtiger Aspekt
bei vielen historischen Filmen der jüngsten Vergangenheit zu sein, wie etwa die
Filme nach dem Zusammenbruch der UdSSR, aber auch schon die sogenannten
deutschen Trümmerfilme nach 1945, beweisen.
Auch in Italien
beginnt nach dem zweiten Weltkrieg der Wiederaufbau und die Verarbeitung der
Geschichte bzw. des Faschismus’ mit dem Neorealismus. Wichtiges Beispiel
hierfür wäre „Rom, offene Stadt“ ( I / 1945 ) von
Roberto Rossellini, der noch teilweise vor der Befreiung Italiens gedreht, von
der Besatzung Roms durch die Deutschen und dem Widerstand der Bevölkerung
erzählt. Der Film wirkt fast dokumentarisch durch seine nahe zu unzumutbaren
Produktionsbedingungen und die emotional distanzierte Erzählweise.
Ähnlich wie in
Italien, dem Geburtsland des Monumentalfilms, ging man nach dem Zweiten
Weltkrieg in den USA vor ( übrigens auch nach bzw.
während des Vietnamkrieges). Man versuchte aber auch die befreiten europäischen
Staaten, hauptsächlich Deutschland und Österreich, umzuerziehen, indem man das
Grauen der Konzentrationslager und des Krieges für alle sichtbar machte, der
nicht zuletzt eine Folge von übersteigertem Nationalismus und einem Mangel an
demokratischem Bewusstsein gewesen war.
Ende der
Sechziger Jahre kam es außerdem bedingt zu einer Abrechnung mit der eigenen
Vergangenheit: Der „Amerikanische Heimatfilm“, der Western, der zuvor nur wenig
reflektiert die Geschichten von Revolverhelden und unzivilisierten, axtschwingenden Indianern wiedergekäut hatte, behandelte u.a. die Massaker an und die Vertreibung der Ureinwohner
während der Erschließung des amerikanischen Kontinents durch die Siedler aus
Europa. Die Schwarz-Weiß-Malerei der frühen Jahre wurde also aufgegeben und der
Western wurde „erwachsen“, d.h. man übernahm Verantwortung für die
Schattenflecken der eigenen Vergangenheit.
Auf der anderen
Seite des Atlantiks sind auch ähnliche Tendenzen zu beobachten: In Frankreich,
im Land Napoleons und der drei Musketiere, wurde man sich seiner Leichen im
Keller bewusst. Exemplarisch sei hierfür Patrice Chéreaus
„Die Bartholomäusnacht“ ( F, I & BRD / 1994 ) genannt.Der Film, mit gewissen dramaturgischen
„Eigenkreationen“ versehen, die einer Untersuchung durch Historiker nicht
standhalten würden, scheint darum bemüht ein möglichst präzises Bild der
damaligen Zustände zu zeichnen. Ob der Massenmord an den Hugenotten einer so
expliziten Darstellung bedurft hätte bleibt fraglich, die Bilder, die der Film
findet, verfehlen ihre Wirkung allerdings nicht. Trotz, oder gerade wegen, der opernhaften Inszenierung wirkt das geschilderte Milieu
authentisch, die Ablehnung des Gezeigten überzeugend.
Insgesamt lässt
sich also festhalten, dass der wie auch immer geartete historische Film
„verschiedenen Meistern dient“ und dass verschiedene Filmländer
unterschiedliche Herangehensweisen an historische Stoffe haben: Er dient dazu
Geschichte zu verfälschen und dann zu instrumentalisieren wie, z.B. im Dritten
Reich. ( Siegfried Kracauer relativiert diesen
Aspekt, vielleicht etwas zu optimistisch, indem er schreibt, dass die
öffentliche Meinung nicht unbegrenzt manipuliert werden könne.( Kracauer, in: Albersmeier 1998, S.251 )) Er kann
engagierten Künstlern auch in totalitären Systemen die Möglichkeit zu
Regimekritik liefern. Im historischen Film kann man sich mit der eigenen (
nationalen ) Vergangenheit auseinandersetzen und soweit möglich versöhnen.
Meistens dient der historische Hintergrund aber nur als Rahmen, der einer
fiktiven Geschichte eine gewisse Glaubwürdigkeit, Brisanz oder Exotik bietet,
denn wenn Leonardo DiCaprio mit der Titanic untergeht ist es ja viel
dramatischer, als wenn er beim Angeln aus dem Boot fällt und ertrinkt. Wie die
vorherigen Ausführungen belegen liefert der historische
Stoffe nur das Material, aus dem der Filmemacher ein eigenständiges Werk
nach seiner Überzeugung formt.
Abschließend
bleibt nur noch zu sagen, dass Filme immer auch „Kinder ihrer Zeit“ sind und
sowohl konkret etwas über die Zeit in der sie entstanden sind, und ferner auch
den historischen Wissensstand zur Zeit ihrer Produktion sowie die Intension
ihres Urhebers aussagen, d.h. dass der Film, bezogen auf Form, Inhalt und
Funktion, immer in einem konkret zu bestimmenden Verhältnis zur
gesellschaftlichen Realität steht, aus der er hervorgeht und in welche er
zurückwirkt ( Korte, 80, S. 13 ).
·
Koebner, Thomas ( Hg. ): Reclams Sachlexikon des Films; Stuttgart 2002
·
Korte, Helmut ( Hg. ): Film und
Realität in der Weimarer Republik; ² München – Wien 1980
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Kracauer, Siegfried: Die Errettung der physischen Realität; in: Franz-Josef
Albersmeier ( Hg. ): Text zur Theorie des Films; ³ Stuttgart 1998
·
Moeller, Felix: Der Filmminister.
Goebbels und der Film im Dritten Reich; Berlin 1998
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Monaco, James: Film verstehen; ²
Hamburg 1995
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Rother, Rainer ( Hg. ):
Sachlexikon Film; Hamburg 1997
·
versch.: Die Chronik des Films;
Augsburg 1996
·
Vogel, Amos: Film als subversive
Kunst; St. Andrä-Wördern 1997
Elisabeth I. und der Earl of Essex
Der Film von
Michael Curtiz aus dem Jahre 1939 spiegelt das Leben und die Liebe Elisabeth von
England zu Robert Devereux, Earl of Essex, zwischen
1588 und 1601 wider.
Dieser Film
beschreibt ein sehr romantisches und dramatisches Verhältnis zwischen den
Protagonisten, das in der Realität nicht bestand. Nach „Essex Tod war von der romantischen Tragödie einer letzten und tödlich
enttäuschten Herzensbeziehung, zu der das 19. Jahrhundert die Geschichte von
Elisabeth und Essex machte, in Wirklichkeit nichts zu
spüren“. (Suerbaum 1989, 241)
Elisabeth war
dem jugendlichen Ungestüm Essex nicht gewachsen und
ermahnte ihn zu wenig wenn er aus der Rolle fiel. So wurde Essex
zu einem der wichtigsten Personen am Hof. Er wiederum sah in Elisabeth keine
Herrscherin, sondern nur eine Frau, die er glaubte, mit seinem Charme
einwickeln zu können. Elisabeth ließ sich aber nicht von ihm beeinflussen, sie
traf ihre Entscheidungen nach ihrem eigenen Willen. Allerdings ließ sie auch so
manchen wichtigen Posten unbesetzt, bis Essex außer
Landes war und setzte erst dann ihre Entscheidung durch.
Elisabeth wurde
am 07. September 1533 in London geboren. Nachdem ihre Mutter Anna Bolyn (sie war die Tochter eines walisischen Haushofmeisters)
1536 hingerichtet wurde, galt sie als Bastard und wurde für illegitim erklärt.
Sie wuchs abseits vom Hofe auf und erst Heinrichs vierte Frau Catherine Parr
holte sie an den Hof zurück. Nachdem ihr Vater starb, bestieg ihr Halbbruder
Eduard VI. den Thron. Er starb 1553 und Elisabeths Halbschwester Maria wurde
Königin. Auch sie starb relativ schnell, so daß
Elisabeth 1558 den Thron als Elisabeth I. bestieg. (<http://www.robert-morten.de/baseportal/Redaktionssystem/britannia_mini_detail&Id=o>
Robert Morten, 21.11.2002)
Im Jahr 1596 war
Englands Wirtschaft und Handel infolge des spanischen Krieges am Boden und
Elisabeths Popularität sank, weil sie zunehmend ihre königliche Macht
missbrauchte.
Zu dieser Zeit
waren die Gebrüder Anthony und Francis Bacon, der Earl of Essex,
Sir Thomas Heneage, Sir Walter Raleigh und Essex Rivale Sir Robert Cecil ihre Berater. Diese lieferten
sich untereinander einen Machtkampf nach dem anderen, was im Film auch richtig
dargestellt wird.(Günstling einer Königin, 1939,
00:34:30)
Sir Robert Essex, geboren am 19.November 1567 in Herefordshire,
wurde der Favorit der Königin, nachdem er sich in der Schlacht von Zutphen in den Niederlanden auszeichnete. (<httwww.robert-http://www.morten.de/aseportal/Redaktionssystem/britannia_mini_detail&Id=84>
Robert Morten 21.11.2002)
Er war ein Draufgänger, der immer voller Pläne
steckte, ein verzogener Egoist, der mit seinem Charme und mit seiner
Großzügigkeit, die er mit gewaltigen Schuldenbergen finanzierte, die meisten
Zeitgenossen für sich einnahm. (Suerbaum
1989, 239) Er spielte diese Position zu seinen Vorteilen aus.
Der Film beginnt
im Jahre 1596, als Essex als „Sieger“ aus Cadiz
zurückkehrte. (Günstling einer Königin, 1939, 00:06:55)
Essex und Howard
stachen mit einer Flotte in See mit dem Auftrag spanische Flotten zu kapern.
Stattdessen eroberten sie Cadiz und vergaßen vor lauter Plündern „die wertvollste Beute, eine ganze Kauffahrteiflotte, die hilflos weiter hinten im Hafen lag.
Sie allein hätte die gesamten Kosten der Expedition gedeckt und außerdem
Elisabeths leere Schatzkammern wieder gefüllt“. (Neale 1936, 387)
Die Spanier
versenkten das Schiff um den Engländern die Beute vorzuenthalten. Essex schlug viele seiner Soldaten zu Rittern, obwohl dies
ein ausschließliches Vorrecht Elisabeths war, und er sich damit ihren Zorn
zuzog.
Diese Expedition
hatte sehr viel Geld gekostet, was Elisabeth jetzt wieder durch
Steuererhöhungen einfordern musste, dies stimmt mit der Realität überein.
Im Film
allerdings ernennt Elisabeth in der gleichen Szene Lord Admiral Howard zum Earl
of Nottingham. (Curtiz 1939, 00:09:30) Dies ist aber zeitlich nicht richtig
dargestellt. Erst viele Monate später, als sich Essex
wieder auf einer neuen Expediton befand, wurde diese
Zeremonie vollzogen. Howard erhielt den Titel aufgrund des Sieges über die
spanische Armada und wegen der Eroberung von Cadiz. Als Essex
davon erfuhr, war er gekränkt, da er sich als alleiniger Sieger von Cadiz
fühlte. Daraufhin blieb er dem Hof fern. Er kehrte erst wieder zurück, als
Elisabeth ihn zum Großmarschall ernannte und ihn somit wieder in der Rangfolge
vor Howard setzte.
Im Film folgt
die Szene in der Elisabeth Essex eine Ohrfeige gibt.
(Günstling einer Königin, 1939, 00:10:37) Diese Aktion hat wirklich
stattgefunden, allerdings bei einer anderen Gelegenheit und zu einem späteren
Zeitpunkt. Elisabeth wollte Sir William Knolly`,
einem Onkel Essex, zum Vizekönig von Irland ernennen.
Da Essex selbst dieses Amt anstrebte, versucht er
Elisabeth dahingehend zu beeinflussen. Aber alle Bemühungen Essex`
waren umsonst, Elisabeth zeigte sich unnachgiebig. Er verlor die
Selbstbeherrschung und drehte ihr daraufhin den Rücken zu, um den Thronsaal zu
verlassen. Die Königin war erbost über diesen Affront und befahl ihm
zurückzukommen. Sie schlug und beschimpfte ihn, „woraufhin Essex zum Schwer griff. Der Earl
von Nottingham verhinderte Schlimmeres, aber Essex
verließ den Hof mit dem Schwur niemals wieder zurückzukommen, weil er eine
solche Kränkung nicht einmal von Heinrich VIII.,
geschweige denn von einer Frau, hinnehmen könnte“. (Lottes 1981, 128)
Essex zog sich auf
seinen Ahnensitz zurück, wo er von seinen Freunden immer wieder gewarnt wurde,
dass nur Willfährigkeit und Hochachtung sein Verhältnis zur Königin bestimmen
dürfte. (Neale 1936, 400)
Im Film führt er
an, dass er von edlerem Blut sei als sie. Elisabeth wäre nur die Tochter eines
walisischen Haushofmeisters. (Günstling einer Königin, 1939, 00:15:15)
Essex größter Fehler
war sein ungestümes Verhalten. Er hatte nicht den nötigen Respekt vor Elisabeth
und ihrer Würde als Königin. Für ihn war sie eine launische Frau. Dies wird
besonders in den Briefen deutlich, die er Elisabeth und auch Lord Egerton schrieb. „Während
er in seinem Schreiben an Lord Keeper Egerton auf das
Fehlverhalten der Königin als Souverän einging, rückte er in denjenigen an
Elisabeth ihre unehrenhafte Handlungsweise als Frau in den Vordergrund“. (Machoczek 1996, 408)
In seinen
Briefen behandelte er die „Auseinandersetzung,
als ob sie zwischen Privatpersonen stattgefunden hätte. Er nahm den
selbstgerechten, gekränkten Ton eines in seiner Ehre verletzten Manns an, dem
von seiner Frau Unrecht zugefügt worden war“. (Machoczek
1996, 410) Im Film ist Elisabeth zu stolz um Essex
zurückzuholen, in der Realität vergab sie ihm und holte ihn wieder zurück, wo
er sofort wieder versuchte, Einfluss zu nehmen.
Ein weiterer
Bestandteil des Films war die Irland-Frage. Elisabeth wollte Essex zum Waffenmeister der irischen Armee machen.
Besonders deshalb, weil er dann in England und somit in ihrer Nähe hätte
bleiben können. Aber Essex strebte nach ehrenvolleren
Aufgaben. Soweit decken sich Film und Realität. (Günstling einer Königin, 1939,
00:47:17 – 00:50:35) Der Günstling zog mit dem größten Heer, das England je
verlassen hatte, nach Irland. Er allein trug die ganze Verantwortung und
versagte kläglich. Seine einzige Handlung bestand darin, Männern aus seiner
Gefolgschaft wiederholt zu Rittern zu schlagen. Er ließ Elisabeth im Unklaren,
wofür er ihr Geld ausgab. „Essex wich dem Kampf
mit dem Gegner aus und marschierte mit seinen Leuten im Lande hin und her (...
) dann nahm er gegen seine Instruktionen Verhandlungen mit Tyrone über einen
Waffenstillstand auf und ließ sich dabei übervorteilen“. (Suerbaum 1989, 240)
Im Film wird
eine Verschwörung seiner Gegner am Hof dargestellt, die die Briefe Elisabeth`s und Essex`
verschwinden ließen, um so Essex` Auftrag in Irland
zum Scheitern bringen. (Günstling einer Königin, 1939, 00:59:10) Dies beruht
nicht auf Tatsachen. Elisabeth hatte Essex mehrfach
geschrieben und war auch bestens über sein Handeln informiert. Essex erhielt auch mehrere Briefe, in denen sie klare
Forderungen stellte und sie schickte ihm auch mehrmals Nachschub an Truppen.
(Neale 1936, 410)
Essex aber sah sich
in einer ausweglosen Situation. Er hatte keine Hoffnung, gegen die Iren siegen
zu können. Entweder zerbrach er an seiner Aufgabe oder er lehnte sich gegen
seine Königin auf um von seiner mißlungen Irlandfahrt
abzulenken. Anstatt eine Schlacht vorzubereiten bot er dem irischen Führer
Verhandlungen an. Er traf sich mit Tyrone und dieser teilte Essex
mit, dass Irland den Iren zu überlassen sei.(MacCaffrey 1992, 424), (Günstling einer Königin, 1939,
01:07:10- 01:08:40)
Essex widersetzte
sich wiederholt Elisabeths Befehlen und kehrte mit ein paar Getreuen, seine
Truppen im Stich lassend, an den englischen Hof zurück. (Günstling einer
Königin, 1939, 01:14:10) Sein Ziel war es nicht die Königin zu stürzen, sondern
seine Feinde aus ihrer Umgebung zu entfernen. Dies gelang ihm nicht.
Stattdessen sollte er sein Verhalten vor dem Staatsrat erklären und wurde unter
die Aufsicht seines Freundes Egerton gestellt.
Elisabeth hoffte noch immer, Essex würde seine Fehler
einsehen, und setzte seine Verhandlung vor der Sternkammer ab. Essex schrieb:“ Gott
ist mein Zeuge, wie ehrlich ich gelobe, den Rest meines Lebens ganz Eurer
Majestät zu widmen, ohne daß irgend etwas anderes in
der Welt mich noch kümmern soll.“ (Neale 1936, 418)
Als es dann doch
zum Prozess kommt, verliert er alle Ämtern, seine Haupteinnahmequelle und
musste weiter in Haft bleiben, bis Elisabeth ihn begnadigt. Dies geschah Ende
August 1600. „Von seinen Mitläufern und
von seinen Schulden bedrängt, plante er einen Aufstand mit dem vagen Ziel, sich
der Person der Königin zu bemächtigen, seinen Widersachern im Kronrat den Prozeß zu machen und alle Staatsämter mit seinen Leuten zu
besetzen“. (Suerbaum 1989, 240) Essex zog mit einer Gefolgschaft in Richtung Palast. Er
wurde als Hochverräter gefangengenommen (Curtiz 1939,
01:24:35) und da er sich reuelos zeigte am 25. Februar 1601 hingerichtet.
(Lottes 1981, 129)
Elisabeth
erkannte, dass Essex sie nicht liebte, sondern die
Macht und den Thron wollte. Da sie England mehr verbunden war als ihm,
(Günstling einer Königin, 1939, 01:36:55), blieb ihr nichts anderes übrig ,als Essex, der weiterhin
nach dem Thron strebte, hinrichten zu lassen.
·
Susan Doran:
Elizabeth I and foreign policy 1558-1603. London 2000
·
Günther Lottes: Elisabeth I. Eine politische Biographie.
Göttingen 1981
·
Wallace T. MacCaffrey: Elizabeth I. War and Politics 1588-1603. Princeton, N.Y.
1992
·
Ursula Machoczek: Die
regierende Königin – Elisabeth I. von England. Aspekte weiblicher Herrschaft im
16. Jahrhundert. Pfaffenweiler 1996
·
John Ernest Neale: Königin Elisabeth. Hamburg, Leipzig
1936
·
Ulrich Suerbaum: Das
elisabethanische Zeitalter
·
Elektronische Publikationen:
·
Earl of
·
21.11.02
·
Elisabeth I.: http://www.robert-morten.de/aseportal/Redaktionssystem/britannia_mini_detail&Id=0
·
21.11.02
·
Film:
·
Günstling einer Königin, USA 1939, Warner Bros., Regie: Michael Curtiz
Charlotte Backerra
Der Film „Der Günstling einer Königin“
von 1939, produziert von Warner Bros. Pictures, Inc.
unter der Regie von Michael Curtiz basiert, auf der Theatervorlage „Elizabeth the Queen“ des amerikanischen Dramatikers Maxwell Anderson
von 1930. Durch Veränderung der historischen Grundlage kann die Filmstory auf
die internationale Lage 1939 bezogen werden. Der Film steht im Zusammenhang mit
der moralischen Unterstützung der USA, vor allem der Filmindustrie, für
Großbritannien gegen das nationalsozialistische Deutschland. Er fordert zu
einer Abkehr vom amerikanischen Isolationismus und von der britischen Appeasement-Politik auf, stellt aber gleichzeitig den Krieg
als einen der friedliebenden Welt (USA und Großbritannien) aufgezwungenen dar.
Damit ist er ein typisches Beispiel für die Studiopolitik der Warners, die sich
mit ihrem politischen Engagement und ihren Filmen stark für eine Bekämpfung des
Nationalsozialismus und für ein amerikanisches Eingreifen in Europa einsetzten.
Der Kampf der Warner Bros. gegen den Nationalsozialismus und
der Interventionismus in diesem Film
Einige Filmaussagen lassen sich klar auf
die internationale politische Lage um 1939 und die Stellung der Warner Bros. Studios beziehen. Ein Beispiel ist die Aussage
Elisabeths, als sie von der Niederlage in Irland erfährt:
„Meine
Politik war immer der Frieden, solange mir der Krieg nicht aufgezwungen wurde.“
(Günstling einer Königin, 00:29)
Die Warners
waren sich als Juden der Gefahr des Nationalsozialismus bewußt
und kämpften dafür, die amerikanische Öffentlichkeit für einen Einsatz gegen
den Nationalsozialismus zu gewinnen (Birdwell 2000,
S. 33). So beteiligten sie sich nicht nur mit Geld, sondern auch mit ihren
Filmen an der Kampagne der 1936 gegründeten „Anti-Nazi League“
(ebd., S. 53f.), die die Öffentlichkeit über die Gefahren des
Nationalsozialismus informieren und die deutsche Propaganda widerlegen wollte
(ebd., S. 54). Die Brüder versuchten, die amerikanische Öffentlichkeit auf die
wichtige Rolle Großbritanniens für die Sicherheit der USA aufmerksam zu machen
und so Einfluß auf die amerikanische Außenpolitik zu
nehmen (ebd., S.33). Sie wollten eine Abkehr vom amerikanischen Isolationismus,
in dem sie eine Gefahr für den Bestand der USA sahen. Die Haltung Elisabeths im
Film, wenn sie sich gegen abenteuerliche und verhängnisvolle Kriegsunternehmen
ausspricht, wird zum Teil als Befürwortung einer Appeasement-Politik
gesehen (Combs 1994, S. 40), wie sie die britische
Regierung bis 1938 gegenüber Nazi-Deutschland verfolgte. Doch wenn man sich die
Haltung der Produzenten gegenüber dem Nationalsozialismus ansieht, ist diese
Auslegung wenig nachvollziehbar. Elisabeths Verhaltensweise zeigt viel eher, daß ein Krieg zwar wohl überlegt sein soll, aber in
bestimmten Situationen, d.h. wenn er aufgezwungen wird, geführt werden muß. Damit würde sich der Film gegen die britische Appeasement-Politik und für eine Intervention mit den USA
gegen Nazi-Deutschland aussprechen (Birdwell 2000, S.
52).
Im ersten Teil, der nicht auf der
Vorlage von Maxwell Anderson beruht, wird besonders die Unterdrückung
persönlicher Gefühle gegenüber der Pflicht hervorgehoben: „Weil die Frau in mir sich der Königin beugen muß. [...] Meine persönlichen Gefühle dürfen
nichts damit zu tun haben.“ (Günstling einer Königin, 00:04). In einer
späteren Szene heißt es: „Königin zu sein
ist weniger als menschlich zu sein. Es heißt, Stolz vor Begehren zu setzen.“
(ebd., 00:25). Wenn man die Stimmung in der britischen Bevölkerung in den
1930er Jahren beachtet, kann man ganz anderes als nur historische Gegebenheiten
dahinter vermuten. Es gab nämlich in Großbritannien eine große
Hitler-Begeisterung für den „starken Mann“ an der Spitze des Staates und
unverhohlene Sympathiebekundungen für Teile der nationalsozialistischen
Ideologie. Auch in Amerika waren solche Strömungen vorhanden. Man kann das also
so auslegen, daß trotz der persönlichen Neigung zum
Wohl des Staates gegen gewisse Haltung angekämpft werden muß,
in diesem Fall gegen den Nationalsozialismus und seine Vertreter in
Deutschland.
Der Film als Teil der moralischen Unterstützungskampagne
Der pro-britische Grundton des Films
zeigt, daß er zur Unterstützungskampagne der
amerikanischen Filmindustrie für Großbritannien gehört.
Die acht großen Filmgesellschaften
Hollywoods verloren mit der Ausbreitung des Nationalsozialismus ihre
wichtigsten Absatzmärkte in Europa, einzig Großbritannien war 1939 noch für
amerikanische Filme zugänglich (Schreiner-Seip 1985,
S. 276). Damit dieser Markt nicht auch noch verloren ging und weil außerdem die
Sicherheit der USA von der Großbritanniens abhing, versorgte die amerikanische
Filmindustrie Ende der 30er Jahre und im zweiten Weltkrieg das britische Publikum
mit Filmen (ebd., S.278). Diese amerikanischen Filme waren von großer Bedeutung
für die Erhaltung der öffentlichen Moral „[...] Motion pictures are a vital element in
maintenance of the high morale of both our civilian and fighting forces [...].“ (Lord Halifax, im Juli 1941 britischer
Botschafter in den USA, zitiert in: ebd., S. 276) und dienten damit der
moralischen Sicherung der westlichen Hemisphäre (ebd., S. 397).
Auch die Warners beteiligten sich daran,
da sie beide davon überzeugt waren, daß die „Sicherheit
Amerikas entscheidend von dem Erfolg oder der Niederlage Englands abhinge“ (Birdwell 2000, S. 63).
Die amerikanische Filmindustrie übernahm
die Aufgabe der Moralstärkung von der britischen, die schon vor Kriegsbeginn
auf die Unterstützung durch die Hollywood-Industrie angewiesen war. Deshalb
wurden die für den amerikanischen Markt produzierte
Filme auch in Großbritannien gezeigt. Gleichzeitig produzierte man vermehrt
Filme, die englische Geschichte und Gegenwart oder wichtige Ereignisse aus der
gemeinsamen amerikanisch-britischen Geschichte darstellten. Bei der Herstellung
dieser Filme wurde stark darauf geachtet, die Geschichte so zu präsentieren,
wie die Engländer sie gerne sehen wollten (ebd., S. 280). Die Warners galten hier als besondere Bewunderer alles
Englischen und sahen England als Wiege der amerikanischen Demokratie und
Maßstab für Kultur und Stil (Birdwell 2000, S. 63).
In dem Elisabeth-Film drückt die Darstellung Großbritanniens als friedliebendes
und ehrenhaftes Land, dem Kriege immer nur aufgezwungen wurden, diese Haltung
aus. In der ersten Szene wird die kämpferische Stärke Englands in der
Vergangenheit gezeigt, was wiederum als Vorbild für den drohenden Krieg 1939
gemeint sein kann: England war in der Vergangenheit siegreich und wird es
wieder sein.
Den Amerikanern, denen diese Filme auch
vorgeführt wurden, konnten damit gleichzeitig ihre Verbündeten, denen geholfen
werden muß, in einem positiven Licht dargestellt
werden (ebd., S. 280).
Die Bearbeitung des Stückes von Maxwell Anderson
Als Vorlage für das Filmdrehbuch diente
das Theaterstück des amerikanischen Dramatikers Maxwell Anderson „Elizabeth the Queen“, dessen Erstaufführung 1930 war.
Der Film hält sich im Wesentlichen an
die Geschichte Andersons. Genau wie im Drama von Anderson ist der Widerstreit
von persönlicher Neigung und Staatsräson das bestimmende Handlungselement im
Film. Essex liebt Elisabeth, will aber ihren Thron.
Elisabeth erwidert diese Liebe, kennt aber seine Machtgelüste und will
verhindern, daß er sein Ziel erreicht (Gebsattel 1988, S. 446; vgl. Anderson 1930).
Der erste Teil des Films kommt im
Theaterstück nicht vor, also die Rückkehr Essex’ nach
London nach der Schlacht von Cadiz, ebenso nicht die Szene des Treffens mit
Tyrone in Irland.
Maxwell Anderson beginnt mit der
Rückkehr Essex’ von seinem Landgut an den Hof. Die
Streitigkeiten wegen des Untergangs der spanischen Flotte u.ä.
sind also Ergänzungen von Norman Reilly Raine und Aeneas
MacKenzie, die aber im Wesentlichen, bis auf die Ohrfeigen-Szene, der
Geschichte entsprechen (Lottes 1981, S.128). Dann jedoch folgt das Drehbuch dem
Theaterstück bis zum Ende, an vielen Stellen sogar Wort für Wort, wenn auch
durch die Auslassung der Person des Hofnarren und anderer kleinerer Figuren im
Film deren Aussagen anderen in den Mund gelegt werden müssen.
Essex geht als
Heerführer nach Irland, wo er eine Niederlage erleidet. Die Szene des Treffens
mit Tyrone ist, wie oben gesagt, wiederum eine Ergänzung der Drehbuchschreiber.
Die Kapitulation erfolgte in Wirklichkeit gegen den ausdrücklichen Wunsch
Elisabeths (Lottes 1981, S. 129). Die Drehbuchautoren folgen hier nicht der von
Maxwell vorgebenen Teichoskopie,
da sie wohl betonen wollen, daß in einem einmal
aufgezwungenen Krieg die Befehlshaber der Invasionstruppe auf die Unterstützung
der Regierenden rechnen können müssen. Falls also die USA England in Europa
unterstützen sollten, müßten die amerikanischen
Kräfte zuverlässig und dauerhaft auf Nachschub vertrauen können. („Hättet Ihr von ihr [Elisabeth] die Unterstützung gehabt, die Ihr verdient
hättet, gebe ich Euch mein Wort darauf, Mann, dann wäre bestimmt ich es
gewesen, der sich heute ergeben hätte und nicht Ihr.“, Günstling einer
Königin, 01:06)
Durch eine Hofintrige werden die Briefe
Elisabeths und Essex’ abgefangen, weshalb das Mißtrauen zwischen Elisabeth und Essex
wächst. Nach der Niederlage kehrt Essex, ohne seine
Truppen weisungsgemäß entlassen zu haben, nach London zurück.
Hier verdreht Anderson, und das Drehbuch
folgt ihm darin, wieder die historischen Fakten. Essex
ließ seine Truppen im Stich, brachte sie eben nicht nach England zurück, und
bis zum endgültigen Putschversuch vergingen in Wirklichkeit noch zwei Jahre
(ebd., S. 129f).
In London erwartet Elisabeth, ohne
irgendwelche Verteidigungsmaßnahmen getroffen zu haben, seine Ankunft. Eine
Intrige, die ein Treffen der beiden verhindern sollte, wird durch das scheinbar
sorglose Verhalten Elisabeths durchkreuzt. Bei diesem Treffen gestehen sich
beide ihre Liebe, Essex verrät aber auch seine
Absicht, den Thron an sich zu bringen. Nachdem er die Krone mit ihr teilen will
und als Zeichen seines Vertrauens seine Truppen entlassen hat, läßt Elisabeth ihn verhaften und ihm den Prozeß machen, da sie ihr Land vor ihm schützen will. Kurz
vor seiner Hinrichtung will Elisabeth ihm dann doch die Krone anbieten, doch Essex hat erkannt, daß es besser
ist, „to die young and unblemished
than to live long and rule, and rule not well.“ (Anderson 1940, S. 129).
Der US-Amerikaner Maxwell Anderson lebte
von 1888 bis 1959. Er feierte in den 1930er und 1940er Jahren große Erfolge und
gilt als der wichtigste amerikanische Theaterschriftsteller des frühen
zwanzigsten Jahrhunderts. Anderson war der Meinung, daß
sich ein Drama nur schreiben lasse, wenn es in einer vergangen Epoche handele (www.imagi-nation.com/moonstruck/clsc78.html).
Trotzdem sollte das Drama Bezug zur Gegenwart haben, womit nicht unbedingt eine
direkte Verbindung des Inhalts zur Tagespolitik gemeint war, sondern vor allem
in der Darstellung. So verband er vor historischer Kulisse die Handlungsweisen
der Akteure mit historischen Fakten (die er sich zum Teil auch zurechtbog, wie
im Referat: „Die historischen Hintergründe des Films“ gezeigt), um die in jeder
Zeit vorkommenden Handlungsmuster zu zeigen (Gebsattel
1988, S. 447).
Film
Günstling einer Königin, USA
1939, Warner Bros. Pictures, Inc., Regie:
Michael Curtiz
Anderson, Maxwell (1930):
Birdwell, Michael E. (2000): Das andere Hollywood der dreißiger Jahre. Die Kampagne der Warner Bros. gegen die Nazis, Hamburg, Wien
Combs, James
E.; Combs, Sara T. (1994): Film Propaganda and
American Politics. An Analysis and Filmography,
Gebsattel, Jerôme von (1988): Maxwell
Anderson. Elizabeth the Queen, in: Jens,
Walter [Hrsg.]: Kindlers Neues Literaturlexikon, Studienausgabe, München, Bd.1,
S. 446-448
Lottes, Günther (1981):
Elisabeth I. Eine politische Biographie, Göttingen
Schreiner-Seip,
Claudia (1985): Film- und Informationspolitik als Mittel der Nationalen
Verteidigung in den USA, 1939 – 41. Eine Studie über die Umsetzung außenpolitischer
Programme in Filminhalte, Frankfurt/M, Bern, New York
www.imagi-nation.com/moonstruck/clsc78.html
vom 10.2.2003
Entstehung des Film: “Günstling einer Königin”
Die Entstehung
des Films The Pivate Lives of Elisabeth and Essex
lief nicht ohne Schwierigkeiten ab – aber was waren die Hintergründe dieser
Schwierigkeiten?
Zur Klärung dieser Frage benötigt der Blick hinter die
Kulissen bei der Entstehung des Filmes ebenso einen Blick auf das
Organisatorische, um Erklärungen für Spannungen liefern zu können. Deshalb wird im folgenden
im ersten Teil auch in groben Zügen die Struktur und die Personalpolitik des
Filmstudios vorgestellt, bevor im zweiten Teil das Verhältnis der Schauspieler
und Filmcrewmitglieder untereinander betrachtet wird.
I. Hollywood und
Warner Bros. in den dreißiger Jahren
Kennzeichnend
für das damalige Hollywood und im Unterschied zu heute waren die Studios
abhängig davon, Schauspieler mit einem großen Bekanntheitsgrad unter Vertrag zu
haben. Jedes Studio stellte sich sein Star-Ensemble von fest angestellten
Schauspielern zusammen. Ursprünglich zum Vorteil des Schauspielers
abgeschlossen, der dadurch die Sicherheit eines geregelten festen
Arbeitsverhältnisses mit regelmäßigem Lohn erhielt, verpflichtete der Vertrag
den Schauspieler, eine bestimmte Dienstleistung exklusiv für das Studio zu
erbringen. Diese „Dienstleistung“ bestand im Verkauf des Rechtes seiner
Persönlichkeit, seiner Schönheit und seines Talentes an das Studio. Das Studio
bastelte daraus eine Ware für den öffentlichen Konsum, ein Image, zugeschnitten
auf die Bedürfnisse und Erwartungen des Marktes.
Lief dieses
Vermarkten des Schauspielers gut, so gab es keine Probleme von Seiten des
„verwerteten“ Schauspielers. Wurden Schauspieler dagegen falsch oder überhaupt
nicht mit Rollen besetzt, wanderten sie auf die „Ersatzbank“ oder wurden sie an
Dritte ausgeliehen, verglichen sie ihr Los oft mit Sklaverei und Prostitution (Nowell-Smith, Blütezeit, S.188-189). Die Starverträge, mit
denen sie die Vermarktungsrechte an ihrer Person abgetreten hatten, ließen sich
vor Gericht aber nur schwer anfechten, was einige Schauspieler durch bittere
Erfahrung lernen mussten.
Die Studios
waren strikt organisiert, mit einer klaren Befehlsstruktur. Das New Yorker Büro
war der Kopf des Studios, Ort der endgültigen Entscheidungsgewalt und
Autorität. Dort bestimmten die Direktoren und an ihrer Spitze der Präsident der
Gesellschaft (bei Warner Bros. hatte diesen Posten
Harry Warner inne) über Kapitalfluß, Marketing, Verkauf und –zumindest bei den fünf
großen Studios mit ihren eigenen Kinoketten- über den Kinobetrieb. Hier wurde
das jährliche Budget festgelegt und die allgemeinen Produktionsrichtlinien für
die Studios bestimmt (Schatz, Studiosystem, S. 207).
Die Produktion
der Filme in den Studio-Fabriken an der Westküste wurde bei Warner Bros., wie bei den anderen großen Studios auch, von einem
Zwei-Mann-Team geleitet: Jack Warner, der jüngere der beiden Brüder, hatte als
Vizepräsident den Posten als Studioboß inne, während
die Stelle des Produktionschefs Ende der dreißiger Jahre von Hal Wallis besetzt wurde. Ihre Aufgabe bestand in der
Beaufsichtigung der gesamten Produktion; eine genaue Trennung der
Aufgabenbereiche wurde nie vorgenommen (Schatz, Studiosystem, S. 209; Maltby&Craven, Cinema, S. 80-82).
Die Produktion
der einzelnen Filme wurde an Produktionsgruppen vergeben, von denen jede
einzelne etwa sechs bis acht Filme pro Jahr beaufsichtigte. Produktionsgruppen
waren teils variabel und wurden von Film zu Film neu zusammengestellt, teils
waren sie erstaunlich beständig in ihrer Zusammensetzung (man richtete sich
hierbei wohl auch nach der Devise: „Never change a winning team“).
Die Arbeit bei
Warners war hart für die Schauspieler: Die Bezahlung war geringer als bei Paramount oder MGM (man sagte Warner Bros.
notorische Sparsamkeit nach; vgl. Maltby&Craven,
Cinema, S. 84), die Anforderungen härter. Bis zu fünfzig Filme fertigte die
Produktionsabteilung jedes Jahr; man war bemüht um eine möglichst geringe
Zeitdauer der Dreharbeiten (zwischen einem und drei Monaten; Walker, Celebration, S. 48). Jack Warner als Studioboß
drängte auf spektakuläre Filme, voll mit dramatischen Situationen, Gewalt und
aggressiven Dialogen (Higham, The Art of, S. 140).
Die
Zusammenstellung des Star-Ensembles prägte einen gewissen „Stil“ des jeweiligen
Studios, was die Auswahl der Filmthemen betraf. Der Warner-Stil der dreißiger
Jahre wurde neben Mantel-und-Degen-Abenteuern, Gangster-Filmen und Musicals auch
von einer Reihe „Women’s Pictures“ mit Bette Davis,
dem eigenwilligen Star des Studios, geprägt (Schatz, Studiosystem, S. 210).
II. The Private Lives of Elisabeth
and Essex – Die Vorgeschichte und der Dreh
Man muß sich von der Vorstellung
verabschieden, dass der Film eine historisch genaue Umsetzung von wirklichen
Ereignissen sei. Es ging nicht um die historische Genauigkeit des Filmes,
sondern um die historische Glaubwürdigkeit. Die Geschichte bildete den
farbenfrohen Hintergrund des Filmes, sie sollte durch den Film nicht nach- oder
dargestellt werden. Das war allein schon dadurch bedingt, daß
das Filmskript im Kern auf einem erfolgreichen Theaterstück aufbaute, das auf
den Grundlagen historischer Persönlichkeiten oder Ereignisse geschrieben worden
war und für die Verfilmung umgeschrieben wurden (Vgl. Stine, Mother Goddam, S. 125).
Die Auswahl der
Filmskripte erfolgte nach dem Bedürfnis, das vorhandene Star-Ensemble mit
Rollen auszustatten. Benötigt wurden also Stücke, die sich dem „Stil“ der in
den Hauptrollen agierenden Schauspielern anpassen
ließen. The Private Lives of
Elisabeth and Essex war ganz klar auf die
Hauptdarstellerin, auf Bette Davis zugeschnitten. Hier konnte sie ihren Typus
der starken selbstbewußten Frau sehr gut verkörpern.
Für die
Verfilmung des Theaterstücks stellte Warner eines seiner besten
Produktionsteams zusammen; die meisten Darsteller und Crewmitglieder kannten
sich bereits von anderen Produktionen.
Die Besetzung
des Films, auch die der Nebenrollen, war hochkarätig: Olivia de Havilland, Vincent Price und Alan Hale, um nur einige Namen
zu nennen (Stine, Mother Goddam,
S. 126). Auch die Filmcrew wies einige sehr bekannte Namen auf: Michael Curtiz,
der Regisseur, Kameramann Sol Polito und der Filmmusik-komponist Erich Wolfgang Korngold; die beiden
letzteren erhielten für ihre Leistungen in dem Film eine Oscar-Nominierung
(Robertson, The Casablanca Man, S. 51).
Curtiz,
eigentlich Mihaly Kertesz, ein gebürtiger Ungar, war
bekannt für seine (manchmal brutale) Effizienz bei der Arbeit und für seinen
Perfektionismus. Seine ruppige, zielstrebige Art und seine beschränkten
Englischkenntnisse, die auch nach fast fünfzehn Jahren Aufenthalt in den USA
viel zu wünschen übrig ließen, ließen ihn im Umgang mit Schauspielern und
Crewmitgliedern zu Schimpfwörtern und einem knappen Kommandoton
greifen, selbst den Stars gegenüber, die er so im voraus einschüchterte und
denen er so vor allen Leuten klarmachte, was er von ihnen hielt (Walker, Celebrations,
S. 52; Godfrey, Life and Crimes, S. 71-72).
Bette Davis war
als sehr selbstbewußt, aber auch als „eigenwillig“
bekannt. Sie stand in vorderster Front derjenigen Schauspieler, die offen den
Aufstand gegen die Knebelverträge des Studios begonnen hatte. Ihre Niederlage
vor Gericht im Jahr 1936, das sie zur Erfüllung ihrer vertraglichen Pflichten
verurteilt hatte, vergiftete ihr Verhältnis zum Studio auf Dauer (Walker, Celebration, S. 79). Was aber ihre Arbeit betraf, ließ sie
sich keinerlei Versäumnisse nachsagen: ihre Einarbeitung in die Rollen war
gewissenhaft und engagiert. Ihr Verhältnis zu Curtiz war sehr gespannt, da sie
ihm seine ständigen Beschimpfungen und seine rauhe
Art übel nahm und in ihrer Antwort auch nicht zimperlich war. Für ihren
männlichen Gegenpart in der Hauptrolle, Errol Flynn, hatte sie hauptsächlich
Verachtung übrig, was sowohl an der laschen Ausübung seiner beruflichen
Pflichten als auch in der Art seines Privatlebens begründet war (vgl. Stine, I’d love, S. 34).
Errol Flynn war
als Schauspieler der Albtraum eines jeden Regisseurs. Er brachte ganze
Filmcrews zur Verzweiflung durch seine Frauengeschichten, Trinkgelage und
ständigen Verspätungen. Manchmal tauchte er überhaupt nicht am Set auf und mußte gesucht werden, was nicht immer gelang. Endlich am
Set eingetroffen erwies es sich oftmals, daß er seine
Textzeilen nicht gelernt hatte oder ganz einfach keine Lust zum Arbeiten hatte.
Seine Unprofessionalität und seine unbekümmerte Einstellung brachte besonders
den Perfektionisten Curtiz an den Rand des Nervenzusammenbruchs(vgl. Freedland, the two lives, S. 77).
Flynn drehte mit
Curtiz insgesamt zwölf Filme, bis Curtiz sich schließlich im Interesse seiner
Gesundheit entschied, in Zukunft keinen Film mit Flynn mehr zu drehen (Godfrey,
Life and Crimes, S. 60).
Olivia de Havilland und Flynn hatten bereits in mehreren Filmen mit
großem Erfolg vor der Kamera gestanden und es war bekannt, daß
sie ihn verehrte und er recht angetan von ihr war, was ihn aber nicht davon
abhielt, ihr dumme Streiche zu spielen und sie mit seinem Verhalten zu
verletzen (Stine, Mother Goddam,
S. 126; Godfrey, Life and Crimes, S. 73; Freedland, The two Lives, S. 81).
Auch Bette Davis
und Errol Flynn hatten sich bereits kennen und hassen gelernt. Im Film The Sisters im Jahr davor hatten sie beide die Hauptrollen
gespielt und waren sich über die Frage, wessen Name auf den Filmplakaten an
erster Stelle (d. h. über den Titel) kommen sollte, in die Haare geraten
(Stine, Mother Goddam, S.
105-106; Freedland, The two lives, S. 78).
Aber es war
diesmal von vornherein klar, wessen Wort das größere Gewicht in der Chefetage
hatte. Davis war zu dieser Zeit der unumschränkte Star bei Warner Bros.:
sie hatte im Jahr zuvor den Oskar als beste Schauspielerin gewonnen und
verdiente mit $5,000 in der Woche fast das sechsfache von Flynn (Godfrey, Life
and Crimes, S. 90). Trotzdem gab es von Anfang an
Ärger zwischen den beiden: schon im Vorfeld hatte Davis gegen die Besetzung der
Rolle mit Flynn protestiert; ihr Favorit für diese Rolle war Laurence Olivier
(Stine, I’d love, S. 32).
Die Auseinandersetzungen setzen sich fort, als es um die Frage des Filmtitels
ging.
Davis
protestierte gegen den von Warner ursprünglich geplanten Titel The Lady and the
Knight, da die Bezeichnung Lady unpassend für die Königin von England sei.
Man änderte also den Titel in Elisabeth
and Essex, womit eine neue Diskussion zwischen
den beiden Hauptdarstellern losgestoßen wurde, ob es Elisabeth and Essex
oder Essex and Elisabeth heißen müsse. Aus
titelrechtlichen Gründen einigte man sich schließlich auf The Private Lives of Elisabeth and Essex (Stine, Mother Goddam, S. 125).
Nach dem
Drehbeginn im April 1939 zeigten sich in der Produktion bald die
Schwierigkeiten, die sich aus dem angestauten Konfliktpotential ergaben.
Verzögerungen, die sich hauptsächlich aus dem Verhalten von Flynn ergaben,
machten bald den Besuch von Jack Warner nötig, nach der Veröffentlichung des
Filmes war es auch Flynns schwache Leistung, die in den Besprechungen die
meiste Kritik erfuhr (Freedland, the
two lives, S. 84).
·
Freedland, Michael: The
two lives of
·
Godfrey, Lionel:
The life and crimes of
·
Higham, Charles: The art of the
American Film, Garden City/
·
Maltby, Richard und Ian Craven: Hollywood
Cinema: an Introduction,
·
Nowell-Smith, Geoffrey: Die
Blütezeit des Stummfilms, in: Geoffrey Nowell-Smith
(Hrsg.), Geschichte des Internationalen Films, Stuttgart/Weimar 1998, S.
179-190.
·
Robertson, James
C.: The Casablanca Man: the cinema of Michael Curtiz,
·
Schatz, Thomas: Hollywood: Der Siegeszug des
Studiosystems, in: Geoffrey Nowell-Smith (Hrsg.),
Geschichte des Internationalen Films, Stuttgart/Weimar 1998, S. 204-215.
·
Stine, Whitney:
Mother Goddam: the story of the career of Bette
Davis, New York 1975.
·
Ders.: “I’d
love to kiss you…”: conversations with Bette Davis, New York 1990.
·
Walker,
Alexander: Bette Davis: a Celebration,
Gabriele Scriba
Juana la loca: Die Entstehung des Films
Johanna die
Wahnsinnige – war sie wirklich verrückt?
Das Verneinen
dieser Frage stand für Vicente Aranda, den Regisseur
von Juana la Loca, in Anlehnung an das
Theaterstück Johanna von Kastilien (La Locura
de Amor, 1855) im Vordergrund.
Im Film wird
Johanna 1496 mit dem Habsburger Philipp dem Schönen verheiratet. Nachdem 1504
ihre Mutter, Isabella von Kastilien, gestorben ist, erbt Johanna und mit ihr
Philipp den Thron von Kastilien und Aragon. Durch ihre starke Fixierung auf
ihren untreuen Gatten und die damit verbundenen Ausbrüche gilt sie bald für
verrückt. Nach seinem frühen Tod wird sie endgültig für verrückt erklärt und
muss ihr restliches Leben im Schloss von Tordesillas
verbringen.
Laut Aranda
versuchte sich der spanische Dramatiker Manuel Tamayo
y Baus an einer Analyse des Charakters der Monarchin mit dem Ergebnis, dass sie
entgegen der damaligen Meinung nicht Wahnsinnig gewesen war und fand mit diesem
neuen Ansatz große Beachtung. Wahrscheinlich unabhängig davon gab es in der
Zeit nach Erscheinen des Stücks auch eine Wende in der Geschichtsforschung.
Erstmals wurde die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass Johanna zu ihrer Zeit
für verrückt angesehen worden war, weil sie, im 16.Jahhundert sonst nicht
üblich, ihre Leidenschaften über die Etikette stellte.
(<http://www.sonyclassics.com/madlove/index-withflash.html>)
Gleichzeitig
werden im Film politische Interessen beim Urteil über ihren Geisteszustand nahegelegt: Flandrische Edelleute wollen Johanna vom Thron
verdrängen und Philipp den Schönen zum alleinigen König von Kastilien machen,
um ihren Einfluss auf Spanien entgegen dem Willen des Volkes auszuweiten.
Johannas Vater, Ferdinand von Aragon, bricht für seine zweite Ehe nach Italien
auf und gibt dem Schwiegersohn die Erlaubnis, seine Tochter für verrückt
erklären zu lassen.
In
Historikerkreisen ist dieser Punkt noch heute umstritten, eine Antwort, die
sich frei von Interpretation auf eindeutige Belege gründet, ist nicht zu
finden. (Siehe das Referat über die Biographie von Johanna)
Im Folgenden
besteht der Text aus zwei Teilen: Der erste beschäftigt sich mit dem oben
dargestellten Ziel des Regisseurs und die Auswirkung auf die Umsetzung des
Films, der zweite Teil behandelt äußere Faktoren zum Film.
La Locura de Amor
Der spanische Dramatiker Manuel Tamayo y Baus (1829 – 1898) kam durch seine Mutter, die
Schauspielerin Joaquina Baus, schon früh mit dem
Theater in Berührung. So veröffentlichte er sein erstes Theaterstück schon im
Alter von 18 Jahren. Seine frühen Arbeiten waren von Schiller beeinflusst, der
endgültige Durchbruch gelang ihm 1855 mit La
Locura de Amor. Nach weiteren Erfolgen wurde er 1884
zum Direktor der spanischen Nationalbibliothek ernannt.
(<http://36.1911encyclopedia.org/T/TA/TAMAYO_Y_BAUS_MANUEL.htm>)
Tamayo y Baus’
positive Darstellung von Johanna als emotionale, leidenschaftliche und vor
allem mental gesunde Frau sowie die neue Linie in der Geschichtsforschung sind
im Hinblick auf die Epoche leicht nachzuvollziehen. Mit dem Mentalitätswandel
der Romantik Anfang des 19. Jahrhunderts gewann der empfindende Mensch im
Gegensatz zum rationalen Menschen der Aufklärung an Bedeutung.
Selbstverwirklichung und die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen, kurz
der Mensch als Individuum standen im Mittelpunkt. Damit lassen sich die
Romantiker als Wegbereiter der modernen Psychologie verstehen. (Biermann,
Heinrich und Schurf, Bernd: Texte, Themen und
Strukturen, S. 201-203)
Von diesem neuen Denken kann man leicht eine
Linie zur neuen Interpretation des Verhaltens von Johanna ziehen. In einer Zeit
des individualistischen Lebensgefühls lag es nahe, ihre bedingungslosen
Leidenschaft für ihren untreuen Ehemann zu verstehen und sie als tragische
Heldin zu werten.
Aus heutiger
Sicht erscheint die Figur der Johanna aus La Locura
de Amor auch im Sinne der Emanzipation bemerkenswert: Sie ordnet sich weder
den höfischen Konventionen noch ihrem Mann unter, sondern steht zu ihren
Bedürfnissen.
Aranda zufolge reizte ihn dieser Ansatz und die Tatsache, dass das Stück
schon dem Titel nach dem erst sechzig Jahre später von den Surrealisten
definierten Begriff „amour fou“
vorgreift.
Durch seine doppelte Funktion als Drehbuchautor und Regisseur hatte
Aranda beste Voraussetzungen zur Verwirklichung seiner Vorstellungen, da er
sowohl für Aufbau und Gliederung der Handlung verantwortlich war als auch für
deren konkrete Umsetzung.
Johanna wurde von Pilar Lopez de Ayala
gespielt, die 1978 in Madrid geboren wurde und seit 1995 an verschiedenen
Fernseh- und Filmproduktionen beteiligt war. Sie gilt als aufstrebender
Jungstar und schaffte mit ihrer Rolle in Juana la Loca
den Durchbruch. Die Rolle des Philipp übernahm Daniele Liotti.
Der 32jährige genießt durch zahlreiche Rollen in Film und Fernsehen große
Popularität in Spanien.
Die Hauptdarstellerin erhielt 2001 den Goya (die spanische Entsprechung
zum Oscar) und die silberne Muschel auf dem San Sebastian Film Festival. 2002
wurde Aranda für den Goya als bester Regisseur nominiert .
(<http://www.mongelmedia.com/press/MadLove/mad_love_press_kit.doc>,
<http://www.german.imdb.com/locations?0270480>)
Einer der bekanntesten spanischen Regisseure, Vicente
Aranda, wurde 1926 in Barcelona geboren. Mit 33 Jahren gründete er ohne
entsprechende Ausbildung eine eigene Produktionsfirma. Sein erster Film war
1964 Brillante Povenir, eine Geschichte über
einen armen Jungen, der sich bis zur katalanischen Oberschicht hocharbeitet.
Sein nächster Film, Fata Morgana, wurde 1966 auf dem Film Festival in
Cannes präsentiert. Von da an war Aranda fast jedes Jahr an einem Film als
Autor oder Regisseur beteiligt. 1988 gewann seine häufigste Hauptdarstellerin
Victoria Abril auf dem San Sebastian Film Festival
den Preis für die beste Schauspielerin in seinem Film El Lute,
gleichzeitig arbeitete er erfolgreich für den spanischen Fernsehsender TVE.
Sein erfolgreichstes Werk ist wohl der von wahren Ereignissen in den 40ern
inspirierte Film Amantes (1990). Er erhielt
1991 den Goya (die spanische Entsprechung zum Oscar) sowohl für den besten Film
als auch für die beste Regie. Victoria Abril erhielt
den silbernen Bären für die beste Schauspielerin. Siebzehn der zwanzig Filme Arandas sind, wie auch Juana la Loca,
Dramen. Das Thema der Eifersüchtigen, betrogenen Ehefrau findet bei ihm häufige
Verwendung.
(<http://www.german.imdb.com/Pawards?Aranda%20Vicente>
,
<http://www.mongelmedia.com/press/MadLove/mad_love_press_kit.doc>)
Enrique Cerezo
Enrique Cerezo gehört zu Spaniens bekanntesten
Filmproduzenten. 1980 gründete er Video Mercury Films, eine Filmverleihgesellschaft,
die mit den Rechten von mehr als 1500 Filmen zu den größten in Spanien gehört.
Während der letzten zehn Jahre hat Cerezo über 40
Filme produziert. Dabei hat er mit bekannten Regisseuren zusammengearbeitet und
gleichzeitig Möglichkeiten für junge Filmemacher geschaffen. Außerdem ist er
Manager von 19 Kinos in Spanien.
Kürzlich wurde Cerezo für seine Karriere als
Produzent ausgezeichnet.
(<http://www.mongelmedia.com/press/MadLove/mad_love_press_kit.doc>)
·
Koebner, Thomas: Dramaturgie.
In: Koebner,
Thomas (Hrsg.): Reclams Sachlexikon des Films. Stuttgart 2002.
·
Vossen, Ursula: Historienfilm.
In: Koebner,
Thomas (Hrsg.): Reclams Sachlexikon des Films. Stuttgart 2002.
·
Wawrzyn, Lienhard:
Romantik (1978).
In:
Biermann, Heinrich und Schurf, Bernd (Hrsg.):
Texte,
Themen und Strukturen. Berlin 1993.
Elektronische Publikationen:
·
Awards für
Vicente Aranda (02.12.2002), online unter URL:
<http://www.imdb.com/Pawards?Aranda%20Vicente>
(25.01.2003).
·
Drehorte für Juana la Loca
(2001) (02.12.2002), online unter URL:
<http://www.imdb.com/Locations?0270480>
(25.01.2003).
·
HUSSAIN, Madlove (Version
7, 03.11.2002), online unter URL: <http://www.mongelmedia.com/press/MadLove/mad_love_press_kit.doc>
(08.02.2003).
·
Sony Pictures Classics: Mad
Love (kein Erstellungsdatum), online unter URL: <http://www.sonyclassics.com/madlove/index-withflash.html>
(25.01.2003).
·
1911 Edition Encyclopedia, The: Tamayo
y Baus, Manuel (02.08.02),
online
unter URL:
<http://www.36.1911encyclopedia.org/T/TA/TAMAYO_Y_BAUS_MANUEL.htm>
(08.02.2003)
Die Biographie von Königin Margarethe
von Valois
Regina Schleuning
Marguerite de Valois,
die Schwester dreier französischer Könige, war bereits zu ihrer Zeit eine
umstrittene Person. Weder die Protestanten noch die Katholiken wussten sie
recht einzuordnen, so dass von beiden Seiten verleumdende Gerüchte über ihr
sittenloses Leben kursierten, die bis in die heutige Geschichtsschreibung
nachwirken (Bertière, S. 223.). Bekanntheit erlangte
sie aber vor allem im Zusammenhang mit der blutigen „Bartholomäusnacht“, die
sich im Zuge ihrer Hochzeit mit dem Hugenotten Henri de Navarre
ereignete.
Marguerite de Valois
wurde am 14. Mai 1553 als siebtes Kind von Henri II. und Catherine de Médicis in Saint-Germain-en-Laye
geboren (Andermatt, S. 300.). Dort verbrachte sie auch ihre ersten Lebensjahre
und genoss gemeinsam mit ihren Schwestern (Elisabeth und Claude) und Maria
Stuart eine sorgfälltige Erziehung, die ihre Talente
zur Entfaltung brachte (Andermatt, S. 16.). Daneben entfaltete sich aber auch zusehendst ihre Schönheit, die die Augen der Männerwelt auf
sie zog und wohl auch zu ihrem ersten „Flirt“ mit dem katholischen Duc Henri de
Guise führte, der aber schleunigst von Seiten der
Königinmutter unterbunden wurde (Bertière, S.
231-233.). Für Marguerite bestanden andere Heiratspläne, nämlich mit dem
protestantischen Henri de Navarre aus dem Hause de Bourbon. Ziel war es durch diese Hochzeit die im Frankreich
des 16. Jahrhunderts tobenden Religionskriege zwischen den Katholiken und den
Protestanten beizulegen und dem Land Frieden zu schenken. Marguerite wurde somit
- wie fast alle Frauen ihrer Zeit und ihres Ranges – für die Staatsräson
instrumentalisiert (Andermatt, S. 254.). Ein vergebliches Opfer! Denn dieses
Ereignis sollte als die „Bluthochzeit von Paris“ in die Geschichte eingehen und
keinesfalls den Konfessionsstreit mildern, sondern in einem ungeheurem,
wahllosem Gemetzel unter den in Paris anwesenden Hugenotten führen, dass sich
später in den Provinzen fortsetzte.
Der Film „Die Bartholomäusnacht“
beginnt mit dem Tag der Hochzeit, dem
18. August 1572. Das Brautpaar,
beide zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt, knien vor dem Traualtar und leisten
ihre Eheversprechen. Im Gegensatz zur Filmversion ohne Zwischenfälle. In den
folgenden Tagen nehmen sie an den Hochzeits-feierlichkeiten
teil und es ist davon auszugehen, dass im selben Zeitraum auch die Ehe
vollzogen wurde (Bertière, S. 238.). Es lässt nichts
darauf schließen, dass die junge Braut beabsichtigte eine Nacht mit Henri de Guise (der ohnehin nicht ihr Geliebter war) zu verbringen,
geschweige denn mit einem von der Straße aufgelesenen wildfremden Mann. Wobei
angemerkt werden muss, dass die im Film dargestellte Liebesbeziehung zwischen
Marguerite und Joseph Boniface, Sire de La Môle(Molle) tatsächlich, wenn auch später, bestand (Bertière, S. 250.).
Desweiteren beruht die geradezu nymphomane
Charakterisierung Marguerites viel mehr auf Klischees, als auf wirklichen
Sachverhalten, die sich ohnehin nicht mehr zweifelsfrei erschließen lassen.
Zumindest in ihrer Jugend wurde über ihren Lebenswandel und vor allem über ihre
Jungfräulichkeit durch Anstandsdamen streng gewacht (Bertière,
S. 228; Andermatt, S.305.).
Wenige Tage nach der Hochzeit verübte
am 22. August ein Mann namens Nicolas de Louviers,
Monsieur de Maurevert, ein Attentat auf den protestantischen
General de Coligny (Taillandier, S. 88.). Doch dem von Catherine de Médicis engagierten Mörder gelang lediglich eine nicht lebensbedrohliche
Verletzung, die jedoch unter den Protestanten für Aufregung und zu Schuldzuweisungen
an die königliche Familie und die Guisen führte
(Taillandier, S. 87-88; 90; 92; Bertière, S. 235.). Die Königinmutter und andere Katholiken
befürchteten eine Racheaktion seitens der zu diesem Zeitpunkt zahlreich in
Paris anwesenden Hugenotten (Taillandier, S. 91;
Andermatt, S. 255). Deshalb musste der König Charles IX., der freundschaftliche
Verhältnisse zu Coligny pflegte und diesen sogar
„Vater“ nannte, von der Notwendigkeit eines Präventivschlages überzeugt bzw.
dazu gezwungen werden (Taillandier, S. 92-93.).
Catharine, Henri d´Anjou, Henri de Guise und die königlichen Berater redeten so lange auf den
labilen Charles ein, bis er die Ermordung aller Hugenotten befahl (Andermatt,
S. 52.). Soweit entspricht auch der Film den historisch belegbaren Tatsachen,
wobei nicht ganz klar ist wer zuerst diese Idee vorgebracht hatte (Taillandier, S. 90.). Marguerite wurde aufgrund ihrer Ehe
mit einem Protestanten nicht in diese Pläne eingeweiht und somit von den Ereignissen
überrascht. Sie wurde lediglich durch das Verhalten ihrer Schwester, der Duchesse
de Lorraine, verunsichert. Diese brach nämlich in Tränen aus, als die Königinmutter
Marguerite scharf aufforderte sich ins Bett zu begeben. Verängstigt zog Marguerite
sich in die Hauskapelle zurück, um zu beten. Dort suchte sie ihr Ehemann auf,
um sie zu bitten ihm ins Schlafgemach zu folgen, wo sich zwischenzeitlich
30 bis 40 Hugenotten versammelt hatten, die die ganz Nacht hindurch keine
Ruhe gaben. Erst im Morgengrauen verließen sie gemeinsam mit Henri de Navarre
das Zimmer, um sich beim König für Gerechtigkeit im Falle Colignys
stark zu machen. Somit blieb Marguerite allein mit ihrer Amme zurück. Geweckt
wurde sie erst durch das Klopfen eines verwundeten Protestanten, der sich
bei ihr vor seinen Verfolgern zu retten suchte (Bernière,
S. 235/236.). Dieser Mann war nicht ihr Geliebter La Môle,
sondern Gabriel de Levis, Vicomte de Leran (Historica
Geschichte, URL: http://www.asn-ibk.ac.,
23.11.2002.). Auch ging sie nicht auf Drängen von Madame Charlotte de Sauve, der Geliebten ihres Ehemanns, zum König, sondern wurde
durch den Hauptmann der Garde, Monsieur de Nancai,
zu ihrer eigenen Sicherheit erst in das Gemach ihrer Schwester gebracht. Von
dort aus begab sie sich zum König, um die Leben zweier zu ihrem Gemahl gehörender
Männer zu retten und für ihn selbst um Gnade zu flehen. Vermutlich rettete
sie ihm dadurch das Leben (Andermatt, S. 61+333.).
Henri de Navarre
musste jedoch auf Drängen der königlichen Familie zum Katholizismus
konvertieren (Taillandier, S. 96; aber Andermatt, S.
336/337.). Ebenso sein Vetter Condé, der auch
verschont geblieben war (Bernière, S. 239.). Beide
hatten zwar ihr Leben gerettet, waren dafür aber nun Gefangene im Louvre (Bernière, S. 239.).
Außerhalb des Louvre begann das Morden,
ebenso wie im Schloss, in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1672, und erhielt
nach dem Heiligen des Tages den Namen Bartholomäusnacht ( Historica Geschichte, URL: http://www.asn-ibk.ac.,
23.11.2002.). Eingeleitet wurde sie durch den Mord an Coligny,
der mit 20 Dolchstichen in seinem Bett niedergestreckt und anschließend aus
dem Fenster geworfen wurde, wo ihn Henri de Guise
in Empfang nahm (Taillandier, S. 98.). Coligny sollten noch über 3000 Hugenotten in den Tod folgen
( Historica Geschichte, URL: http://www.asn-ibk.ac.,
23.11.2002; Andermatt, S.334.).
Für Marguerite waren die
schrecklichen Ereignissen dieser Nacht doppelt verheerend, denn außer den
unzähligen Morden, musste sie erkennen, dass sie scheinbar nur als Köder
gedient hatte (was so nicht ganz stimmt,
da die Entscheidung zu dem Massaker der Bartholomäusnacht spontan und nicht
vorausgeplant worden war) und ihre Mutter sie wissentlich der Gefahr ausgesetzt
hatte in Gegenwart ihres Mannes und seiner hugenottischen Edelleute zu
verbleiben (Bernière, S.236/237.). Diese Wut könnte
als Erklärung dafür herangezogen werden, warum Marguerite die von ihrer Mutter
angebotene Gelegenheit zur Scheidung von Henri de Navarre
nicht ergriff. Sie sagte bloß: „puisqu´elle m`y
avait mise, j`y voulais demeurer, me doutant bien que ce qu`on voulait m`en
séparer était pour lui faire un mauvais tour.“ (Bernière,
S. 237.). Dieses Bekenntnis hinderte sie (und auch ihren Ehemann) nicht daran
nach und nach Liebschaften zu pflegen. Viel mehr gingen Marguerite und Henri de
Navarre ein Zweckbündnis ein, von dem „il tirera tous les fruits et elle tout le blâme.“ (Bertière, S. 241;
Treffer, S. 267/268.)
Zwischenzeitlich bemühte sich
Catherine de Médicis ihrem Lieblingssohn Henri d`Anjou den Königsthron von Polen zu verschaffen und
tatsächlich wählte der Reichstag dieses Landes ihn zum Herrscher (Bertière, S. 243.). Doch behagte Henri d`Anjou
der Gedanke gar nicht Frankreich verlassen zu müssen, zumal der
Gesundheitszustand des Königs Charles IX. sich zunehmend verschlechterte und
ihm die Nachfolge immer näher rückte (Bernière, S.
245.). Schließlich zog d`Anjou doch nach Polen ab und
überließ seinem jüngeren Bruder Francois d`Alencon
das Feld. Dieser nämlich arbeitete auf die Thronfolge nach Charles IX. hin.
Unterstützt wurde er darin von immer mehr „Mißvergnügten“
beider Konfessionen, die „ein System gegenseitiger
Duldung und den Zusammenschluß aller Franzosen“
herbeiführen wollten (Taillandier, S. 104.). Unter
seinen Verbündeten befand sich auch Henri de Navarre,
der vor allem auf protestantischer Seite durch Unterhändler Anhänger warb. Doch die Verschwörung wurde
ruchbar. Man munkelte von einer geplanten Flucht der beiden Prinzen, Navarre und Alencon, die diese
zur Entfesselung eines Aufstandes nützen wollten, um den jüngsten Valois nach Charles Tod auf den französischen Thron zu
setzen. Fluchtplänen bestanden tatsächlich, die allerdings durch das Beharren
der beiden nur gemeinsam zu fliehen ständig verzögert wurden. Selbst
Marguerites Vorschläge fruchteten nicht (Taillandier,
S. 104.). Letztlich traf es zwei Unterhändler, La Môle
und den Italiener Annibal de Coconnas,
die versucht hatten den beiden Prinzen zur Flucht zu verhelfen. Sie wurden in
La Rochelle verhaftet, nach Paris gebracht und nach einem umfassenden
Geständnis des ersteren vor der Königinmutter, auf dem „place
de Grève“ hingerichtet (Bertière,
S. 251.). Nach der Entdeckung ihrer Pläne brachte man die Prinzen nach Vincennes, wo man sie bis zum Tode Charles festhielt (Taillandier, S. 105/106.). Das besondere und von dem Film
vollkommen abweichende ist jedoch, dass Marguerite an der Aufdeckung des
Komplotts beteiligt war. Sie wollte einen erneuten Krieg vermeiden. Statt sie, bat d`Alencon um die
Begnadigung seiner Unterhändler (Bertière, S. 251.).
Was den Kopf ihres geliebten La Môle betrifft, kursierten die wildesten Gerüchte. So sagte
man, dass sie, d.h. Marguerite und ihre Freundin Duchesse
de Never (die Geliebte Coconnas`),
an ihre Gürtel Armbandanhänger mit den nachgebildeten Köpfen ihrer Liebhaber
trugen und, dass sie sie sich zum Henker begeben hatten, um die Köpfe ihrer
Männer mitzunehmen und in einer ehrenvollen Grabstätte beizusetzen. Doch
zumindest das letztere ist nur eine Legende (Bertière,
S. 251.). Des weiteren
entkam Henri de Navarre nicht wie dargestellt während
einer Jagd, denn es gelang ihm vor dem Tod Charles am 30. Mai 1574 nicht zu
fliehen (Taillandier, S. 108; Garrison, S. 111.). Vor
ihm entkam aber zuerst Margots jüngerer Bruder im September 1575 und Navarre folgte ihm am 05. Februar 1576 nach (Taillandier, S. 118.). In der Freiheit angelangt schwor
Marguerites Ehemann den Katholizismus ab (Treffer, S. 268.). Marguerite
verblieb aber noch an dem Hof des neuen König Henri III.(zuvor
Henri d`Anjou), bis sie es schafft nach Nérac in Navarre zu Henri de Navarre zu fliehen.
·
Andermatt,
Michael (Hrsg.): Geschichte der Margaretha von Valois,
Gemahlin Heinrichs IV. Von ihr selbst beschrieben. Nebst Zusätzen und
Ergänzungen aus andern französischen Quellen. Zürich, 1996.
·
Bertière, Simone: Les Reines
De France Au Temps Des Valois. Les années sanglantes. Bd. 2. Paris 1994. S. 223-252.
·
Garrison, Janine: Marguerite
de Valois. [o.O.], 1994.
·
Holt, Mack P.: The French Wars of Religion, 1562-1629.
Cambridge 1995. S. 76-97.
·
Treffer, Gerd:
Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18.
Jahrhundert). Regensburg 1996. S. 266-270. (Ab 116)
·
URL: http://www.france-histoire.com/valois1.htm
·
URL: http://www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/geschichte.../ren39.ht (23.11.2002)
Die Entstehung
des Films “Die Bartholomäusnacht”
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