1. Grundprobleme von Datenschutz und Datensicherheit

1.3 Datenschutz als gesellschaftliches Problem


Der gläserne Bürger

»Noch niemals zuvor wurden so viele personenbezogene Daten so systematisch gesammelt, verarbeitet und verwertet. Der aus der Netznutzung zu ziehende Umfang personenbezogener Daten und die nach ihrer Zusammenführung aus ihnen gewinnbare Informationsqualität haben eine neue Dimension erreicht.« [14. Datenschutzbericht der Landesbeauftragten für den Datenschutz Nordrhein-Westfalen]

Verbreiteter Irrtum: »Ich habe nichts zu verbergen!«

»Wir basteln uns da eine Gesellschaft zusammen, die sozusagen `Dictatorship ready' ist. Da muß dann nur noch einer den Schalter umlegen, und schon hat er den schönsten Überwachungsstaat.« (Christoph Weber-Fahr in de.org.ccc, 11. November 1994)

Der gläserne Bürger entsteht durch:

Wer die Klausel nicht unterschreiben will, daß er seine früheren, gegenwärtigen und zukünftigen Ärzte von ihrer Schweigepflicht entbindet, braucht erst gar keinen Antrag auf Lebensversicherung zu stellen. Das Datenschutzgesetz bietet gegen solche Sammlungen kaum Handhaben, nicht einmal Kontrollmöglichkeiten.


Große Datensammlungen


Daten der Sozialverwaltung

In den Datenbanken der Sozialversicherung sind sowohl personenbezogen als auch lückenlos erfaßt:


Kontrolle von Mitarbeitern


Daten für die Forschung - das Beispiel Epidemiologie

Epidemiologie: Erforschung von Krankheiten im Bevölkerungsbezug, z. B. Erkennen von Risikofaktoren. Dazu braucht man Daten zu Umwelteinflüssen und Lebensführung.

Krebsregister in Deutschland dienen der Epidemiologie der Krebserkrankungen:

Anforderungen an epidemiologische Register:

Welche Lösungen oder tragbaren Kompromisse gibt es für die Zielkonflikte?


Persönlichkeitsprofile

Durch Zusammenführen von Datensammlungen entstehen:

Bewegungsprofile
aus Daten der Verkehrsüberwachung, Ausweiskontrolle und sonstigen »elektronischen Spuren«.
Käuferprofile
aus Daten von bargeldlosen Zahlungsvorgängen.
Interessenprofile
aus Surfverhalten im WWW.
Mitarbeiterprofile
an IT-Arbeitsplätzen durch Zugangsregistrierung und Logdateien.
Benutzerprofile
an Informationssystemen.
Kommunikationsprofile
aus Verbindungsdaten verschiedener Kommunikationseinrichtungen.


Zielkonflikte

Der Datenschutz kollidiert sehr oft mit anderen berechtigten Interessen.

Mit der Verfügbarkeit der Daten steigt auch ihre Verwundbarkeit.

Schlagzeilen


Problembereiche des Datenschutzes

gesellschaftlich:
technisch:


Der Datenschutz ist gefährdet durch ...

  1. fehlendes Datenschutzbewußtsein bei Verantwortlichen,
  2. mangelhafte rechtliche Regelungen, insbesondere die Subsidiarität der Datenschutzgesetze,
  3. organisatorische Mängel bei Behörden und Systembetreibern,
  4. Datenspuren,
  5. lückenhafte IT-Sicherheit, insbesondere in offenen Systemen.
Die Anforderungen des Datenschutzes müssen bei der Modellierung, Konzeption und Implementation von Informationssystemen mit besonderer Dringlichkeit berücksichtigt werden.

Die Gefahren d. und e. lassen sich durch informatische Ansätze mildern (»Datenschutz durch Technik«).


Vorlesung Datenschutz und Datensicherheit
Sommersemester 1999, Fachbereich Mathematik
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
     Autor: Klaus Pommerening, 31. März 1999
letzte Änderung: 6. Januar 2000.
E-Mail an
Pommerening@imsd.uni-mainz.de.