Wolfgang Borchert

Leben - Werk - Wirkung

Aus Anlaß des 75. Geburtstages im Jahre 1996 und des 50. Todestages im Jahre 1997 des Hamburger Schriftstellers Wolfgang Borchert zeigte das Bischöfliche Willigis-Gymnasium in Mainz eine umfangreiche Ausstellung zu Leben, Werk und Wirkung des Frühverstorbenen.

Wolfgang Borchert war kein literarisches Genie und schon gar kein Frühvollendeter. Sein erstes Gedicht veröffentlichte er, neunzehnjährig, im Hamburger Tageblatt. Es läßt kein besonderes Talent erkennen. Was ihn zum Dichter machte, was seine Sprache unverwechselbar werden ließ, seinen Stil formte, das war die leidvolle Erfahrung des Krieges. Zu dieser Erfahrung gehörte zuerst das Fronterlebnis in Rußland, aber auch der Schock, den der junge Soldat erfahren mußte, als er erstmals im Sommer 1943 auf Heimaturlaub kam. Wenige Tage zuvor hatten schwere Bombardements der Alliierten seine Heimatstadt getroffen. Der Anblick des heimgesuchten Hamburg ließ die Frage nach Verantwortung für Krieg und Untergang drängender werden und machte aus dem jugendlichen Verseschmied mit einem Male den Dichter Wolfgang Borchert.

Die Ausstellung dokumentierte in mehr als 250 Exponaten den Lebensweg Borcherts und erhellte dabei den historischen Hintergrund, vor dem ein Individualschicksal seine Prägnanz und Einmaligkeit erhält. Auf Borchert angewendet bedeutet dies, den Lebensweg einer Hamburger Familie nachzuzeichnen, deren bürgerliche Normalität und Intaktheit sie zunehmend in eine ästhetisch-moralisch fundierte Opposition zum Nationalsozialismus geraten ließ. Opposition soll hier nicht Widerstand heißen, sondern Bekundung von Unwohlsein und zunehmende Abscheu vor und Auflehnung gegen das herrschende Regime. Den Schauspieler Borchert brachte die Lust am komödiantischen Spiel, die Parodie der Mächtigen, mehrmals in die Gefängnisse der Staatsmacht.

Obwohl diesem Borchert und der Verarbeitung des Erlebten im Werk in der Ausstellung breiter Raum eingeräumt werden, geht es doch auch darum, einen lebensfrohen, geradezu lebensgierigen jungen Mann zu zeigen, der die Frauen liebte, und der mit einer kindlichen und durchaus auch sentimentalen Liebe an seiner Heimatstadt Hamburg hing. In der Nestwärme seines Elternhauses, im Dunstkreis und in der Atmosphäre des Hafens, in der Nacht, bei Laternen und Sternen war er zu Hause und blieb es. Nichts da von Unbehaustheit, im Gegenteil: Aufbegehren gegen die Zerstörung, die man diesem Zuhause angetan hatte und Zukunftsoptimismus, diesen Haufen Steine, sein zerbombtes Hamburg werde wieder auferstehen.

Borchert sagte weit eher und Häufiger Ja, als es den Nihilisten und Neinsagern immer angehängt wird. Nein sagte er lediglich dort, wo es angebracht und nötig war: Nein, zu Krieg; Nein, zu Drückebergerei vor der Verantwortung; Nein, zu denen, die andere draußen vor der Tür lassen.

Zusammengestellt von Roman Riedel


Zur Ausstellung war ein reich bebilderter Katalog erschienen, der im Sekretariat der Schule erhältlich war:
Bernd M. Kraske: Wolfgang Borchert Leben - Werk - Wirkung. Glinde: Verlag Hans-Jürgen Böckel, 1996, 88 S., DM 20,00
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