1¾«|'34;<<ACHE.DFVHP4BASEC=@ŁŠgÓ 94:µDie verlorenen Kinder der Ach‚ -  - Die verlorenen Kinder der Ach von David Einhorn Das Frheste, woran sich Ramona Tycuarangi in ihrem Leben erinnern kann, ist ein Lager im Wald, wo sie an einem sonnigen Nachmittag mit einem K”rbchen spielte. Pl”tzlich h”rt sie eine Reihe von Explosionen aus der Richtung der B„ume. Ein kleines Kind in der N„he st”hnt und f„llt heftig blutend zu Boden. Dunkelgrn gekleidete M„nner mit Gewehren tauchen auf. Eine Mutter will mit ihrem Baby auf dem Arm weglaufen, merkt, daį sie nicht entkommen kann und l„įt das Kind auf dem Boden zurck. Die grnen M„nner schieįen und nehmen das Baby mit. Ramona versteckt sich voller Schrecken unter einem Busch, w„hrend die M„nner das Lager mit ihren Beilen niedermachen. Erst viel sp„ter entdecken sie Ramona. Sie will auf eine Frau zurennen, die in einiger Entfernung steht und die sie fr ihre Mutter h„lt, aber sie stolpert ber ein paar Zweige, und ein Mann packt sie am Arm. Sie beiįt ihn und wehrt sich so sehr, daį er Hilfe braucht, um sie festzuhalten. Ramona weigert sich, ihr K”rbchen loszulassen. Sie wird weggebracht, zusammen mit dem verwaisten Baby und einem anderen, verletzten Kind. Apƒ! Apƒ! Ramona schreit nach ihrem Vater, w„hrend sie durch den Wald weggezerrt wird. Schlieįlich kommen sie an eine Orangenpflanzung. Ramona ist fasziniert von den wundersch”n gleichm„įigen Reihen der Orangenb„ume, die bis zum Horizont reichen. Aber nicht anders als Schneewittchens Apfel sind diese Orangen ein grausames Trugbild. In Wirklichkeit befinden sie sich auf einer estancia, einem Groįgrundbesitz; es ist nur die erste Station einer Kindheit, die von nun an fr Ramona nur harte Arbeit bedeuten wird. Hat sie bisher keinen einzigen Tag auįerhalb des Waldes zugebracht, wird sie von nun an keinen einzigen mehr im Wald verbringen und auch ihre Eltern nie mehr wiedersehen. Die M„nner in Grn haben ihr alles genommen, was ihr vertraut war. Als man sie um 1960 fing, war sie gerade fnf Jahre alt. Als Ach‚ geboren Ramona Tycuarangis einzige Schuld besteht darin, als Ach‚-Indianerin geboren zu sein. Die Ach‚ waren die letzten traditionell lebenden J„ger und Sammler Paraguays. Ein geheimnisvolles und scheues Volk, das durch die abgelegenen W„lder der Ostregion zog und jeglichen freiwilligen Kontakt mit der Zivilisation vermied. Ihr ursprnglicher Lebensstil hatte sich seit der Steinzeit nur wenig ver„ndert. Nach dem Urteil der Ethnologen geh”ren die Ach‚ zu den genetisch reinsten und kulturell isoliertesten indigenen V”lkern Sdamerikas. 10.000 Jahre lang lebten sie in Paraguay und zogen in kleinen Gruppen durch den weitl„ufigen subtropischen Urwald zwischen R”o Paraguay und Paran . Bis die Zivilisation auftauchte. Die paraguayische Bev”lkerung dr„ngte nach Osten in die groįen W„lder und die Bauern, Groįgrundbesitzer und Siedler verschlangen in ihrer Gier nach Land das Jagdgebiet der Ach‚, die lediglich als l„stiges Hindernis erschienen. Viele Ach‚ wurden von den Invasoren gleich massenweise gejagt und get”tet, weil man sie als Viehdiebe und Eindringlinge betrachtete. Als sie sich so in immer kleinere Waldstcke zurckgedr„ngt sahen, zahlenm„įig weit unterlegen und nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet, wurde der einst so heroische Stamm zur leichten Beute. Die Erwachsenen schoį man nieder, die Kinder fing man ein, und die šberlebenden wurden eingeschchtert und in Siedlungen verfrachtet, die unter staatlicher Kontrolle standen. Aber diese Siedlungen erwiesen sich bald als Todesfallen. Der Kontakt mit den Weiįen brachte Krankheiten, gegen die man nicht gefeit war. fast die H„lfte der Umgesiedelten starb. Darber hinaus war das "Reservats"-Programm in einem solchen Maįe von Korruption und Miįbrauch beherrscht, daį es vermutlich mehr Indianer zu Tode brachte, als es rettete. Nach einem Bericht des US-Bros fr Internationale Entwicklung hat der Leiter des bedeutendsten staatlichen Reservats in Cerro MorotŒ, Manuel de Jes£s Pereira "die Ach‚-Frauen sexuell miįbraucht, im Zustand der Trunkenheit die M„nner geschlagen, sie als Arbeitskr„fte ausgebeutet, die Kinder als Haushaltshilfen verkauft, die Ach‚-Kultur ausgel”scht, fr das Reservat bestimmte Zuwendungen unterschlagen und nicht einmal die grundlegendste medizinische Versorgung garantiert, was dazu fhrte, daį eine Vielzahl der Ach‚ an Seuchen starben." Unter ihnen war auch Ramonas Mutter, die 1971 in Cerro MorotŒ an Lungenentzndung starb. Gegen Ende der 70er Jahre, als die letzten Ach‚ den Wald verlieįen, war ihr Volk eine von der Ausrottung bedrohte menschliche Spezies. Zutiefst betroffen von der scheinbar hoffnungslosen Lage dieser Ethnie bemhten sich V”lkerkundler und katholische Missionare um humanit„re Hilfe. Doch da taten sich neue Abgrnde des Grauens auf: Die šberlebenden des indigenen Holocausts in Paraguay berichteten von einer ganzen Generation verwaister Ach‚-Kinder, die entfhrt und als Dienstpersonal an paraguayische Familien verkauft worden waren. Damit begann die Suche nach den verlorenen Kindern der Ach‚. "Ich bin im Wald geboren. Meine Leute lebten als Nomaden, nie blieben sie an einem Ort; nur der Regen konnte sie aufhalten. Nie verlieįen sie diesen Wald, ihren Lebensraum, wo sie im groįen Bogen weiterzogen, bis sie wieder an den Ausgangsort kamen. Mein Vater kmmerte sich um mich, immer trug er mich auf der Schulter. Bis heute habe ich meinen Vater nicht vergessen, er starb kurz nachdem ich entfhrt wurde, vielleicht aus Traurigkeit. Auf der estancia erz„hlten sie mir, daį meine Leute viele Khe t”teten, daį man deswegen b”se war und das Milit„r rief. Das war die bliche Version. Aber fr die Ach‚ geh”ren der Wald und die Tiere, denen sie im Wald begegnen, allen Menschen. Sie wissen gar nicht, was Diebstahl ist. Alles, was sie in der Natur vorfinden, hat der Sch”pfer fr alle gemacht. Ich blieb eine Zeitlang bei den Leuten, die mich entfhrt hatten. Sie nannten mich Ramona. Das verletzte Kind weinte die ganze Nacht. Eines Tages, als ich Maniok zum Essen brachte, h”rte ich es schreien: "Ay!", und ich h”rte den Schuį: "Bum!" Die Frau, die sich um mich kmmerte, sagte, es sei nichts mehr zu machen gewesen. Mich durchfuhr es eiskalt von Kopf bis Fuį, und ich sagte mir, daį sie mich auch umbringen wrden. Dann brachte mich die Frau zu ihrer Cousine, die mich dann zu einer anderen Cousine brachte. So fing meine Wanderschaft an, ich kam von einem Haushalt in den anderen. Fr mich waren alle erwachsenen Frauen die "Mama". Ein paar hatten mich gern, andere mochten keine Indianer. ich erinnere mich an eine b”se Frau, die mich schlug. Manchmal schloį ich mich in der Kche ein. Damals berlegte ich nicht viel, wie es mir erging, und ich dachte immer nur an meine Leute. Ich sprte, daį ich meine Heimat schon verlassen hatte, ich war schon keine Ach‚ mehr. Ich war alleine." Eine andere Familie 35 Jahre sp„ter, nach einer langen Fahrt ber kopfsteingepflasterte Straįen in einer Winternacht mit kaltem Nieselregen, bringt uns Ramona zu ihrem Adoptivbruder in Fernando de la Mora, Jos‚ Carlos Cano Arias, 56 Jahre, der letzte K„ufer Ramona Tycuarangis und der erste Mensch der sie menschenwrdig behandelt hat. Er saį vor dem Fernseher, hatte eine Mtze von der Fuįball-Weltmeisterschaft auf; umringt von Kindern und Enkeln sprach er von seiner Familie aus Villarrica. Seine Mutter war eine gebildete Frau, die ihre Kinder studieren lieį. Jos‚ Carlos ist Tierarzt, und unter seinen Geschwistern sind drei Žrzte, ein Agronom, ein Zahnarzt, ein Architekt und eine Lehrerin. Zu dieser erlauchten Schar geh”rt noch Ramona, das Hausm„dchen. Ihr Leben mit den Canos war besser als das vieler anderer Ach‚. Ramona besuchte die Schule und hatte dauerhafte Beziehungen mit einigen Mitgliedern der Familie, aber sie litt auch unter der Grausamkeit und Diskriminierung die eine sklaven„hnliche Stellung mit sich bringt. Jos‚ Cano war am Anfang seiner Karriere und impfte Maultiere in den Bergen von Yvytyrusu, in der N„he von San Joaqu”n, als er von einer Bauernfamilie h”rte, die vor kurzem ein Ach‚-M„dchen "frisch aus dem Wald" erworben hatte. "Ich wollte sie unbedingt kennenlernen, ich hatte noch nie einen Ach‚ gesehen. Eigentlich hatte ich ein biįchen Angst vor ihnen. Immer wenn ich in den Wald ging, hieį es, ich solle mich vor ihnen in Acht nehmen, weil sie sich fr die Herren der Gegend hielten und es nicht gerne sahen, wenn jemand in ihr Revier eindrang. Sie schossen auf einen mit Pfeil und Bogen. Ein Freund von mir wurde von ihnen getroffen und verlor ein Auge. Wir fuhren zu der estancia, und ich sagte der Frau, daį ich an ihrer kleinen Ach‚ interessiert sei. Sie rief nach Ramona, und es kam ein sehr kleines, unterern„hrtes Ding mit aufgebl„htem Bauch und einem langen R”ckchen. Sie war damals etwa 6 Jahre alt, gerade hatte sie oben ihre zweiten Z„hne bekommen. Die Frau erz„hlte mir, daį ihr Mann eine Stute und auch Geld fr das M„dchen gegeben habe und sie es jemandem geben wolle, der sich um sie kmmern k”nnte. Ich bot ihr 4.500 Gs, aber der Mann wollte mehr. So viel wollte ich nicht bezahlen. Am n„chsten Tag willigte er ein, und die Frau brachte das Kind. Fr damals war es viel Geld, aber ich wollte das M„dchen haben, weil es etwas ganz Neues war, eine Indianerin nach Villarrica zu bringen, das war noch nicht dagewesen." "So wuchs ich auf mit der Familie Cano Arias. Fr vieles bin ich ihnen dankbar, vieles hat mir auch sehr wehgetan, und ich m”chte mich lieber nicht daran erinnern. Sie haben mich sowohl gut als auch schlecht behandelt. Ich hatte ein Zuhause, ich hatte was zum Anziehen, ich konnte in die Schule gehen. Ich bekam alles M”gliche, aber keine Zuneigung. Nie bekam ich zu spren, was Liebe und Zuneigung ist. Ich war wie ihr Aschenputtel, das war meine Welt. Die anderen gingen ins Kino, zu Geburtstagen, zum Tanzen, w„hrend ich arbeiten muįte. Ich muįte zwischen drei und fnf Uhr morgens aufstehen, Feuer machen, ihren Mate-Tee, zum Markt gehen, einkaufen. Ich arbeitete in der Kche, muįte splen, putzen, Wasser holen. Auįerdem mich um die Tiere kmmern, die Hhner, Schweine und Khe. Langsam wurde mir klar, daį ich keine Kindheit haben wrde, daį ich nie spielen durfte." Die Indianerin "Immer erinnerten sie mich daran, daį ich Indianerin war, daį ich ein Niemand war. Es hieį, daį meine Leute nicht mehr existierten. Einmal bat ich meine 'Mama' um Erlaubnis, in die Kirche gehen zu drfen, denn ich wollte wissen, wer Jesus ist und Maria. Hier und da hatte ich etwas ber sie aufgeschnappt, aber nichts Konkretes. 'Mama' wollte mich gehen lassen, aber 'Papa' nicht. Und weil ich dann doch in die Kirche ging, wurde ich von ihm bestraft, als ich nach Hause kam. Er schlug mich und sagte, ich sei eine Indianerin, ich k”nnte sowieso nicht beten, ich sei ein Tier und ein Nichtsnutz. Einige Zeit sp„ter erblindete Mama, sie hatte Krebs. Weil ich als einzige noch im Haus war, muįte ich sie pflegen. Ich, die Miįhandelte, Geschlagene, Beleidigte, der letzte Abschaum, ich war bei ihr bis zum letzten Augenblick und sagte zu ihr: 'Ich bin jetzt bei dir, Mama, zum Dank dafr, daį du mich wie deine Tochter aufgezogen hast.' Obwohl sie mir nicht ihre ganze Liebe gegeben hat, nur ein winziges Biįchen. Nie hat sie mich wie eine Tochter in die Arme geschlossen. Ich absolvierte das 1. Schuljahr, aber nach Mamas Tod ging ich von der Schule. Mit 16 wurde ich schwanger, und weil ich unverheiratet war, wohnte ich weiter zu Hause. Papa stellte mir nach und wollte mich miįbrauchen. Das war nicht das erste Mal. Ich lieį mich nicht darauf ein und war b”se mit ihm, denn fr mich war er doch mein Vater. Ich sagte zu ihm: 'Solange du lebst, werde ich dieses Haus nicht mehr betreten.' Eine seiner T”chter stand mir bei und wurde deshalb von ihm geschlagen. Bei den Canos lernte ich, mich auszudrcken, mich im Leben durchzuschlagen. Aber nie lernte ich zu lieben und zu verzeihen. Nur das Schlimmste lernte ich: zu hassen." - Jos‚ Cano sieht die Sache so: "Ramona wuchs wie ein zus„tzliches Familienmitglied auf. Sie erfuhr viel Zuneigung. Sie lebte nicht wie eine Ge„chtete, sondern sie hatte ihre Familie, aį mit uns am Tisch und teilte das Schlafzimmer mit meiner Mutter. Sie lebte genauso wie wir alle." Aus Jos‚ Canos Sicht holte seine Familie ein armes Indianerkind aus dem Urwald und zog es groį in einer Zeit, da die Indianer wie Tiere abgeschossen oder als Sklaven gehalten wurden. Ramona, die zur Zeit bei ihrem Volk, den Ach‚, lebt, ist bereit, in einem von ihr selbst gew„hlten Rahmen die Beziehung zur Familie Cano aufrechtzuerhalten und hat weiterhin Kontakt zu einigen ihrer Adoptivgeschwister. Sie hat bereits vereinbart, daį ihre Kinder bei Jos‚ wohnen k”nnen, sobald sie alt genug sind, eine in der N„he gelegene Sekundarschule zu besuchen. Cano untersttzt die noch in ihren Anf„ngen begriffene indigenistische Bewegung Paraguays. Er erz„hlt uns die Geschichte einer Ach‚-Gruppe, die umgebracht wurde, weil sie von einem Feld Maniok gestohlen hatte: "Mir ist durchaus bewuįt, daį der Wald ihnen geh”rt, und ich halte es fr richtig, daį sie bekommen, was ihnen zusteht." Ob er stolz gewesen sei, als die Zeitungen ber Ramona als Mitglied der Verfassungsgebenden Versammlung schrieben? "Na klar", ist seine Antwort. "Sie ist mit uns zusammen aufgewachsen, das ist, was z„hlt, und wenn sie bei uns geblieben w„re, w„re noch mehr aus ihr geworden." Die Rckkehr Als ihre Adoptivgeschwister erwachsen waren und ihre Dienste berflssig wurden, bat Ramona ihre Familie, sie "in die Freiheit" zu entlassen. Die Canos, die dankbar waren, daį sie die Mutter in ihren letzten Tagen gepflegt hatte, lieįen sie gehen. Ramona zog nach Asunci¢n, wo sie sich durch den Straįenverkauf von Empanadas, Zigaretten und Kaffee mehr schlecht als recht ber Wasser hielt. Eines Nachmittags im Jahr 1977 begegnete ihr in Asunci¢ns Armenviertel, der Chacarita, ein Priesteramtskandidat namens Lucio Godoy. Nachdem man anfing, die Ach‚ in Reservaten anzusiedeln, hatte Godoy es sich zur Aufgabe gemacht, die verwaisten Kinder dieser ind”gena-Gruppe ausfindig zu machen. An Ramonas heller Hautfarbe und ihren asiatischen Zgen - Merkmalen, die sie auch von anderen paraguayischen Indianerv”lkern unterscheiden - hatte er erkannt, daį Ramona eine Ach‚ war. Godoy verfolgte Ramona bis in ihre Wohnung: ein gemietetes Zimmer an einer Straįenecke, von ungef„hr drei Quadratmetern. Eine Htte aus Preįpappe. Er wollte mit Ramona ber ihre Vorfahren reden. Sie zeigte sich miįtrauisch, zweifelnd, „ngstlich, es konnte sich ja um irgendeinen Schwindler handeln. "Er hat mich angelogen, denn er sagte, daį jemand aus meiner Familie krank sei und nach mir verlangte. Ich verstand nicht, was er wollte, denn ich dachte, er spreche von meiner paraguayischen, weiįen Familie", erinnert sich Ramona. "Als er mir klarmachte, daį es um meine wirkliche, indianische Familie ging, bekam ich Angst. 'Das ist unm”glich', sagte ich, 'das glaube ich nicht, die sind doch alle tot'". Godoy wuįte, daį Ramona etwas Besonderes war: eine Ach‚, die sich schon von ihrer paraguayischen Familie befreit hatte und zudem eine gewisse Bildung besaį. Zwei Jahre lang versuchte er sie zu berzeugen, daį sie ihre Familie besuchen solle, aber obwohl sie sprte, daį Godoy es ehrlich meinte, weigerte sie sich. Nur wenig war ihr von ihrem Leben als Indianerin in Erinnerung geblieben. Ihre einzigen fnf Ach‚-W”rter sind Zeugnis des zarten Alters, in dem sie ihrem Volk entrissen wurde: myng  (Honig), papingi (klein) und die Namen ihrer Mutter und zweier „lterer Brder. "Ramonas Widerstand ist normal fr die drauįen lebenden Ach‚. Es handelt sich um einen Abl”sungsprozeį. Sie sch„men sich, die berhmten Guayaki zu sein, von denen sie ein Leben lang absch„tzig reden geh”rt haben", erkl„rt Godoy. Aber er lieį nicht locker. Er holte vier Ach‚ aus Chupa Pou, einer der neuen landwirtschaftlichen Siedlungen, die fr diese ind”gena-Gruppe im Departamento Canindej£ eingerichtet wurden. "So machte ich Bekanntschaft mit den Ach‚", sagte Ramona. "Es schien nichts Besonderes an dem Treffen zu sein, aber mir stieg eine Hitze ins Gesicht, als wrde ich mich sch„men." Chupa Pou liegt etwa 400 km ”stlich von Asunci¢n, es gibt keine befestigten Straįen. Wenn es trocken ist, wirbelt roter Staub auf hinter den Ochsenkarren der Holzf„ller, Autobussen und alten Lastwagen, die nach Diesel stinken. Wenn es regnet, kann der Weg von Kuruguaty fr Monate unpassierbar sein. Heute leben etwa 400 Ach‚ in Chupa Pou. Damit ist es die gr”įte von fnf Ach‚-Siedlungen, die insgesamt eine Bev”lkerung von 850 Personen ausmachen. Chupa Pou bedeutet "neue Siedlung" auf Ach‚. Nichts k”nnte weiter entfernt sei von der Wahrheit. Seit der Grndung mit Untersttzung katholischer Missionare sind 16 Jahre vergangen. Aber fr die Ach‚ ist es wie 16 Jahre nach 1492. In einem einzigen Augenblick beraubte man sie ihrer Vergangenheit und sie wurden gezwungen, die Kultur der Eroberer anzunehmen. "Fr einige war es ein schwieriger Anpassungsprozeį, und fr andere eine langsame Agonie, vor allem fr die Alten", sagt Benjamin Remiorz, Priester des Steyler Missionsordens, von dem die Mission in Chupa Pou geleitet wird. "Natrlich kann es auch kein Ziel sein, daį eine Gruppe sich berhaupt nicht weiterentwickelt, aber es geht viel zu schnell, wenn man in 16 Jahren vom J„ger zum Bauern werden soll; das ist wirklich nicht leicht." Die Žrmsten der Armen Die Ach‚ geh”ren bis heute zu den „rmsten Bev”lkerungsgruppen, nicht nur Paraguays, sondern ganz Lateinamerikas. Die meisten Bewohner von Chupa Pou haben berhaupt keine Einknfte und leben in verstreut liegenden Htten ohne Strom und flieįendes Wasser. Trotz allem entsprechen die Ach‚ nicht dem bedrohlichen und feindseligen Image, das viele mit ihnen verbinden. Von den Kindern, die berall auftauchen und die Fremden an die Hand nehmen, bis zum liebenswrdigen Gespr„ch, zu dem sich immer wieder Gelegenheit bietet, legen die Ach‚ eine verzeihende Natrlichkeit an den Tag und eine Gastfreundschaft, die vielleicht das bestgehtete Geheimnis in Paraguay seit der Eroberung ist. Sogar Ramona kam hierher, um dem Mythos der Ach‚ nachzuspren. Stattdessen fand sie Ach‚, die sie mit offenen Armen empfingen. "Als ich nach Chupa Pou kam, wuįte ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich war im Haus des Paters, und die Ach‚ warteten drauįen. Aber eigentlich hatte ich Angst, denn als ich klein war, erz„hlten mir die Paraguayer immer, daį mich meine Leute, falls sie mich eines Tages holen sollten, nicht mehr als eine der ihren aufnehmen wrden. Daį sie b”se sind und einen allein wegen seines Geruches umbringen. Ich wollte nach drauįen gehen, blieb zitternd in der Tr stehen, und trat erst dann hinaus. Sie redeten mich in ihrer Sprache an, und jemand bersetzte es mir ins Guarani. Sie musterten mich und sagten, die sieht aus wie der oder die soundso. Und dann zogen sie wieder ab. Viel sp„ter erkl„rten sie mir, sie h„tten damals beschlossen, daį ich nicht zu ihnen geh”re, weil ich fr eine Ach‚ zu mager w„re. Sie nannten mich berupuare, das heiįt, keine Ach‚, sondern eine Paraguayerin. Sie brachten mir die ersten Speisen, die ich essen muįte, denn wenn ich es nicht tat, war ich fr sie keine Ach‚. Sie nahmen mich mit in den Wald und gaben mir buchu-Larven. Ich nahm sie in den Mund und spuckte sie wieder aus, ich bekam sie nicht runter. Sie lachten sich halbtot. Sie fragten mich, woran ich mich erinnere, und da kam einiges wieder. Nach fnf Tagen erkannten sie mich, denn ich sehe meiner Schwester sehr „hnlich, nur daį sie viel dunkelh„utiger ist. Da erst kamen sie n„her, einige umarmten mich, andere weinten und sagten, sie seien meine Verwandten. Ich fhlte mich geliebt wie nie zuvor." Ramona erfuhr, daį auįer ihren Eltern auch ihre acht Geschwister - bis auf eines - gestorben waren, auch die beiden, deren Namen sie die ganze Zeit liebevoll im Ged„chtnis behalten hatte. Eine von ihnen, Kanagi, war kurz vor Ramonas Rckkehr an einem Schlangenbiį gestorben. Die einzige, die noch lebte, war ihre „ltere Schwester, Rosa, mit der Ramona eine tr„nenreiche Begegnung hatte. Der Zufall hatte es gewollt, daį ihr Vater Rosa und nicht Ramona auf dem Rcken trug, als er an jenem schicksalhaften Tag vor vielen Jahren auf die Jagd ging. Sie erfuhr auch, daį nicht nur sie, sondern Hunderte anderer Ach‚-Kinder ihren Familien weggenommen worden waren, ihren Mttern f”rmlich aus den Armen gerissen, vom Wegesrand weggezerrt, fr ein Paar Stiefel verschachert oder gegen ein paar Bonbons als Bestechungsgeld. Das Traurigste an allem ist, daį die Ach‚ selbst manchmal aus Verzweiflung ihre Kinder an die Paraguayer verkauften oder sogar Kinder t”teten, indem sie die Waisen zusammen mit ihren Eltern begruben, anstatt sich auf der Flucht mit ihnen zu beladen. Ein neues Leben Mit ihrer wenn auch bescheidenen Bildung wurde Ramona bald zu einem wertvollen Mitglied der Gemeinschaft. W„hrend der zehn Jahre, die sie in Chupa Pou verbrachte, unterrichtete sie an der Grundschule, arbeitete in der Apotheke der Mission mit und begann eine ihr vollkommen fremde Kultur neu zu erlernen. Sie begleitete die Ach‚ bei ihren Streifzgen in den Wald, jagte mit ihnen Nabelschweine, Grteltiere, Affen und andere Tiere. Sie lernte, sich mit der fr die Ach‚ typischen Leichtigkeit fortzubewegen, die es ihnen erlaubt, t„glich Dutzende von Kilometern zurckzulegen, durch dichtes und dorniges Gestrpp, das die Paraguayer fr undurchdringlich halten. Sie sammelte Wildhonig, wie sie es als Kind getan hatte, Pflanzen und Frchte des Waldes, die nur die Ach‚ kennen, sie trug die Kinder auf dem Rcken, so wie sie selbst getragen worden war, aį die absonderlichsten Speisen, die von den Ach‚ gesch„tzt werden, wie Insektenlarven und die Ausscheidungen einer Nagetierart. Die verblaįten Erinnerungen aus Ramonas Kindheit nahmen wieder Gestalt an. Lange war ihr im Ged„chtnis geblieben, wie damals ihre Leute das untere Laub eines Baumes entfernten, wenn sie einem Tier nachjagten, das sich im Wipfel versteckt hielt. "Dann sah ich bei einem Streifzug durch den Wald, wie sie wegen einem Nasenb„r genauso verfuhren, und da erinnerte ich mich pl”tzlich: genau dieses Tier war mein Name, denn Tycuarangi bedeutet nichts anderes als Nasenb„r. Ich freute mich sehr, denn da entdeckte ich, was in meinem Inneren war." Langsam begann ein neues Leben fr Ramona, mit all seinen positiven und negativen Seiten. Eines ihrer Kinder starb an Durchfall, als es ein Jahr alt war. Aber sie bekam zwei weitere S”hne, Rolando und Jos‚, die jetzt 9 und 13 Jahre alt sind. Gem„į einer Tradition ihres Stammes, Kindern Tiernamen zu geben, nannte sie die beiden Yapegi (Krokodil) und Urupurangi (Huhn). Als die Ach‚ seįhaft wurden, behielten sie ihre traditionellen Namen als Familiennamen, um so ihre Stammesidentit„t zu wahren. Die Kinder bernehmen aber nicht die Namen ihrer Eltern, denn bei den Ach‚ erzieht die ganze Gemeinschaft die Kinder. Eine engagierte Frau Als sie wieder zu ihrem Namen, ihrer Familie und ihrem Volk gefunden hatte, fand Ramona auch zu ihrem Engagement fr die Ach‚. "Als sie mir erz„hlt hatten, wie sie lebten, wie sie litten und was sie frchteten, alles was ihnen widerfahren war, wie ein Gemetzel nach dem anderen ber sie hinwegging, wurde ich mit einem Mal eine andere Person. W„hrend sie mir ihr Leben berichteten, merkte ich, daį es auch mein eigenes Leben war, wenn auch in anderer Form. Deshalb entschloį ich mich, meine Leute zu verteidigen. Ich wurde zusammen mit meinem Volk wiedergeboren. Auch wenn ich nicht viel wuįte: das wenige, was ich wuįte, gab ich meinen Leuten". Die Ach‚ schenkten Ramona eine Heimstatt und eine kulturelle Tradition, und sie nutzte ihre Lebenserfahrung, ihre Ausbildung und ihr Verhandlungsgeschick zum Wohle ihres Stammes und wurde bald zu einer leidenschaftlichen Verteidigerin der Ach‚-Kultur. "Ramona ist fr die Ach‚ sehr wichtig, denn sie wagt es, so zu sprechen, wie es nur wenige der ihren tun wrden", sagt Kim Hill, ein nordamerikanischer Ethnologe, der einen Groįteil der vergangenen 16 Jahre bei den Ach‚ gelebt hat. Als die Apostel der New Tribes Mission den Ach‚ eine apokalyptische Version des Christentums verkaufen wollten und die Neubekehrten dazu dr„ngten, ihren gesamten materiellen Besitz abzugeben, stellte Ramona sich ihnen entgegen und half, sie zu vertreiben. An der New Tribes Mission wurde massiv kritisiert, daį sie die Ach‚-Kultur unterdrckten, solange Cerro MorotŒ unter ihrer Verwaltung stand (die Leitung wurde ihnen bertragen, als der berchtigte vorherige Verwalter Pereira seines Amtes enthoben und festgenommen wurde). Sooft die Ach‚ mit der Welt der Weiįen in Handelsbeziehungen eintreten muįten, war Ramona da, um ihnen zu helfen. Sie trug auch ihren Teil bei zu den problematischen Verhandlungen mit der Umweltorganisation Fundaci¢n Mois‚s Bertoni. Es kam zu einer Vereinbarung, durch die den Ach‚ weitere 5000 Hektar fr Chupa Pou zugesprochen wurden, sofern sie im Gegenzug ihr Einverst„ndnis zur Schaffung eines 62.000 ha umfassenden Urwald-Schutzgebietes in der N„he g„ben. Da das Schutzgebiet sich in Zentrum des frheren Stammesterritoriums der Ach‚ befindet, erhielten sie die exklusiven Jagdrechte, freilich unter der Bedingung daį sie ausschlieįlich auf traditionelle Weise - etwa mit Pfeil und Bogen - jagen. Die neue Verfassung Ramona wurde im ganzen Land berhmt, als man sie 1991 als eine der acht Vertreter der indianischen V”lker Paraguays in die Verfassungsgebende Versammlung w„hlte. Ursprnglich waren die indigenen Abgeordneten lediglich als Beobachter geladen, aber die leidenschaftlichen und bewegenden Beitr„ge von Ramona und anderen l”sten eine unerwartete Welle der Untersttzung aus. Schlieįlich erkannte die neue Verfassung die Souver„nit„t der indianischen Bev”lkerung ber ihr Land an. Damit ist die paraguayische Verfassung in ganz Lateinamerika diejenige mit den am weitesten gehenden Zugest„ndnissen an die indigenen V”lker. Was Ramona vor dieser Versammlung vortrug, h”rt sich fast autobiographisch an: "Ich wollte allen Paraguayern ins Bewuįtsein rufen, daį es Indianer gibt, daį sie geachtet werden sollen und ihre eigenen Gesetze bekommen. Frher hat man zu mir gesagt: 'Du bist eine Indianerin', und ich habe mich gesch„mt, weil wir immer Minderwertigkeitsgefhle hatten. Jetzt weiį ich, wer und was ich bin. Wir sind die Wurzeln aller; aus uns entstanden die Nationen dieses Erdteils, und nicht nur Paraguay." Wenn auch die neue Verfassung als historischer Erfolg fr die indigenen V”lker Paraguays zu werten ist, bleibt abzuwarten, in welchem Maįe eine Umsetzung erfolgen wird. Weiterhin besetzen landlose Bauern indianischen Grundbesitz. Im September vergangenen Jahres kamen die Ach‚ in die Schlagzeilen, als sie sich - mit Pfeil und Bogen bewaffnet - den Bauern widersetzen, die nach Chupa Pou eingedrungen waren. Natrlich erwartet kein Mensch, daį die tiefverwurzelten Vorurteile gegen die Indianer von heute auf morgen verschwinden. Bei unserem Abschied aus Chupa Pou wurde das noch einmal klar. An jenem Tag bereiteten Hunderte von Ach‚ ein gemeinschaftlich bestelltes Feld fr die Aussaat von Sonnenblumen vor. Voran die M„nner mit einfachen Macheten und dahinter die Frauen und Kinder, die das Unkraut zusammentrugen um es dann zu verbrennen. Am Nachmittag kauften die H„uptlinge in einem kleinen Geh”ft in der N„he des Reservats fr alle ein paar K”rbe Orangen. Wir verabschiedeten uns, und die Ach‚ kehrten auf ihre Felder zurck. W„hrend wir also auf unser Transportmittel warteten, luden uns der Orangenbauer und seine Frau mit gewohnter H”flichkeit ein, mit ihnen Terere (kalten Mate-Tee) zu trinken. Im Schatten der Orangenb„ume, von denen der Bauer gerade die an die Ach‚ verkauften Frchte geerntet hatte, meinet er zu uns in einem Tonfall der Verschw”rung: "Von mir bekamen sie zu essen, als sie berhaupt nichts hatten, als sie nackt aus dem Urwald kamen. Aber es ist ein fieser Haufen, diese Guayakis, sie haben keine Lust zu arbeiten. Was passiert denn mit den Millionen von Guaranis, die sie aus dem Ausland bekommen? Wenn sie nicht den Missionar h„tten, w„re schon l„ngst Schluį mit dem ganzen Unternehmen." Seit ihrer Teilnahme an der Verfassungsgebenden Versammlung hat Ramona ihren schwierigen Kampf fortgefhrt und sich vor der paraguayischen ™ffentlichkeit und auch darber hinaus fr die Sache der Indianer einzusetzen. Sie hat in Paraguay selbst bei verschiedenen Zusammenknften der indigenen V”lker gesprochen und reiste 1993 auch nach Uruguay, um an einer Konferenz aller sdamerikanischen Indianer teilzunehmen. Bis vor kurzem geh”rte sie der Leitung des Verbandes der Indigenen V”lker Paraguays (API) mit Sitz in Luque an. Sie tr„umt davon, nach Chupa Pou zurckzukehren, um die Ach‚ zu einer einluįreicheren und besser organisierten politischen und wirtschaftlichen Kraft zu machen. Aber weder Ramona noch andere hatten bisher groįen Erfolg bei dem Versuch, die Ach‚ ber das Niveau der Subsistenzwirtschaft hinauszubringen. So gab es Projekte, mit denen die Produktion von Honig, Schweinen, kunsthandwerklichen Artikeln und sogar Seife gef”rdert werden sollte, meistens aber nur mit sehr beschr„nktem Erfolg. Die Kunst des šberlebens Fr Kim Hill besteht eine groįe Gefahr darin, daį die Ach‚ sich in die Rolle der hilfsbedrftigen Opfer begeben. Zwar mag diese Einstellung gerechtfertigt sein, aber sie k”nnte die leidenschaftliche Unabh„ngigkeit und die Selbst„ndigkeit der Ach‚ untergraben, die bislang gerade ihr šberleben sicherten. Ramona unterstreicht freilich, daį sie keineswegs die Ach‚ in die Abh„ngigkeit fhren will, sondern "meinem Volk deutlich machen, wie wichtig fr sie die Kunst des šberlebens und des Widerstehens ist". Fr sie steht und f„llt das šberleben ihres Volkes mit einem unnachgiebigen festhalten an der Stammesidentit„t. "Wir haben alles verloren: das einzige, was sich noch bewahren l„įt, ist unsere Identit„t als ind”genas." Tats„chlich sind die Ach‚ als Volk im Vergleich mit anderen indianischen Gruppen Paraguays erstaunlich intakt geblieben: sie haben sich nicht wie jene in der paraguayischen Gesellschaft aufgel”st und sich in die Abh„ngigkeit von Arbeitgebern oder der Regierung begeben. Sowohl den Genuį von Alkohol als auch den allzu freundschaftlichen Umgang mit Paraguayern regelt bei den Ach‚ eine strenge Ordnung. Vor kurzem wurde in Chupa Pou eine Frau mit der Peitsche gezchtigt und kurzgeschoren, weil sie das Reservat verlassen haben soll, um mit Paraguayern zu feiern. Fr Ramona ist die Identit„t allerdings nicht untrennbar mit dem Leben im Urwald verknpft, durch das die Ach‚ sich jahrhundertelang definierten. "Einige indianische Brder leben noch immer, als w„re nichts passiert und ziehen sich vollkommen auf sich selbst zurck. Aber es ist schwer m”glich, daį wir wieder so werden wie frher, denn so setzen wir uns eine Grenze, die wir nicht berschreiten drfen und bleiben immer abh„ngig von andern, als wrden wir um etwas betteln. Wir halten noch immer an dem Brauch fest, in den Wald zu gehen, aber ich weiį nicht, was sp„ter einmal sein wird. Wenn es einmal keinen Urwald mehr gibt, wo k”nnten wir dann noch jagen? Mich interessiert das Problem der Identit„t, aber in dem Sinne, daį ich frage 'Wer bin ich?' und 'Wer kann ich sein?'. Auch h„ngt die 'Identit„t' vom inneren Zusammenhalt der Gruppe ab und davon, ob sie sich als Volk behaupten kann." Inzwischen hat Ramona gemerkt, daį es gar nicht so einfach ist, aus ihrer vagen Position zwischen zwei Welten herauszufinden, zwischen der Zivilisation, in der sie aufgewachsen ist und der Kultur der Ach‚, in der sie noch ein "Lehrling" ist. Ihr leidenschaftliches Engagement steht nicht immer im Einklang mit der Ach‚-Kultur, die im wesentlichen auf einem unumst”įlichen sozialen Konsens und dem Respekt gegenber den Žlteren grndet. Auch ist sie nicht bereit, die untergeordnete Rolle zu akzeptieren, die den Ach‚-Frauen traditionell zukommt. Ebensowenig wie sie den machismo der Paraguayer hinnimmt - hat sie doch schon mehrere Ehem„nner gehabt, von denen einer im vergangenen Jahr ihren bescheidenen Laden in Chupa Pou plnderte. Trotz ihres unerschtterlichen Bemhens, in die Lebensformen ihres Stammes hineinzuwachsen, ist sie doch eine ehrgeizige und selbst„ndige Frau, die sich um Integration in eine indigene Stammesgemeinschaft bemht. Soziales Gleichgewicht "Bei den Ach‚ wird das soziale Gleichgewicht durch ein gemeinschaftliches Kontrollsystem gew„hrleistet, welches verhindert, daį einzelne Personen sich ber die Maįen profilieren", erkl„rt Pater Benjamin. "Ramona kam und war viele Jahre in Chupa Pou; es ging allzuschnell voran mit ihr, sie hatte einen Laden, eine Kuh, verdiente Geld. Sie hatte eine bessere Ausbildung und war weltgewandt. Aber von Anfang an ging es ihr darum, sich fr ihre Leute einzusetzen. Ich glaube nicht, daį sie ein anderes Ziel hatte, als den Ach‚ klar zu machen, daį auch ihre allt„gliche Situation sich verbessern kann. Andererseits verfgen die Ach‚ eben ber gewisse Mechanismen zur 'Absenkung' des sozialen Status von Personen, die sich in der Gemeinschaft zu sehr hervortun." In dem Maįe, wie sich die neue Gesellschaft der Ach‚ weiterentwickelt, wird sich Ramona vielleicht dazu „uįern, wie es weitergeht. Jedenfalls hat sie ihnen bereits beigebracht, sich Geh”r zu verschaffen und ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Sie hat die Ihren aufgerttelt, wie es eigentlich nur ein Ketzer oder ein Vision„r h„tte tun k”nnen. Ihre Botschaft lautet, daį die Ach‚ in der neuen Umgebung mit der selben Leidenschaft und Wildheit k„mpfen mssen, wie sie es im Wald taten. Bei aller Unvollkommenheit ist sie die unbez„hmbare Vork„mpferin ihres Volkes. Auf lange Sicht werden sich ihr Tun und ihre Stellung wahrscheinlich als ebenso effektiv erweisen wie andere "Maįnahmen", die auf den Zusammenstoį mit jener komplexen Welt vorbereiten sollen, in die ihre Leute gerade eingetreten sind, und aus der Ramona gerade zurckgekehrt ist. Als im August der Jahrestag der Grndung von Chupa Pou gefeiert wurde, war die Siedlung erfllt von den traditionellen Begrįungsrufen der Ach‚. Ein weiteres der "verlorenen Kinder" war zurckgekehrt, ein Ach‚-M„dchen, das sein unvorstellbarer Leidensweg bis nach Chile gefhrt hatte. Sie kam in Begleitung von Ramona, die so die „lteren Stammesmitglieder bei der diffizilen Aufgabe untersttzte, ein weiteres in der Fremde aufgewachsenes Kind des Volkes in den Sitten und Gebr„uchen der Ach‚ zu unterrichten. Nur wenige Tage danach traf Ramona in Asunci¢n zuf„llig Lucio Godoy wieder, der sie vor Jahren bei jener ersten erschtternden Reise nach Chupa Pou begleitet hatte. Pater Lucio, der 1986 zum Priester geweiht wurde, arbeitete viele Jahre zusammen mit Ramona in Chupa Pou und leitet jetzt eine Ach‚-Mission in Caazap . Er erz„hlte Ramona, daį er vor kurzem beim Warten an einer Ampel in der Calle Ultima in Asunci¢n einen Passanten als Ach‚ erkannte und ihn daraufhin ansprach. "Ich erkl„rte ihm, daį ich mit seinen Leute arbeite und mich gerne mal l„nger mit ihm unterhalten wolle. Er l„chelte nur, gab mir dann aber die Adresse der Familie, bei der er wohnte", erinnert sich der Priester. So konnte Pater Lucio einen weiteren Namen zu seiner Liste hinzufgen, die schon Dutzende von Ach‚ umfaįte, die er im Laufe der Jahre getroffen hatte. Auch Ramona stand vor vielen Jahren auf dieser Liste. Der Pater hat weder die n”tige Zeit noch das Geld, um sie alle zu besuchen, aber als er Ramona traf, muįte er sich an den Jungen von der Ampel erinnern. "Wohl einfach deshalb, weil es eine genauso zuf„llige Begegnung war wie die mit Ramona", sagte Pater Lucio. Zuf„llig hatte er auch den Zettel mit der Adresse des jungen Ach‚ dabei, und er fragte Ramona, ob sie ihn besuchen k”nnte. Enthusiastisch wie immer versprach sie es ihm. Aus dem Spanischen von Wolf Lustig  Guayaki ist eine von den Paraguayern verwendete absch„tzige Bezeichnung fr die Ach‚ und eigentlich der Name eines Nagetiers.  Obwohl auch die Indianer paraguayische Staatsbrger sind, verwenden sie selbst diese Bezeichnung nur fr die nichtindianische Bev”lkerung des Landes und grenzen sich so von ihr ab. ÜÜÜ܀”w¢r¦nĄiÄdĘ_É[ŹV×QŁL$IÜÜÜÜÜÜÜ`aa0aa! # ! ``@` $-x uØrWo[l_iif!c)`R]TZrWuTaab`b`b`aca`b`b umx‚u3"r;"o”(l±(i35fA5c7`%7]Ō7ZÜ7Wp=Taa`b`b`a`a`b`a` p=u=x=u‡=r[>o\>h/?e7?bśC_ūCWET(EQ€7°’š?€?ŽĀŽy|l}’’=Žc?Ž’’ ą"šą"š ą"š ą"šą"š =€ > O°’OŪ=捼HBŽüŽüŽÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜ5aCourier_PCCourier_NewCaligulaFrankensteinLetterGothic_PCPresidentArial_PCLinePrinter_PCUnivers_PC Arial Dixieland UniversCd_PC AntiqueOlive_PC CGOmega_PCAlbertus_PCTimesNewRoman_PCTimes_New_RomanCGTimes_PCGaramond_PCClarendon_PC&Coronet_PC5Marigold_PC8Symbol19Symbol>WingDings?WingdingsÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜŅČAƒ.’’ŠŠ7nqŠ?ÅŠł(@ÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜ q#o5IFWsi|üŽ[³# ĒÜÜÜÜÜÜÜÜüŽ&ÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜܽœżŽ’’’’’’ÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜ89:;<=EMšbersetzung aus Acci¢n 6/95 fr PAG06.24.9506.07.95üŽÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜ