Auch wenn Kreta
sich dem sommerlichen und herbstlichen Besucher karg und verbrannt darbietet:
dem Pflanzenfreund ist die Inselnatur zu jeder Jahreszeit ein Paradies und
zudem ein spannendes und unterhaltsames Buch, nicht nur wenn
im Frühjahr sich ein Blütensegen unter den Olivenbäumen entfaltet und gar von
den karstigen Schluchtwänden wilde Tulpen winken. Und das nicht nur wegen der
noch immer unerschöpflichen Vielzahl der endemischen Arten (vom kretischen
Aronstab bis zu Phoenix Theophrasti, der europäischen Dattelpalme),
sondern auch weil Kreta die ganze Palette der Pflanzen aufweist, die im
Mittelmeerraum Geschichte gemacht haben und Geschichten erzählen können: vom
ebenso essbaren wie todbringenden Affodill bis zum hochkarätigen und zu neuen
Ehren gelangten Johannisbrotbaum, vom heilenden Diktam, von dem nur noch die agrimia
wissen, wo er in Freiheit wächst, bis zum neuerdings schnell wachsenden Ölbaum,
den findige Kreter ganz erstaunlichen neuen Nutzungsformen zugeführt haben. Und
dann gibt es noch die „pflanzlichen Touristen“ vorwiegend südamerikanischer
Provenienz: Agaven (mit ihrem geheimen Potential, das noch der Verwertung
harrt), Opuntien, die hier leider
auch den Ziegen schmecken und den seit kurzem
auch auf Europens Eiland lukrativen Avocados.