Archäologische Untersuchungen in Haft Tappeh
Modified: Tuesday, July 07, 2015
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Aktuelle Forschungen


Ziele des Projektes

Im Rahmen des Haft Tappeh-Projektes sollen die in den siebziger Jahren freigelegten Bauanlagen restauriert und konserviert werden und durch Surveys und Ausgrabungen neue Erkenntnisse über die antike Stadt und ihre Bedeutung in der Geschichte der Region gewonnen werden.


Durchgeführte Arbeiten

Das ehemalige Museumsgebäude in Haft Tappeh wurde als Projekthaus renoviert und ausgerüstet (Abb. 1). In der ersten Phase des Projektes sollten die aus der alten Grabung stammenden Artefakte, die in schlechtem Zustand in den Lagerräumen des ehemaligen Museums lagen, geordnet und untersucht werden. Inzwischen wurden Keramikgefäße, Terrakottastatuetten, Wandmalereifragmente, Bronzegegenstände, Siegelabrollungen und Tontafeln sortiert und dokumentiert, die zum Teil bereits bearbeitet und publiziert wurden oder sich derzeit noch in Vorbereitung befinden (Mofidi-Nasrabadi 2011a).

Um einen genaueren Überblick über die Gesamtstruktur der Baukomplexe und ihre Ausdehnung zu bekommen, hat B. Mofidi-Nasrabadi im Herbst 2002 in Zusammenarbeit mit den Geophysikern der Universität Kiel geophysikalische Vermessungen durchgeführt. Die Untersuchung wurde durch den „Forschungsverbund Archäologie“ der Universität Mainz finanziert. Insgesamt wurde eine Fläche von etwa 8,5 Hektar vermessen. Hierbei wurden überraschenderweise mehrere große Komplexe mit äußerst breiten Mauern festgestellt, die sich in Form von schwachen positiven Anomalien zeigten (Abb. 2). Solche Anomalien stellen die aus luftgetrockneten Ziegeln errichteten Mauern dar (Mofidi-Nasrabadi 2003-04).

Im Winter 2004 wurde ein Memorandum zwischen der „Iranian Cultural Heritage and Tourism Oragnisation“ und dem Institut für Ägyptologie und Altorientalistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz für archäologische Untersuchungen in Haft Tappeh unterzeichnet. Das Projekt wurde von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) finanziert.

Auf der Basis der geophysikalischen Vorarbeiten im Jahr 2002, die einen Gesamtüberblick über die Baustrukturen in Haft Tappeh lieferten, fanden zwei Expeditionen in Januar-Februar und Oktober-November 2005 unter der Leitung von B. Mofidi-Nasrabadi von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt.

Im Laufe dieser Untersuchungen wurden zum einen weitere geophysikalische Vermessungen und zum anderen gezielte Grabungen durchgeführt. Bei der geophysikalischen Prospektion, die von Dr. H. Stümpel und seinen Mitarbeitern von der Universität Kiel durchgeführt wurde, hat man sowohl die geomagnetische als auch die geoelektrische Methode angewandt. Mit Hilfe der geomagnetischen Methode wurden weitere Bereiche der antiken Stadt vermessen. Zusätzlich wurde die Geoelektrik zum besseren Verständnis der Baustrukturen eingesetzt. Für stratigraphische Untersuchungen wurden mehrere tiefe Schnitte anhand der geomagnetischen Karte an ausgewählten Orten angelegt. Dabei fand man Keramik und weitere interessante Objekte, wie zwei Dolche und ein Schwert aus Bronze, Terrakottastatuetten sowie mehrere Tontafelfragmente, die zurzeit im Museum von Haft Tappeh aufbewahrt werden (Abb. 4).

Zwischen Dezember 2006 und Februar 2007 fand die dritte Grabungskampagne statt. Während der Ausgrabungen wurden weitere große Areale der antiken Stadt in Zusammenarbeit mit den Geophysikern der Universität Kiel mit Hilfe der geomagnetischen Methode vermessen. Durch die Vermessung konnten weitere Monumentalanlagen innerhalb des Stadtgebiets festgestellt werden.

2008 konnten die Ausgrabungen mittels der Finanzierung des Projekts durch die DFG für weitere drei Jahre fortgesetzt werden. Die vierte, die fünfte und die sechste Kampagne fanden im Herbst 2008, im Frühjahr 2009 und im Frühjahr 2010 statt. Die Grabungen konzentrierten sich sowohl im nördlichen Stadtteil im Komplex C, der neben den früher ausgegrabenen großen Terrassen lag, als auch im südlichen Stadtbereich bei dem in der dritten Kampagne freigelegten Verwaltungsgebäude.


2011 wurde die Finanzierung des Grabungsprojekts mit dem Ziel die chronologischen Verhältnisse der Bauschichten in Haft Tappeh zu untersuchen, erneut von der DFG bewilligt. Im Winter 2011-12 sowie im Herbst 2012 wurden weitere Grabungskampagnen durchgeführt. Die Untersuchungen sind noch nicht beendet, und die Planung zukünftiger Kampagnen befindet sich in Vorbereitung.


Ergebnisse

Aufbauend auf geomagnetischen Vermessungen, konnten im nördlichen Stadtbereich außer der von Negahban freigelegten Gruftanlage mindestens 5 weitere große Baukomplexe festgestellt werden (Abb. 2, A-E). Sie bestehen aus großen Höfen, um die mehrere Räumlichkeiten errichtet worden sind. Die Außenmauern können bis zu 10 m stark und stellenweise über 100 m lang gewesen sein. Die Anlagen A und D grenzen an große Terrassen aus Lehmziegeln, die zum Teil von Negahban freigelegt wurden (Mofidi-Nasrabadi 2003-04).

Um die Funktion der Baukomplexe zu verstehen und die chronologischen Verhältnisse zu klären, haben wir bis heute in fünf Arealen (Areal I-V) Ausgrabungen durchgeführt (Abb. 3; Mofidi-Nasrabadi 2010, 2012c, 2014). Im Areal I im südlichen Stadtgebiet fanden wir ein Verwaltungsgebäude (Abb. 5), in dem Tontafelarchive festgestellt wurden (Abb. 6). In der Anlage befanden sich neben dem Arbeitsraum der Schreiber auch Trakte, die als Lagerräume für die Aufbewahrung von wertvollen Objekten benutzt wurden (Mofidi-Nasrabadi 2012a). Die Keilschrifttexte wurden zum Teil von D. Prechel bearbeitet und veröffentlicht (Prechel 2010). Es handelt sich dabei um Inventarlisten von verschiedenen Objekten, wie Pfeilen, Köchern, Objekten aus Gold und Silber, Zaumzeug und Gegenständen für die Reiterei usw. Ferner sind Personenlisten, Briefe und andere Textgattungen belegt, die sich derzeit in Bearbeitung befinden

Aufgrund der Ascheschichten und verbrannten Dachbalken auf den Fußböden einiger Räume, kann man annehmen, dass das Gebäude zerstört und in Brand gesetzt wurde. Die Funde und Keilschrifttexte deuten auf die Benutzung des Gebäudes an der Anfangsphase der mittelelamischen Zeit hin. In einem auf der Südostseite gelegenen benachbarten Haus fanden wir ein Sarkophaggrab, das mit Beigaben reich ausgestattet war. Im Grab befanden sich auch zwei Rollsiegel. Beide sind mit Inschriften versehen (Abb. 7), die eine Person mit dem Namen Ginadu und dem Titel „puhu-teppu des Königs Inšušinak-šar-ilani“ als Siegelinhaber erwähnen (Mofidi-Nasrabadi 2011). Mit puhu-teppu ist ein Verwaltungsbeamter gemeint, der für die Inventarisierung und Aufbewahrung wertvoller Inventare zuständig war. Mit großer Wahrscheinlichkeit übte Ginadu dieses Amt in dem benachbarten Verwaltungsgebäude aus. Somit war die Anlage während der Regierungszeit des Inšušinak-šar-ilani im Gebrauch, da Ginadu sich als sein Diener bezeichnete. Die im Verwaltungsgebäude festgestellte Keramik bestätigt diese Datierung. Sie stammt aus der ersten Phase der mittelelamischen Zeit. Man kann davon ausgehen, dass das Verwaltungsgebäude im Areal I während der Regierungszeiten des Inšušinak-šar-ilani und Tepti-ahar etwa am Ende des 15. Jh. bis Beginn des 14. Jh. v. Chr. errichtet und benutzt wurde. Obwohl die chronologische Reihenfolge der beiden Herrscher unklar ist, ist es dennoch sicher, dass sie kurz nacheinander regierten. Mehrere Beamte und Würdenträger wurden in den Inschriften der beiden genannt (Mofidi-Nasrabadi 2013).

Nach der Zerstörung der Anlage legte man in ihrer Ruine Gräber an. Wir fanden Sarkophag- Topf- und Erdgräber in manchen Räumlichkeiten, die zum Teil höher als das ursprüngliche Fußbodenniveau der Zimmer lagen. Die Anlage wurde daher schon sehr früh verlassen.

Im Areal III konzentrierte sich unsere Arbeit auf den Nordteil des Komplexes C), das schon auf dem Magnetogramm erkannt worden war (Abb. 2). Durch die Grabungen haben wir festgestellt, dass mindestens drei Bauschichten aus der ersten Phase der mittelelamischen Zeit in Haft Tappeh vorhanden sind. Eine ältere Bauschicht aus der Sukkalmah-Periode wurde im Areal IV auf der Westseite der von Negahban freigelegten Gruftanlage erfasst. So lieferten die Grabungskampagnen insgesamt Erkenntnisse über vier Bauschichten aus den elamischen Perioden (Mofidi-Nasrabadi 2014)


Bauschicht I ….. Sukkalmah-Periode (Beginn des 2. Jts. v. Chr.)

Bauschicht II …. Mittelelamische Zeit (Ende des 15. bis Anfang des 14. Jh. v. Chr.)

Bauschicht III … Mittelelamische Zeit (14. Jh. v. Chr.)

Bauschicht IV … Mittelelamische Zeit (Ende des 14. bis Anfang des 13. Jh. v. Chr.)


Die älteste Keramik aus Haft Tappeh aus der Bauschicht I entspricht den Exemplaren aus Susa in den sogenannten „Schichten“ von Ville Royale B VII – BV und A XV – A XIII (Abb. 8). Für eine möglichst genaue Datierung der Bauschichten wurden an 25 Proben C14-Datierungen durchgeführt, deren Ergebnisse zurzeit ausgewertet und demnächst publiziert werden.

Ein interessanter Fund wurde 2012 hinter der Nordost-Mauer des Komplexes C in der Gasse, die zwischen dem Komplex C und der Gruftanlage verlief, gemacht. Hier wurden Skelette von mehreren hundert Individuen festgestellt, die hinter der Mauer angehäuft worden waren. Wir konnten bis heute aufgrund der erhaltenen Schädelreste etwa 149 Individuen bergen. In dem noch nicht freigelegten Teil des Planquadrats müssen weitere 100 bis 150 Skelette liegen. Aufgrund der Schädelgroße kann man vorläufig festlegen, dass es unter den Toten auch Kinder gegeben hat. Zwischen den Knochen kamen vereinzelt Keramikgefäße der mittelelamischen Zeit vor. Auch einige Dattelkerne wurden beobachtet. Obwohl es kein Anzeichen für eine ordentliche Bestattung der Toten gibt, scheint es dennoch, dass man versuchte, die Toten notdürftig mit Nahrung und Beigaben auszustatten. Die extrem große Anzahl von Toten kann entweder Folge einer Epidemie oder einer kriegerischen Auseinandersetzung bzw. eines Massakers gewesen sein. Die Lage der Skelette spricht dafür, dass sie am Ende der Bauschicht IV hinter der Mauer angehäuft wurden (Mofidi-Nasrabadi 2014).


Qualifikationsarbeiten und Veröffentlichungen

Grabungsteilnehmer

Wissenschaftliche Hilfskräfte

Abb. 1: Das Projekthaus
Abb. 2: Ergänzung des Grabungsplans durch die geomagnethische Prospektion (nach Mofidi-Nasrabadi 2014, Abb. 1)
Abb. 3: Topographische Karte und die Grabungsareale
Abb. 4: Dolch aus Bronze
Abb. 5: Verwaltungszentrum nach der Grabung
Abb. 6: Tontafel aus Haft Tappeh in situ
Abb. 7: Rollsiegel des Ginadu
Susa
Haft Tappeh Susa Haft Tappeh
Abb. 8: Die Keramik der Bauschicht I aus Haft Tappeh im Vergleich mit den Exemplaren aus Susa (nach Mofidi-Nasrabadi 2014, Abb. 13)
Die Rekonstruktion des Archivraums
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(C) 2004 B. Mofidi-Nasrabadi